N26 – Die Fin-Tech Bank hat es drauf!

Ich habe seit September 2018 ein zusätzliches privates Girokonto bei der Fin-Tech Bank N26. Ich war, was die Bank selbst angeht, ziemlich skeptisch. Fin-Techs sind der neueste Schrei. Es gibt sie wie Sand am Meer und immer mehr Banken und solche, die eigentlich keine sind, versuchen auf den Markt aufzuspringen. Deshalb war es mir wichtig, vorab zu klären, welches Fin-Tech überhaupt für meine persönlichen Bedürfnisse in Frage kommen könnte.

Dazu gab es die Wahl zwischen den Big-Playern, wie Revolut oder eben N26, aber auch unbekantere Player wie Insha, das sich vor allem um ein muslimisches Publikum bemüht. In meinem Umfeld, das muss ich auch sagen, gibt es zwei Personen, die auch direkt mit N26 zu tun hatten. Der eine, ein guter Kumpel aus der Arbeit, war quasi auch einer der ersten Beta-Tester von N26 – als die Bank noch Number 26 hieß. Der andere, verdient sein Geld bei der Bank.

N26 Konto als Zweitkonto genutzt

Beide rieten mir dazu, N26 zunächst nur als Zweitkonto einzurichten. Dabei sollte ich einfach mein Taschengeld, oder das Geld, was ich jeden Monat ausgeben möchte, auf das Konto von meinem Hauptkonto überweisen. Tatsächlich scheinte dies auch die vernünftigere Variante. Allerdings muss ich sagen, dass ich jetzt im fünften Monat sogar schon dazu tendiere, N26 einfach zu meinem Hauptkonto zu machen und die Commerzbank, bei der ich schon seit zwei Jahrzehnten bin, einfach links liegen zu lassen.

Das hat Gründe. Zum einen, weil ich durchaus ein Mensch bin, der sich digitalen Veränderungen nicht verschließt, zum Anderen, weil ich die Flexibilität von N26 – gerade auch im Ausland – sehr zu schätzen gelernt habe. Was für mich auch immer unbegreiflich bleibt ist, wieso ich mich mit einer einfachen Bankkarte habe so viele Jahre abspeisen lassen. Zugegeben: Die Stärke von N26 ist auch zugleich seine größte Schwäche. Es ist das Handy, das Smartphone, welches mit der Bankkarte und dem Konto verknüpft ist.

Registrierung bei N26 ist denkbar einfach

Über die N26 App muss man sich registrieren, ein Konto anlegen, eine Video-Identifikation vornehmen. Das klappt – laut Angaben vieler innerhalb von 10 Minuten – bei mir hat es insgesamt eine halbe Stunde gedauert. Aber hey, es lag auch daran, dass die Anweisungen der Dame bei der Identifikation missverständlich waren und ich erst mal etwas gebraucht habe. Ansonsten ging es recht fix. Was mich aber auch verwunderte und später klar wurde: N26 richtete für mich sofort – auf Anfrage – einen Dispo in Höhe von 500 € ein.

Nicht, dass ich das Dispo nutzen wollte, es war mir nur schleierhaft, wieso mir eine solche Möglichkeit sofort gegeben wurde. Ich hatte das nicht erwartet, aber N26 hatte anscheinend durch die Identifikation bereits festgestellt, dass meine Bonität gut war. Das war mir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bewusst. Meine Hausbank hält mich da eher immer auf Sparflamme – was nicht verkehrt ist, da man dadurch auch nicht in Versuchung gerät.

Funktionen in der N26 App sind vielfältig

Interessanter waren aber die Funktionen. Mit der App können sofort Unterkonten eingerichtet werden – z.B. zum Sparen für den Urlaub oder die Kinder. Es kann der Kontostand, aber auch Ausgaben und Kategorisierungen dieser Ausgaben anhand von Tags und Fotos vorgenommen werden. Außerdem kann man in der App selbst steuern, ob man den Dispo in Anspruch nimmt und wie groß dieser sein kann. Man kann den Dispo flexibel gestalten – je nachdem, was man braucht – natürlich Bonität vorausgesetzt.

