Initiative säkularer Islam – keine Ahnung, keine Basis und keine Zukunft

Zur neu gegründeten „Initiative säkularer Islam“ wollte ich mich eigentlich nicht weiter äußern. Alles, was man dazu sagen könnte, habe ich bereits bei meinem Beitrag zum Thema „Muslimisches Forum Deutschland“ erläutert gehabt. Doch jetzt, wo ich wieder sehe, dass dieser Unsinn auch noch für ernst und voll genommen wird, muss erneut vehement widersprochen werden.

Grundsätzlich: Diese Initiative steht genauso wie das Muslimische Forum auf wackeligen Beinen, weil es Islamfeinde mit an Bord hat, Interessenkonflikte vorprogrammiert sind, inhaltliche Qualität fehlt und es auch keine Basis für diese Initiative gibt. Außerdem ist es personell falsch und unzureichend besetzt. Das war schon damals ein Gründungsfehler und ist es erneut. Man könnte auch sagen, hier kommt der nächste Anlauf gegen die Wand. Man kann nur hoffen, dass es deutlich mehr weh tut, als damals, damit wir Muslime von solchem Unsinn in Zukunft verschont bleiben.

Keine Relevanz für die muslimische Community in Deutschland

Außerdem haben wir es mit einer Truppe zu tun, die bisher alles mögliche gemacht hat, aber vor allem eines nicht geschafft hat: Relevanz in der muslimischen Community zu haben. Die „Initiative säkularer Islam“ ist eine Truppe von Loosern, die sich vielleicht durch den Verkauf von Büchern und dem Halten von Vorträgen in irgendeiner Form finanziell bereichern konnten. Sie spielen aber im Alltag von säkularen Muslimen keine Rolle und jeder vernünftige Muslim pfeift auf diese Truppe. Genauso wenig braucht der Staat solche Ansprechpartner.

Diese Gruppe ist erneut ein Beweis dafür, dass man in Deutschland jeden Unsinn anstellen und jede noch so blödeste Initiative starten kann, um dann von der Medienlandschaft hofiert, aber in keinster Weise relevant zu sein. Die Online-Petition bringt es auch auf den Punkt: Sie ist gespickt mit freiheitlich daher kommenden Argumenten, will aber nicht nur Muslimen ihre religiöse Identität und ihr religiöses Erscheinungsbild nehmen, sie will Muslime vor allem auch gesellschaftlich isolieren. Gleichzeitig wird hier auch der Bock zum Gärtner gemacht, wenn man, der Argumentation folgend, „den Muslimen“ vorwirft, sie seien selbst schuld an Islamfeindlichkeit. Das ist besonders perfide, weil man hier Muslime erneut zum Feindbild der Gesellschaft macht.

Initiative ist kein liberaler oder säkularer Islam

Das ist mit Verlaub der größte Bullshit der Islam-Debatte überhaupt. Da hilft es auch nicht, wenn ein vermeintlich toller Cem Özdemir in der Runde sitzt. Es ist eher fatal, dass ein Grüner Politiker sich mit Menschen zusammentut, die muslimischen Frauen das Recht absprechen wollen, zu tragen was auch immer sie wollen und zu arbeiten, wo immer sie auch wollen. Es geht diese Runde letztlich nichts an, ob eine Frau mit Kopftuch unterrichtet, Richterin wird, Putzfrau ist oder letztlich in einer Bar kellnert. Ebenso wenig gehört religiöses Leben – sei es christlich, buddhistisch, jüdisch oder islamisch – aus der Öffentlichkeit verbannt. Der säkulare Staat bejaht eben religiöses Dasein und schließt hier niemanden aus.

Das Problem an dieser Truppe ist wieder einmal, dass sie vorgibt für einen liberalen Islam zu stehen, aber den Menschen in einem autoritären und nicht hinnehmbaren Ton vorschreiben möchte, wie sie zu leben haben. Auch Cem Özdemir macht entsprechend eine Radikalisierung durch, wenn er sich von klaren grünen politischen Positionen verabschiedet und mit Protagonisten der Islamfeindlichkeit in Deutschland und Stichwortgebern der „neuen“ Rechten sich solidarisiert und gemeinsame Sache macht. Da hilft es auch nicht sich zu distanzieren und von Positionen abzurücken, um dann auf eine „inhaltliche“ Diskussion zu verweisen. Die Inhalte die hier propagiert werden, sind schon von Grund auf falsch.

Gefahr für die offene Gesellschaft durch Initiative säkularer Islam

Diese Initiave steht für Alles, was eben eine offene Gesellschaft gefährdet und vor allem für eine restriktive und autoritäre Führung. Anders kann man die Zeilen einer recycleten pamphletischen Schrift nicht bezeichnen und schon gar nicht interpretieren. Wollte man wirklich für Muslime sprechen, die sich als liberal oder säkular verstehen, dann hätte man vor allem sich nicht mit Menschen gemein machen dürfen, die für alles andere stehen, aber eben nicht für diese Punkte. Es gibt liberale Muslime, es gibt säkulare Muslime, diese Muslime werden durch solche Pamphlete in keinster Weise vertreten.

Säkularität bedeutet eben nicht Laizismus. Liberalität bedeutet eben nicht, dass man sich in eine Einschränkung des Individuums begibt. Entsprechend ist diese Iniative erneut eine Missgeburt, die keine Überlebenschancen in einer freiheitlichen und offenen Demokratie hat. Menschen, die es in ihrem Leben zu nichts weiter gebracht haben, als der vermeintlich positiven Bezeichnung „Islam-Experte“ sind letztlich nur erneut darauf erpicht Aufmerksamkeit zu generieren. In diesem Sinne hoffe ich, dass diese Sache schneller verpufft als das „Muslimische Forum Deutschland“. Da war wenigstens noch etwas Substanz vorhanden, in der Form, dass es auch Theologen an Bord hatte, die sich wirklich inhaltlich mit der Thematik beschäftigen wollten. Hier haben wir eher Schwätzer, die nicht mal wissen, was liberal oder säkular bedeutet. 

So kann es nicht gelingen und wir sollten der Presse- und Medienlandschaft noch einmal verdeutlichen: So nicht. Schon gar nicht, wenn man einen „säkularen Islam“ politisiert, indem man eine Initiative mit der Deutschen Islam Konferenz begründet. Das ist, um es klarzustellen, eine eindeutige Form von Islamismus. Und den wollen wir in diesem Land nicht – egal von welcher Seite.

Leseempfehlungen – Siehe auch: Lamya Kaddor: Der Klub der kritisierten Islamkritiker schlägt zurück und Ferit Hafez: Wie säkular ist die Initiative „islamkritischer“ Muslime tatsächlich?

Veröffentlicht von Akif Sahin

Akif Sahin - Autor, Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

Beteilige dich an der Unterhaltung

2 Kommentare

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.