Auch in diesem Jahr gibt es eine Liste mit den Deutschen Islam-Köpfen im Social Web. Wie immer werden – aus meiner subjektiven Sicht heraus – die Top Ten Influencer des Jahres vorgestellt. Die Begründungen fallen diesmal etwas kürzer aus. Ich hatte keine Lust auf lange Texte, es ist aber immer noch sehr lang geworden 😊

Nochmal zur Erinnerung: Das ist eine persönliche Liste, die niemand toll finden muss, aber doch irgendwie toll gefunden wird. Es steht allen frei die Liste zu kritisieren, sie zu teilen, sie zu kommentieren. Ja es gibt eine tolle Blog-Kommentar-Funktion hier. Ihr könnt die ruhig ausprobieren. Es beißt euch keiner, wenn ihr davon Gebrauch macht. Die Liste folgt den Listen aus dem Jahr 2013 und 2017 und ist damit die dritte in dieser Form. Sie stellt subjektiv eine Zusammenfassung der wichtigsten Personen auf sozialen Medien im Jahr 2018 vor, die beim Thema Islam als „Influencer“ angesehen werden können.

Zur Erstellung dieser Liste

Das einzige Kriterium für diese Liste aus meiner Sicht: Wahrnehmung. Wen habe ich im vergangenen Jahr am stärksten wahrgenommen? Das Ergebnis liest sich unten. Für das Jahr 2018 hat es auch ein Punktesystem gegeben, das ich sporadisch gepflegt habe. Um mir auch ein bisschen was aus der Community herauszuholen, gab es außerdem eine kleine Umfrage. Die hat allerdings keine neuen Erkenntnisse hervorgebracht. Es kamen fast immer die gleichen Namen.

Ein Ausschlusskriterium für diese Liste ist – wie in den Jahren zuvor – deutliche und klare Islamfeindlichkeit. Wir müssen nicht auch noch Leute, die sich selbst und ihre Religion hassen, in den Vordergrund stellen. Dieser Eintrag soll auch als Zeichen dafür verstanden werden, wie unwichtig diese Vollpfosten, ihre Meinung und ihre Arbeit für die (muslimische) Community sind.

Diese Liste ist, wie immer, eine Spielerei, die aber anscheinend in und außerhalb der Community ziemlich gut ankommt. Die Texte werden regelmäßig gelesen und geteilt. Sie scheint also auf irgendeine Art und Weise relevant zu sein. Dafür auch vielen lieben Dank! Los geht’s!

Platz 10 – Aiman Mazyek – Verbandsmuslim

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime ist noch immer im Amt und macht auch weiterhin von sich reden. Im Gegensatz zu den Vertretern anderer Verbände äußert sich Mazyek zu allen möglichen Themen. Beispielsweise zu Fußball, wo er bei der Debatte zu Özil auch den Rücktritt von Oliver Bierhoff und Reinhard Grindel gefordert hat. Tatsächlich lässt sich der tatsächliche Einfluss von Mazyek jedoch sehr stark relativieren. Schaut man sich die Berichte über Mazyek beispielsweise an, entdeckt man oft als Quelle eine ganz bestimmte Zeitung. Es wirkt so, als hofiere vor allem die „Neue Osnabrücker Zeitung“ dem Verbands-Muslim.

Es wurden auch (Exklusiv-)Interviews mit Mazyek abgedruckt und über ots und Presseportal an andere Medien herausgegeben. Dadurch bleibt der Politiker in wichtigen Themen auch medial omnipräsent, da viele andere Medien das Ganze durch den Ticker mit aufnehmen. So kann man natürlich auch Relevanz schaffen. Nachhaltig ist das jedoch nicht. Trotzdem spielt Mazyek weiterhin eine wichtige Rolle. Wie lange das noch gut geht, darf hinterfragt werden. Aktuell wird das Thema Religionsunterricht vom ZMD hochgehalten. Es deutet sich aber an, dass sich der Verband demnächst intensiv mit türkischem Nationalismus und der Muslimbruderschaft in den eigenen Reihen auseinandersetzen muss.

Twitter: https://twitter.com/aimanMazyek

Facebook: https://www.facebook.com/AimanMazyek2

Platz 9 – Murat Kayman – Jurist

Keiner beherrscht das Anti-Bloggertum so gut wie Murat Kayman. In diesem Jahr haben seine Texte in seinem eigenen Blog nicht nur bewegt, sondern massiven Ansturm gehabt. Von solchen Zugriffszahlen – die mir nur schätzungsweise vorliegen – können andere, die seit Jahren schon bloggen, nur träumen. Das liegt nicht an ellenlangen Texten, es liegt vor allem an der Qualität, den behandelten Themen und der Tiefe, mit der der Autor seine Texte verfasst. So kommen einem 8 DIN A4 Seiten plötzlich so vor, als sei alles schnell erklärt gewesen. An Kayman ist ein wichtiger Autor und Intellektueller verloren gegangen. Er schreibt heute als Anti-Blogger zu relevanten Themen der muslimischen Community, die auch von der Basis wahrgenommen, geteilt und heiß diskutiert werden. Dabei nimmt er keine Rücksicht auf Textlängen, Formate und Co. Vielleicht ist das auch sein Erfolgsrezept.