Mit der App können aber auch die Einstellungen der MasterCard, die im Standard- und kostenlosen Tarif bereits zur Verfügung gestellt wird, vornehmen. Es ist möglich – bereits seit Beginn, die Karte für Google Pay oder Apple Pay zu nutzen. Man kann einstellen, ob man Auslandszahlungen ermöglichen möchte oder nicht. Man kann Online-Zahlungen ein oder ausstellen, ebenso wie man verbieten kann, mit der Karte Geldabbuchungen vorzunehmen.

Einschränkungen der eigenen Limits sind jederzeit möglich

Interessant ist auch, dass man die Kartenlimits pro Tag – also Ein- und Auszahlungen, selbst festlegen kann. Standardmäßig sind hier bereits 500 € eingestellt gewesen. Ich habe es ein bisschen angepasst. Die App bietet auch einige Statistiken zum eigenen Kaufverhalten an. Es ist eine Spielerei. Grundsätzlich gibt es bei N26 außerdem den Gedanken des Fair-Use.

Wer normalerweise unter 1.000 € Einzahlungen auf sein Konto erhält, der hat auch nur drei kostenlose Abhebungen pro Monat zur Verfügung. Danach kostet jede Abhebung am Automaten 2 €. Dafür kann man bei allen Banken und jedem Geldautomaten Geld abheben. Das ist vergleichsweise flexibler als bei der Commerzbank, die kostenlose Abhebungen nur bei sich selbst oder den Partner-Banken der Cash-Group zulässt.

Zahlverhalten ändert sich quasi von selbst

Ich kann sagen, dass ich mit drei Abhebungen im Monat gut zurecht komme. Dafür habe ich aber auch angefangen öfter die Karte zu nutzen. Selbst bei Kleinsbeträgen, an den Kassen, die unter 10 € liegen, greife ich öfter zur Karte, als zum Bargeld. Ich habe mich somit den Gegebenheiten angepasst. Meine Commerzbank-Karte bleibt mittlerweile Zuhause. Ebenso auch die normale Kreditkarte von Visa, die ich vor allem auf Reisen und bei Buchungen von Mietautos geschätzt habe. Alles, was ich vorher anders erledigt habe, kläre ich jetzt mit einer Karte.

Das Beste ist: Egal wo ich bin, was ich gerade tue mit der Karte, Abbuchungen und auch Einzahlungen, werden mir per Push-Nachricht sofort angezeigt. Zu jeder Uhrzeit, zu jedem Anlass. Es gibt keine Verzögerungen. Meist kommt die Meldung über die erfolgreiche Bezahlung sogar vor dem Kassenbon bei mir an. Das ist Banking auf höchstem Niveau, weil es mir alles anzeigt, was bei meinem Konto geschieht und das ohne Zeitverzögerung. Deshalb bin ich auch rundum zufrieden. Noch zufriedener wurde ich im Türkei-Urlaub.

Auslandseinsatz der N26 MasterCard war einfach und unkompliziert

Erstmals bei einem Türkei-Urlaub habe ich nicht viel Geld mitgenommen, wie ursprünglich angedacht. Zwar hatte ich vorsichtshalber eine Reserve dabei, aber im Grunde war es mir einfach jedes Mal gefährlich, so viel Geld mit mir rumzuschleppen. Deshalb habe ich meine neue Karte, ebenso wie meine Kreditkarte und meine Bankkarte dabei. Es gab neue Möglichkeiten und die bedeutete: Einfaches GEldabheben am Automaten. Auch hier hat N26 eine gute Figur gemacht. Die Bank rät dazu, vor einem Auslandsurlaub den Chip auf der Karte an einem deutschen Automaten einmal zu nutzen. Gesagt getan.

In der Türkei konnte ich an jedem beliebigen Automaten Geld abheben und das zu einem aktuellen und fairen Kurs. Geldabhebungen im Ausland sind im höchsten Tarif Black kostenlos. Sonst wird eine Gebühr von 1,7 % erhoben. Aber selbst das ist kostengünstiger, als bei meiner Hausbank oder anderen Banken. Diese Freiheit – eine Karte und viele Möglichkeiten und dazu auch noch international, die habe ich gesucht und ich habe sie bei N26 gefunden. Letztens wurde außerdem bekannt, dass die Bank jetzt zu den Fin-Tech Unicorns gehört. Also ein Fin-Tech ist, dessen Wert auf über 1 Milliarde US-Dollar geschätzt wird.

