Die Gebetswaschung, welche im arabischen als Wudhu oder im türkischen als Abdest bezeichnet wird, hat religiöse und hygienische Vorzüge.

Es gibt einen bekannten Witz, der von einem Muslim handelt, welcher am Flughafen die Gebetswaschung vornimmt und dabei von einem Fremden beschimpft wird. Der Muslim hört seinem schimpfenden Gegenüber geduldig zu und lässt ihn ausreden. Der Mann fragt den Muslim schließlich auf seine Waschung deutend: „Und was soll dieser Blödsinn überhaupt? Wozu soll das gut sein?!“ Der Muslim schaut sich den Mann an und fragt: „Wie oft wäschst du täglich dein Gesicht?“ Er erhält als Antwort: „Ein Mal am Morgen.“ Der Muslim grinst und zeigt auf seine noch nassen Füße und sagt schließlich: „Allein meine Füße wasche ich täglich mindestens fünf Mal. Sie sind also sauberer als dein Gesicht. Dafür ist es gut.“

Tatsächlich begegnet man auch heute noch im Alltag immer wieder Muslimen, die an Tankstellen oder Flughäfen eine Waschung vornehmen. Viele Menschen fragen sich, wozu das gut sein soll. Die Gebetswaschung, welche im arabischen als Wudhu oder im türkischen als Abdest bezeichnet wird, hat zahlreiche und verschiedene Vorzüge. Die hygienischen Vorzüge sind nur ein Teil davon. Tatsächlich ist die Gebetswaschung auch als ein ritueller Akt zu verstehen, der sowohl den Körper als auch den Geist reinigen soll und einem auch die Tore des Paradieses öffnen soll. Hierum soll es in diesem kurzen Text gehen.

Hygienische Vorteile der Gebetswaschung

Sauberkeit hat im Islam einen hohen Stellenwert. Bekannte Bücher über religiöse Handlungen beginnen auch deshalb oft mit dem Themenkomplex der Reinlichkeit und Sauberkeit. Die Gebetswaschung ist sehr wichtig und bildet eine Grundlage, um gottesdienstliche Handlungen, ʿIbādat, zu verrichten. Die hygienischen Vorteile sind allerdings nicht von der Hand zu weisen.

Die Gebetswaschung dient in erster Linie dazu sich von Schmutz und Unreinheiten auf dem Körper oder der Kleidung zu trennen. Dazu gehört auch, dass man bereits im Vorfeld bei der Verrichtung der Notdurft darauf achtet, dass man die körperlichen Organe ordentlich säubert. Dies ist mitunter ein Grund dafür, warum Muslime für ihre Notdurft auch Wasser mit auf das WC nehmen. Denn nur wo Wasser wirklich herankommt, ist auch eine echte Reinheit gewährleistet. Klopapier alleine reicht eben nicht aus, um sich vom Schmutz zu säubern.

Danach wird die Gebetswaschung vollzogen und damit noch eine weitere Stufe der Sauberkeit erlangt. Ein Muslim, der die Gebetswaschung vollzieht, ist mit seiner Umwelt in direktem Kontakt. Gleichzeitig schützt er sich vor Krankheiten, die auf mangelnde Hygiene zurückzuführen sind. Dies ist mitunter ein Grund dafür, warum in islamischen Ländern während des Mittelalters keine Epidemien wie die Pest ausgebrochen sind. Die Bevölkerung legte Wert auf Sauberkeit, während vom mittelalterlichen Europa bekannt ist, dass der Gang zum Badehaus nur den Privilegierten möglich war, und in manchen Schlössern und Einrichtungen nicht einmal ein Ort für die Notdurft existierte (ein Grund übrigens dafür, warum die Franzosen das Parfum nutzten war ein Gerücht, dass angeblich die Pest über Badehäuser verbreitet wurde, weshalb man mehr und mehr zum Parfum und Eau de Toilette griff).

Vorteile der Gebetswaschung aus religiöser Sicht

Um diese Vorteile zu verstehen, sollte man einen Blick in die Überlieferungen von Aussprüchen vom Propheten Muhammad (saw) werfen. Eines der berühmtesten Aussprüche, die sich dem Thema der Gebetswaschung widmen, findet sich in folgendem Hadith:

Wenn ein Muslim während der Gebetswaschung seine Hände wäschst, so werden ihm seine Sünden mit den Händen vergeben, wenn er sein Gesicht wäschst, so werden ihm seine Sünden mit seinen Augen vergeben, wenn er über seinen Kopf streicht, so werden ihm seine Sünden, die er mit seinen Ohren gehört hat vergeben und wenn er seine Füße wäschst werden ihm seine Sünden vergeben, die er mit seinem Gang mit den Füßen begangen hat.

[Et Tergib ve Et-Terhib Band 1 S. 155]

und auch folgender Hadith weist auf die Wichtigkeit der Gebetswaschung hin:

Wenn Jemand von euch vollständig die Gebetswaschung vollzieht und anschließend: „Asch hadu en la ilahe illallahu wahdahu la scharika leh, wa asch hadu enne Muhammadan abduhu wa rasuluh“ sagt, für den öffnen sich alle Acht Tore des Paradieses und er tritt durch das Tor ein, dass er möchte.

[Et Tergib ve Et-Terhin Band 1. S. 171]

Wir können entsprechend festhalten, dass die Gebetswaschung an sich, sowohl für die Reinheit des Körpers, als auch für die Reinheit der Seele, wichtig ist. Die Gebetswaschung erlöst den Gläubigen auch von seinen Sünden, wenn er diese wahrhaftig durchführt und dies auch mit mit der Absicht seine Sünden nicht zu wiederholen tut. Gleichzeitig ist die Gebetswaschung auch der Schlüssel für das Paradies. Dies liegt mitunter daran, dass viele gottesdienstlichen Handlungen im Islam auch gar nicht ohne Gebetswaschung vollzogen werden können. Die Gebetswaschung ist also nur der erste Schritt hin zu gottesdienstlichen Handlungen. Es ist gleichzeitig eine Vorbereitung auf gottesdienstliche Handlungen aber auch ein Schutz und eine Stärkung des Glaubens.

Eine ausführlichere Anleitung findet sich in diesem Text, der als Fortführung für diesen Beitrag diente.

Published by Akif Sahin

Akif Sahin - Autor, Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

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