Website: www.murat-kayman.de

Twitter: https://twitter.com/KaymanMurat

Facebook: https://www.facebook.com/murat.kayman

Platz 8 – Sawsan Chebli – Politikerin

Es läuft nicht rund für Sawsan Chebli. In diesem Jahr hat sie weniger mit Inhalten und Themen überzeugt als mit Diskussionen um ihren Lebensstil (RolexGate), sexistischen Schreibtischtätern und Tränenausbrüche. Die Twitter-Queen hat aktuell ein Problem: Sie kann nicht mehr so frisch und befreit drauflosschreiben, wie es noch letztes Jahr möglich gewesen wäre. Dabei überzeugt ihre Arbeit eigentlich und auch ihre Rolle als Vorbild für Muslim*innen ist ungebrochen. Doch es fehlt ein bisschen mehr Mut, nach vielen öffentlichen Rückschlägen und Kritiken. Sie darf um keines Willen den Fehler machen, sich nun selbst zu zensieren. Sonst verliert das Social Web und die muslimische Community eine wichtige und erfolgreiche Stimme der Vernunft.

Twitter: https://twitter.com/sawsanchebli

Platz 7 – Volker Beck – Politischer Aktivist

Auch in diesem Jahr schafft es Beck als „Nicht-Muslim“ in die Liste. Anders als Abgeordneter muss Volker Beck jedoch auch viel Einstecken. Zuletzt hat die IGMG gegen den Kämpfer gegen Diskriminierung Klage eingereicht. Beck wehrt sich nicht nur juristisch, sondern zeigt auch in Tweets der Organisation schon hin und wieder, wie viel kompromittierendes Material so eigentlich existiert. In fast allen relevanten Debatten für die Muslime in Deutschland war Beck dabei. Das macht ihn auch in diesem Jahr zu einem wichtigen Baustein in dieser Liste, den man nicht so einfach entfernen kann.

Website: https://www.volkerbeck.de/

Twitter: https://twitter.com/volker_beck

Facebook: https://www.facebook.com/beckstage

Platz 6 – Aaliyah Bah-Traoré – Tutorin

Aaliyah Bah-Traoré arbeitet hauptberuflich als Tutorin bei Engagement Global, dass sich vor allem mit Themen der Entwicklungspolitik (z.B. dem weltwärts-Programm) beschäftigt. Bah-Traoré hat jedoch in diesem Jahr verstärkt auf sich aufmerksam gemacht, indem sie vor allem das Thema Rassismus in den eigenen muslimischen Reihen thematisiert hat. Sie war Speakerin bei der Jungen Islam Konferenz, gibt Empowerment Kurse für People of Colour und hat einen vielbeachteten Beitrag zum Thema Rassismus bei Muslim*innen und muslimischen Gemeinschaften geschrieben. Ihr Einsatz im intersektionalen und feministischen Bereich ist stellvertretend für eine junge Generation von jungen Muslim*innen in Deutschland, die auf Rassismus und Diskriminierungen nicht nur aufmerksam machen, sondern Rechte und Pflichten empowernd aus der Gesellschaft heraus einfordern.

Facebook: https://www.facebook.com/aaliyahbahtraore

Platz 5 – Kübra Gümüşay – Aktivistin

Kübra bleibt die vermutlich wichtigste muslimische und feministische Stimme in Deutschland. Während ihr Engagement als Speakerin vor allem auf eher geschlosseneren Veranstaltungen weitergeht, hat es in diesem Jahr vor allem Prozesse und Anfeindungen gegen die junge Muslima gegeben. Tatsächlich hat Kübra viel Solidarität erhalten, als das Who is Who der Islamfeindlichkeit samt BILD-Zeitung gegen sie gehetzt und sich quasi selbst für jeden Diskurs disqualifiziert hat. Kübra konnte sich gegen diese Inszenierung und den Hass gut zur Wehr setzen, was auch zeigt, wie groß ihre Stärke in der Öffentlichkeit mittlerweile geworden ist. Insgesamt war auch das Jahr 2018 für die junge Muslimin sehr erfolgreich. Jedoch habe ich aktuell eher das Gefühl, dass ihr Einfluss schwindet. Das hat nicht primär mit den Anfeindungen zu tun, sondern auch damit, wie Kübra aktuell kommuniziert. Wer ihr folgen möchte, sollte eher auf Instagram einschalten, als auf Twitter zugucken. Das bringt alte Hasen wie mich dazu, sie nicht mehr so stark wahrzunehmen. Dafür dürfte eine deutlich jüngere Gruppe mehr von Kübra haben.