Schattenseiten einer Fin-Tech Bank

Ich für meinen Teil bin zufrieden, aber es gibt natürlich Punkte, die angesprochen werden müssen. Dazu zählt zum Beispiel die klare Sachlage, dass es keine Filialen gibt. Die Digitalisierung kann in diesem Fall sogar zu einem Problem werden, weil es eben auch das Konsumverhalten beeinflusst. Man verliert unter Umständen das Gefühl für echtes Geld. Ebenso ist es schwierig, bis mitunter unmöglich z.B. Hart-Geld oder Scheine auf sein Konto einzuzahlen. Es gibt zwar Möglichkeiten, diese bleiben aber bescheiden.

Auch zeigen Einträge in der FAQ, dass nicht immer alles rund läuft. Es kann auch mal sein, dass man z.B. Geld abheben möchte, aber obwohl alles richtig ist, plötzlich kein Geld ausgegeben wird. Und außerdem gibt es immer wieder Diskussionen über die Sicherheit. Ein Beispiel dafür fand sich bereits 2016 in der Kritik am Wegfall der zwei-Faktor-Authentifizierung. Deshalb ist die Vorsicht zunächst natürlich groß und durchaus berechtigt.

Ich habe aber keine Probleme gehabt, im Gegenteil: Ich bin so zufrieden, dass ich demnächst mein N26 Konto zum Hauptkonto machen werde. Auch mit Blick auf mögliche Fusion zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank. Ich möchte kein Kunde der Deutschen Bank sein. Das ist ganz einfach. Da sind Fin-Techs – im Bankendschungel mit verschieden hohen Gebühren – durchaus eine Alternative. Übrigens, mein zweiter Kandidat war tatsächlich nicht Revolut, sondern Insha. Auch das ist ein Fin-Tech, allerdings ist es eine Zusammenarbeit zwischen Al-Baraka Turk Bank und der Solaris-Bank in Berlin.

Insha ist auf dem Weg zu einer Alternative für alle, die auf Islamic Banking setzen

Was Insha ausmacht, ist das vorgebliche Zinsfreie Banking – auch oft Islamic Banking genannt. Tatsächlich ist die App interessant, aber letztlich hat mich N26 stärker überzeugt. Das lag auch daran, dass einige Funktionen noch nicht ausgereift bzw. noch nicht verfügbar waren: Beispielsweise Geldüberweisungen in die Türkei (wobei die Gebühren dafür immer noch auf einem hohen Niveau wären) oder „Online-Banking“.

Tatsächlich könnte aber Insha die Zukunft des Fin-Tech Universum in der islam-Nische in Deutschland gehören. Banken, die sich als „islam-konform“ vermarkten haben zwar Filialen eröffnet, aber das Fin-Tech Banking und Online-Banking ist in diesem Filial-Netz in Deutschland weiterhin nicht ausgebaut. Schaut man in die Türkei tun sich hier Welten auseinander. Hier könnte Insha, als Joint Venture, in eine Lücke stoßen, die besonders junge Muslime ansprechen könnte. Dafür müssten aber die Funktionen und Vorteile noch deutlicher und erkennbarer sein.

Es reicht eben aus meiner Sicht nicht aus, einen Qibla-Finder oder Moscheesuche in eine Banking-App einzubauen. Mitunter wirkt das eben auch Grotesk und vor allem ungewohnt. Ein Zakat-Rechner hingegen, ist keine schlechte Idee. Für alle anderen bleibt einfach der Vergleich: Welche Bank oder welche Fin-Tech ist vielleicht besser geeignet die eigenen und persönlichen Bedürfnisse zu erfüllen?

Hinweis: In einer früheren Version hieß es die KT-Bank AG habe sich noch nicht in diesem Bereich engagiert. Aktuell hat sich das allerdings leicht geändert. Das ist nur an mir vorbeigegangen. Ich bitte den Fehler zu entschuldigen.

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Über Akif Sahin

Blogger Akif Sahin aus HamburgAkif Sahin arbeitet als Spezialist für Suchmaschinen-Marketing (SEO/SEA) bei einem Träger der freien Jugendhilfe in Hamburg. Er ist Blogger, Social Media und SEM Experte und engagiert sich für eine bessere Gesellschaft.

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