Als Mentor versagt…

Es gibt Dinge, die ich gerne gesagt und geteilt hätte.
Ich durfte, konnte und wollte nicht.
Es war mir nicht vergönnt.

Ich habe als Mentor noch nie zuvor versagt. Jeder junge Mensch, den ich betreut habe, hat es geschafft sein Leben zu ordnen und ein erfolgreicher Teil dieser Gesellschaft zu sein. Sei es in Form eines (Schul-)Abschlusses, einer Ausbildung, eines Studiums oder sogar in Form einer Promotion. Ein paar ganz wenige sitzen aktuell sogar an ihrer Habilitation. Doch mein letzter Fall, der hat mich scheitern lassen und es liegt irgendwie an mir.

Ich hasse es zu versagen. Ich kann damit nicht umgehen und nur sehr schwer damit leben. Doch ich habe versagt. Es gibt nichts schönzureden. Als Mentor, im privaten wie im beruflichen, habe ich versagt. Ich habe als Förderer und als Freund versagt. Und dieses Gefühl und die daraus resultierende Belastung nagt an mir. Die Selbstzweifel sind gestiegen und ich stelle mich, gerade jetzt, umso mehr in Frage. Denn mein Versagen hat eben nur mit mir zu tun.

Aussichtslose Fälle und Neuanfänge

Ich weiß, wann Fälle aussichtslos sind und so ein Fall ist nun eingetreten. Es war mir bisher – erfolgsverwöhnt – erspart geblieben. Aber hier war er nun, der Moment der Wahrheit, der mich in ein tiefes Loch hat fallen lassen. Das Loch, in welches die betreute Person fiel, ist deutlich größer und es ist schlichtweg schwierig da rauszukommen. Alles was mir blieb war, meine Hilfe anzubieten. Mehr konnte ich nicht mehr tun. Sie wird aber nicht angenommen werden. Das ist der Lauf der Dinge. Ich kenne das von anderen Kollegen und Freunden.

Ich überlege, wie mein eigener Neuanfang nach dieser brutal merkwürdigen Erfahrung aussehen könnte. Die Lösung erscheint kompliziert und vor allem schmeckt sie mir nicht. Vielleicht muss das auch so sein. Vielleicht muss ich auch wieder Dinge tun, die mir einfach nicht gefallen. Vielleicht sollte ich auch endlich aufhören, zu glauben, ich könnte Menschen helfen und damit irgendetwas für die Rettung der Welt erreichen.

Fehler und Egoismus

Meine Gedanken drehen sich immer wieder um die gleichen Fragen: 
Was hätte ich besser machen können. Worin und wo lagen meine Fehler? Und dann kommt die letzte Frage: Was ändere ich jetzt? Ich merke dann selbst, dass ich endlich abschalten und über das Geschehene einfach in Ruhe nachdenken muss – das liegt jetzt vor mir und ich mache es mir nicht leicht.

Ich muss aufpassen, dass meine Selbstzerfleischung nicht überhand gewinnt. Und ich muss aufpassen, dass meine Leidenschaft nicht über meinen Verstand obsiegt. Und dann kommt eine Entscheidung. Ich muss mit dieser Entscheidung leben. In solchen Momenten und Tagen kommt auch das Schlechteste in mir zum Vorschein: Mein Egoismus. Es geht dann nicht mehr um den Fall, nicht mehr um das Versagen, es geht am Ende nur noch um mich selbst.

Vielleicht brauche ich in diesem Moment, meinen eigenen Mentor. Es wird Zeit für einen Besuch.

Published by Akif Sahin

Akif Sahin - Autor, Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

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