Kopftuchverbot für minderjährige Kinder: Liberal-Islamischer Bund ist dagegen

Der Liberal-Islamische Bund e.V. (LIB) ist gegen ein Kopftuchverbot an Schulen für minderjährige Kinder. Mit einer am Montag (25. März 2019) verbreiteten Pressemitteilung hat sich der, aus progressiven Muslimen bestehende, Verein deutlich gegen ein (politisch) gefordertes Kopftuchverbot positioniert. Die Positionierung gegen ein Kopftuchverbot wurde sowohl rechtlich, pädagogisch als auch islamtheologisch begründet. Gleichzeitig rief der Liberal-Islamische Bund etablierte Großverbände im Koordinationsrat der Muslime (KRM) dazu auf, sich ebenfalls in der Sache zu positionieren.

Der LIB machte in der Erklärung auf die Vielschichtigkeit des Themas aufmerksam. Auf der rechtlichen Ebene gelte, dass pauschale Verbote von Kopftüchern verfassungswidrig seien. Gleichzeitig solle laut LIB jungen Musliminnen in der Familie und in der Schule die „Möglichkeit gegeben werden, sich mit der Vielfalt an Interpretationsmöglichkeiten hinsichtlich des Kopftuchthemas auseinanderzusetzen – dazu gehören auch diejenigen Lesarten, die solche, welche das Kopftuch als Gebot erachten, hinterfragen.“ Laut LIB sollten muslimische Kinder und Jugendliche zu toleranten Menschen mit kritischer Reflektionsfähigkeit erzogen werden. Gleichzeitig sollten Kinder und Jugendliche dazu befähigt werden, selbstbestimmt zu entscheiden, wie sie ihr religiöses Leben führen wollen.

Progressive Muslime fordern Koordinationsrat der Muslime (KRM) zur Positionierung auf

„Kategorisch abzulehnen ist ein wie auch immer gearteter Druck oder gar Zwang seitens der Familie oder der Pädagoginnen, der die Befähigung von jungen Musliminnen zu einem autonomen Leben konterkariert“, erklärte der LIB. Dabei wurde auch deutlich gemacht, dass es Räume für junge Muslime brauche, die zum Empowerment beitragen und ein selbstbestimmtes Leben fern von Druck aus familiären oder gesellschaftlichen Gruppen ermöglichen. Der LIB unterstützt in diesem Sinne auch die ausführliche Stellungnahme des Netzwerks rassismuskritische Migrationspädagogik Baden-Württemberg.

Ferner rät der LIB Schulen dazu, das Gespräch mit den Eltern zu suchen, wenn minderjährige Kinder ein Kopftuch tragen. Vom Koordinationsrat der Muslime (KRM) und den in ihm zusammengeschlossenen Verbänden DITIB, Islamrat, VIKZ und ZMD fordert der LIB, sich in der Sache endlich zu positionieren. Die Verbände stünden ebenso in Verantwortung und müssten klarstellen, wie sie zum Thema stehen. Allgemein rät der LIB zu einer Versachlichung der Debatte. Es fehle weiterhin an gesicherten Zahlen zur Frage, wie viele minderjährige Kinder ein Kopftuch in der Schule tragen.

Veröffentlicht von Akif Sahin

Akif Sahin - Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

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