Website: http://ein-fremdwoerterbuch.com/

Twitter: https://twitter.com/kuebra

Instagram: https://www.instagram.com/kuebrag/

Platz 4 – Lamya Kaddor – Islamwissenschaftlerin

Eine wichtige Stimme für den Islam in Deutschland ist auch Lamya Kaddor. Doch die Aufmerksamkeit und auch die Wahrnehmung für Kaddor haben im Jahr 2018 weiter zugenommen. Das verdankt Kaddor nicht nur ihrer Forschung zu Islamfeindlichkeit unter jungen Muslim*innen, die in diesem Jahr mit Teilergebnissen bereits viel Aufmerksamkeit verursachte oder der Klage von Necla Kelek wegen falscher Zitierung. Die Kolumne „Zwischentöne“ bei T-Online (eines der größten Nachrichtenportale im Land!) kommt ziemlich gut an und wird aufmerksam gelesen – auch weil Kaddor sich interessanten Themen aus und für die muslimische Community widmet. Man muss nicht immer einer Meinung sein, aber ihre Inputs sorgen für Diskussionen und das ist auch gut so.

Website: http://lamya-kaddor.de/

Twitter: https://twitter.com/LamyaKaddor

Facebook: https://www.facebook.com/lamya.kaddor

Platz 3 – Younes Al-Amayra (Datteltäter) – Künstler/Satiriker

Aktuell haben die Datteltäter über 250.000 Abonnenten auf YouTube und können auf ein erfolgreiches Jahr 2018 zurückblicken. Mit Satire gegen Fanatismus, so kann man das Programm beschreiben. Mein Lieblings-Datteltäter ist aber weiterhin Younes, ohne den die Datteltäter einfach nicht funktionieren würden. In diesem Jahr hat sich Younes auch etwas stärker von seiner privaten Seite gezeigt, mehr auf Veranstaltungen und Events gesprochen und sich auch stärker öffentlich präsentiert, als in den Jahren zuvor. Das Video unten sei allen ans Herz gelegt. Ach ja: Im Dienste der Transparenz – Laut Facebook-Profil ist Younes auch in diesem Jahr Single. Eines seiner Lieblingsthemen und Fragen, was er auch in Datteltäter-Videos verarbeitet ^^

YouTube: https://www.youtube.com/channel/UCF_oOFgq8qwi7HRGTJSsZ-g

Instagram: https://www.instagram.com/das_younes/

Facebook: https://www.facebook.com/alamayra

Platz 2 – Eren Güvercin – Freier Journalist

Meine Lieblingsnervensäge hat es in diesem Jahr geschafft, so präsent zu sein, dass man gar nicht mehr um in herumkam. Wer sich über Debatten, die wichtig für die muslimische Community sind, aktuell halten möchte, der sollte Eren Güvercin folgen. 2018 hat er, in fast allen Monaten, mindestens in einem relevanten deutschsprachigen Medium entweder selbst einen Beitrag veröffentlicht oder wurde interviewt. Sein Thema im Jahr 2018 war dabei auch richtungsweisend für die Deutsche Islam Konferenz: Wie kann ein Deutscher Islam aussehen? Damit ist der Publizist und freie Journalist mit seinen Meinungsbeiträgen deutlich wichtiger für die aktuellen Debatten der muslimischen Community, als alle Islam-Verbände zusammengenommen.

Website: https://erenguevercin.wordpress.com/

Twitter: https://twitter.com/erenguevercin

Facebook: https://www.facebook.com/eren.guvercin.3

Platz 1 – Ali Can – Sozialaktivist

Um keine Missverständnisse entstehen zu lassen: Meines Wissens nach ist Ali Can kein bekennender Muslim und hat kurdisch-alevitische Wurzeln. Sollte ich hier einem Irrtum unterliegen, bitte ich um Korrekturhinweise. Ich habe den Sozialaktivisten trotzdem auf diese Liste genommen, weil er mit seiner #MeTwo Kampagne in diesem Jahr auch massiven Anteil daran hatte, dass sich viele Muslim*innen zu Wort gemeldet und über das Thema Alltagsrassismus öffentlich gesprochen haben, darunter auch der Autor dieses Blogs. Es ist also wieder eine Ausnahme von der Regel, weil Can mit seiner #MeTwo Aktion wirklich vielen Menschen mit Migrationshintergrund aus der Seele gesprochen hat und auch etwas bewirkt hat: Alltagsrassismus wurde in Deutschland öffentlich und sichtbar. Es gab auch Treffen mit ranghohen Vertretern des Staates und das Thema bleibt auch weiterhin präsent. Can arbeitet seit Jahren in der Antidiskriminierungsarbeit, hält Vorträge und Workshops. Sein bekanntestes aktuelles Projekt nach #MeTwo ist die Hotline für Besorgte Bürger. Er hat aber auch die Konferenz Junger Demokratinnen der Friedrich Ebert Stiftung (FES) im Jahr 2017 mit initiiert.

Website: www.ali-can.de

Twitter: https://twitter.com/alicanglobal

Facebook: https://www.facebook.com/alicanglobal

Das war’s jetzt auch mit der Liste. Anmerkungen? Verbesserungsvorschläge? Kritik? Gerne hier unter dem Beitrag als Kommentar. Dankeschön für die Aufmerksamkeit!

Veröffentlicht von Akif Sahin

Akif Sahin - Autor, Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

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1 Kommentar

  1. Mazyek hätte man weglassen können. Der hat keinen Einfluss, der ist nur noch zum Fremdschämen. Sonst eine sehr gute Liste und ich glaube vielsagend. Danke!

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