Berlin: Beiratsmitglieder des Instituts für Islamische Theologie stehen fest

Die Mitglieder des geplanten Beirats des Berliner Instituts für Islamische Theologie (BIT) an der Humboldt Universität (HU) stehen seit Freitag (22. März 2019) fest. Wie die HU und die Berliner Senatskanzlei mitteilten werden für die muslimischen Verbände Lydia Nofal (Zentralrat der Muslime), Dr. Mohammad Djavad Mohagheghi (Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden) und Mustafa Özdemir (Islamische Föderation Berlin) im Beirat sitzen. Außerdem werden Prof. Dr. Jamal Malik von der Universität Erfurt und Prof. Dr. Schirin Amir-Moazami von der Freien Universität Berlin im Beirat mitmachen.

Das Institut soll zum Wintersemester 2019/20 seinen Betrieb aufnehmen. Dabei wäre das Institut das erste dieser Art, weil es sowohl sunnitische als auch schiitische Theologie im Vergleich anbieten würde. Die Einrichtung des Beirats ist auf dem Weg zur Etablierung des Instituts daher auch ein wichtiger Schritt. Die konstituierende Sitzung des Beirates ist nach Angaben der Senatskanzlei zum Beginn des Sommersemesters geplant. Allerdings stand die Gründung des Instituts bisher unter keinem guten Stern.

Kritik an der Gründung des Berliner Instituts für Islamische Theologie

Bereits bei den Planungen zum neuen Institut hat sich die DITIB, als größter muslimischer Verband in Berlin, aus dem Projekt zurückgezogen. Dem Ausstieg der DITIB aus dem Projekt waren auch Proteste von Studierenden vorangegangen. Die DITIB führte für ihren Ausstieg vor allem rechtliche Bedenken an. Ebenfalls nicht an Bord ist der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ). Beide Verbände übten Kritik an der Gründung des Instituts – auch wegen dessen Ausrichtung. Zivilgesellschaftliche Kritiker bemängelten zudem, dass das Institut weiterhin keine verbandsunabhängigen Muslime und liberale Strömungen im Beirat und bei der Gestaltung berücksichtige.

Zuletzt war auch die geplante Zusammenstellung des Beirats in die Schlagzeilen geraten. Wie sich herausstellte, hatte ein Verband eine Personalie für den Beirat vorgeschlagen, die beim Berliner Verfassungsschutz für Kopfschütteln sorgte. Die Personalie wurde im Zuge der Diskussion wieder zurückgezogen, wie es hieß, aus persönlichen Gründen. Auch dies war Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die den Verbänden vorwerfen Vertreter eines konservativen Islams zu sein, zumal hier auch verfassungsfeindliche Tendenzen angenommen werden dürften.

Berlin will mit Institut mitmischen und sich besser präsentieren

Mit der Einrichtung des Berliner Instituts für Islamische Theologie verfolgt das Land Berlin ein ambitioniertes Projekt. So soll das BIT im Verbund mit anderen Standorten die Entwicklung eines bekenntnisorientierten Faches fördern und auch international für mehr Strahlkraf für die Bundeshauptstadt sorgen. Dabei verfolgt das BIT auch einen eigenen Weg. So sollen sunnitische und schiitische Theologie vergleichend gewürdigt werden, wobei auch christliche Theologien und andere religiösen Richtungen mit einbezogen werden sollen. Die Stadt plant am neuen Institut die Ausbildung von Theologen, die im Schuldienst, in Moscheegemeinden, in der Zivilgesellschaft und in der Wohlfahrtspflege arbeiten sollen.

Das Bekenntnis zum Islam soll Studierenden dabei nicht vorgeschrieben werden. Ob es allerdings Berlin mit seinem Ansatz besser machen kann, als die anderen fünf Standorte für Islamische Theologie in Deutschland, wird von Experten bezweifelt. Denn bundesweit macht sich Ernüchterung bereit, über den tatsächlichen Bedarf und die Ausbildung an den Zentren für Islamische Theologie. Viele Absolventen werden in die Arbeitslosigkeit ausgebildet. Moscheeverbände haben außerdem eigene Programme und Lösungen für den Bedarf an Theologen und Imamen. Letztere können nur von Religionsgemeinschaften selbst ausgebildet werden.

Veröffentlicht von Akif Sahin

Akif Sahin - Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

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