Antiziganismus: Expertenkommission nimmt Arbeit auf

In Deutschland sind Sinti und Roma auch weiterhin tagtäglich Stereotypen und Vorbehalten ausgesetzt. Die Diskriminierung von Menschen, die dieser Minderheit angehören, hat System und liegt auch an institutionell verankertem Rassismus. In Nazi-Deutschland waren Sinti und Roma ebenfalls, wie die Deutschen Juden, Opfer von Massenmord und Massendeportation. Viele Sinti und Roma verloren ihr Leben in Konzentrations- und Zwangslagern. Auch deshalb musste die Bundesrepublik das Thema Rassismus und Antiziganismus stärker angehen.

Am heutigen Mittwoch (27. März 2019) hat sich eine unabhängige Expertenkommission unter dem Dach des Bundesinnenministeriums (BMI) in Berlin zusammengefunden, um sich künftig dem Themenkomplex Antiziganismus zu widmen. „Menschenverachtende Einstellungen sind mit unseren Grundwerten unvereinbar. Sie dürfen nicht unwidersprochen hingenommen werden. Die Expertenkommission Antiziganismus wird antiziganistische Vorurteile und Stereotypen analysieren und Empfehlungen entwickeln, wie diesen entgegengewirkt werden kann“, erklärte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) anlässlich der Auftaktsitzung der Expertengruppe Antiziganismus.

Handlungsempfehlungen im Kampf gegen Antiziganismus sollen erarbeitet werden

Es war die konstituierende Sitzung der unabhängigen Sachverständigen, die sich künftig mit allen Erscheinungsformen von Antiziganismus auseinandersetzen sollen. Die Expertengruppe soll neben einer Bestandsaufnahme auch Handlungsempfehlungen zum Kampf gegen Antiziganismus erarbeiten. Bundesinnenminister Seehofer hatte die Expertengruppe im Dezember 2018 nach Rücksprache mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma berufen. Der Bericht des neuen Gremiums soll in spätestens zwei Jahren (Anfang 2021) fertiggestellt sein und die Grundlage für anschließende Diskussionen im Deutschen Bundestag und in der Gesellschaft bilden.

Die Gründung der Expertenkommmission war im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD vereinbart worden. Nach dem bereits 2009 einberufenem ersten unabhängigen Expertenkreis zum Thema Antisemitismus ist es das zweite Expertengremium, dass sich Explizit mit Formen von Rassismus gegenüber einer Minderheit beschäftigt. Ein Expertengremium, dass sich mit Formen von Islamfeindlichkeit bzw. antimuslimischem Rassismus beschäftigt, ist weiterhin nicht in Sicht.

Der Expertenkommission Antiziganismus gehören an (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Herr Prof. Dr. Klaus-Michael Bogdal, Professor für Germanistische Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld
  • Herr Dr. Hendrik Cremer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Menschenrechte
  • Herr Dr. Markus End, Diplom-Politologe, Mitarbeiter an der Technischen Universität in Berlin
  • Frau Dr. Karola Fings, Historikerin und stellvertretende Direktorin des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln
  • Frau Jana Mechelhoff-Herezi, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
  • Herr Georgi Ivanov, Vorstandsmitglied bei Amaro Foro
  • Frau Prof. Dr. Elizabeta Jonuz, Dr. phil., Diplom-Sozialpädagogin, Professorin für Soziale Arbeit, Migration und Internationales an der Hochschule Hannover
  • Frau Prof. Dr. Astrid Messerschmidt, Dr. phil. habil., Professorin für Erziehungswissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal
  • Herr Dr. Frank Reuter, Historiker im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg
  • Herr Prof. Dr. Wolfram Stender, Professor für Soziologie an der Universität Hannover
  • Frau Dr. Jane Weiß, Promotion im Fach Erziehungswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin

Veröffentlicht von Akif Sahin

Akif Sahin - Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

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