Die Sura ad-Duhan (arabisch: الدُّخَانِ, der Rauch) ist das 44. Kapitel des Quran. Die Ayat (Verse) dieser Sura wurden zum Ende der mekkanischen Periode offenbart, vermutlich zwischen der Offenbarung der Verse der Sura az-Zuhruf und der Sura al-Dschathiya. Dieses Kapitel des Quran besteht aus insgesamt 59 Versen. Die Namensgebung verdankt diese Sura dem Wort „Duhan“ im zehnten Vers. “Der Rauch” wird auch als Grund für die Offenbarung der Verse in diesem Kapitel angesehen.

Diese Sura ist das fünfte von insgesamt sieben Kapiteln im Quran, welches mit der kurzen Buchstabenfolge „Ha-Mim“ (حٰمٓۜ) beginnt. Kurz zusammengefasst behandelt dieses Kapitel des Quran vor allem Themen wie Iman (Glaube) und Wahiy (Offenbarung). Das Hauptthema in diesem Kapitel ist die Wichtigkeit und die Notwendigkeit des Glaubens an das Buch (Quran) und an den Propheten (saw). Außerdem geht es in diesem Kapitel auch um den Kampf zwischen Gut und Böse und das Verhalten der die Wahrheit leugnenden Mekkaner.

So wird auch in dieser Sura darauf aufmerksam gemacht, womit diejenigen rechnen müssen, die die Wahrheit verleugnen und welche frohen Erwartungen diejenigen haben dürfen, die da glauben und gute Werke tun. Dafür wird der Zustand der polytheistischen Mekkaner beschrieben und ihre leugnende Haltung wird mit dem Volke Israels verglichen. Es wird daran erinnert, dass das Volk Israel vom tyrannischen Pharao befreit wurde und dennoch schon nach kurzer Zeit in den Götzendienst gerutscht war. Es gibt am Ende dieses Kapitels eine Warnung, wie das Schicksal derer ausgesehen hat, die die Wahrheit verleugneten.

Kurzer Exkurs Duhan (Rauch)

An dieser Stelle sei ein kurzer Exkurs gestattet. Der Quran spricht oft in der Zeit der Vergangenheit, wobei dies eine spezifisch quranische Eigenheit ist, obwohl die Zukunft gemeint sein kann. Dinge, die noch passieren werden oder passieren sollen, werden im Quran in der Zeit der Vergangenheit dargestellt. Dies ist vor allem von Vers zu Vers verschieden deutbar und auch interpretierbar. Entsprechend gibt es immer wieder unter den Gelehrten Streit in Bezug auf Vorkommnisse und die richtige zeitliche Zuordnung dieser Vorkommnisse.

Dabei können Meinungen unter bestimmten Umständen auch nebeneinander bestehen bleiben, obwohl es eine mehrheitliche Tendenz gibt. Thomas Baur beschreibt dieses Gesamtkonstrukt sehr anschaulich in seinem Buch „Kultur der Ambiguität“. Dies gilt auch für das Thema des „Duhan“ in diesem Kapitel des Quran.

Was ist mit Duhan höchstwahrscheinlich in dieser Sura gemeint?

Die Mehrheit der Gelehrten sieht in diesem Rauch einen anderen Rauch als den in diversen Hadithen beschriebenen Rauch, welcher zur Endzeit erscheinen soll. Dies liegt vor allem daran, dass die Mehrheit sagt, der Vorfall mit Duhan, welcher im Quran beschrieben wird, sei bereits passiert während Duhan als ein Zeichen der Endzeit noch passieren wird. Dies lässt sich auch aus dem Kontext erschließen und gilt daher als meistverbreitete Annahme. Andere, wenige Gelehrte, sehen und sahen hier jedoch immer noch Parallelen zum Zeichen für die Endzeit.

Die Frage jedoch, was mit „Duhan“, dem Rauch, im quranischen Kontext tatsächlich gemeint sein könnte, erschließt sich allerdings durch einen Blick in die Prophetenbiographie (Sunna). So wird im Tafsir des Gelehrten Ibn Kathir (ra) auf eine wahre Begebenheit hingewiesen, die als Grund für die Offenbarung der Verse in diesem Kapitel gilt.  Der berühmte Prophetengefährte und spätere Exeget, Abdullah ibn Masud (ra), berichtet in Bezug auf diesen Vers explizit von einer Begebenheit, die geschehen ist.

In diesem Fall hatte der Prophet (saw) um eine Lebensmittelkrise bei den Mekkanern gebetet, ähnlich der Dürre, die dem Volke des Josef (as) zuteil wurde. Es gilt als eines seiner Wunder, welche offenkundig eingetreten sind. Tatsächlich folgte nach dem Gebet eine Dürre, die bei den Mekkanern auch zu einer Mangelernährung führte. Diese beeinträchtigte wiederum das Sehvermögen der Mekkaner sehr stark . Es war, so wird es beschrieben, wie ein Rauch, der um ihre Augen gelegt wurde. Erst auf Bitten eines anderen Mannes, betete der Prophet (saw) schließlich nach der Dürrezeit um Regen, wodurch die Dürre und damit auch die Sehschwäche der Mekkaner wieder aufhörte. Mit Duhan in diesem Vers ist – nach herrschender Meinung – dieses Vorkommnis gemeint.

Wa allahu alem… Und Allah (swt) weiß es am Besten…

Ausgewählte Verse der Sura ad-Duhan

بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّح۪يمِ

لَٓا اِلٰهَ اِلَّا هُوَ يُحْـي۪ وَيُم۪يتُۜ رَبُّكُمْ وَرَبُّ اٰبَٓائِكُمُ الْاَوَّل۪ينَ ﴿٨﴾

Es gibt keinen Gott außer Ihm. Er macht lebendig und lässt sterben — euer Herr und der Herr eurer Vorfahren. (44:8)

فَارْتَقِبْ يَوْمَ تَأْتِي السَّمَٓاءُ بِدُخَانٍ مُب۪ينٍۙ ﴿١٠﴾

Warte denn auf den Tag, an dem der Himmel in deutlichem Rauch aufgeht, (44:10)

يَغْشَى النَّاسَۜ هٰذَا عَذَابٌ اَل۪يمٌ ﴿١١﴾

Der die Menschen verhüllt. Das ist eine schmerzliche Strafe! (44:11)

اَنْ اَدُّٓوا اِلَيَّ عِبَادَ اللّٰهِۜ اِنّ۪ي لَكُمْ رَسُولٌ اَم۪ينٌۙ ﴿١٨﴾

(Er sprach:) »Überlasst mir die Diener Allahs. Ich bin gewiss ein vertrauenswürdiger Gesandter für euch. (44:18)

فَاِنَّمَا يَسَّرْنَاهُ بِلِسَانِكَ لَعَلَّهُمْ يَتَذَكَّرُونَ ﴿٥٨﴾

Wir haben ihn (den Quran) leicht verständlich gemacht, in deiner Sprache, damit sie ihn sich zu Herzen nehmen. (44:58)

Veröffentlicht von Akif Sahin

Akif Sahin - Autor, Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

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