Die neuen Muslime: Warum junge Menschen zum Islam konvertieren

In „Die neuen Muslime: Warum junge Menschen zum Islam konvertieren“ porträtiert die Politikberaterin Susanne Kaiser mehrere Menschen, die den Islam als ihre Religion angenommen haben. Dabei versucht Susanne Kaiser Verständnis für muslimische Konvertiten zu wecken, indem sie die Lebensgeschichten und Beweggründe für die Konversionen deutlich beschreibt und analysiert.

Zu Anfang blickt das Buch tatsächlich hinter eine Fassade, die in Deutschland sowohl zu wenig erforscht als auch zu wenig beachtet wird. Die Protagonisten im Werk sind real. Manche sind kleine Stars innerhalb der muslimischen Community, wie der umstrittene Berliner Jugend-Imam Ferid Heider. Das macht das Buch auch etwas exklusiv, weil sich ein umstrittener Protagonist hier auch öffentlich analysieren lässt, während er seine Lebensgeschichte erzählt und sein Islam-Verständnis propagiert.

Die persönlichen Geschichten der Protagonisten und ihr Weg zum Islam lesen sich gut und geben einen Einblick in diverse Entscheidungsmuster. Doch spätestens ab der Mitte verliert das Buch diese Stärken. Es wird gefühlt immer verworrener, es fängt an Tiefe zu verlieren und teilweise auch einfach nur noch platt zu werden. Kaiser zeichnet klischeehafte Vorstellungen zu Konvertiten stellenweise nach. Gleichzeitig verstärkt die Autorin damit, ohne es vermutlich zu wollen, stereotype Vorstellungen zu muslimischen Konvertiten.

Das wäre nicht falsch, ginge es nur um die Protagonisten im Buch. Es wirkt sich aber letztlich auf alle muslimischen Konvertiten aus, wenn man sie stereotyp einordnet und letztlich fehlerhaft analysiert. Es wirkt so, als ginge es am Ende nicht mehr um die Beweggründe der Konversion an sich, sondern um die Gefahren des Salafismus. Auch hier versucht die Autorin, eher objektiv zu sein, doch das führt zu diversen Darstellungen, die nichts mit echten Konvertitentum zu tun haben.

Die Arbeit darf nicht zu schlecht geredet werden, dafür ist sie immer noch gut, sie ist aber definitiv ausbau- und verbesserungswürdig. Was gerade zu kurz kommt, ist die Akzeptanz von Konvertiten in diversen ethnisch geprägten muslimischen Communitys in Deutschland. Hier hätte die Autorin ein sehr starkes Merkmal der Ausgrenzung, innerhalb muslimischer Communitys, stärker in den Vordergrund stellen können. Inklusive Alibi-Deutschen als Zeichen für Vielfalt in vielen muslimischen Gemeinden.

So bleibt es nur bei ein paar Geschichten und Erlebnissen und dem Gefühl der Einsamkeit. Und hier wird dann auch deutlich: Die Lebensgeschichten der Protagonisten gleichen sich viel zu sehr und wirken deshalb auch so stereotyp, obwohl es genügend andere Konvertiten gibt, die zum Islam gefunden haben, ohne eine Klischeevorstellung zu erfüllen. Am Ende bleibt das Werk leider unter seinen Möglichkeiten. Dennoch ist das Buch stellenweise gut gelungen und es liest sich sehr flüssig.

Vielleicht darf man auf eine zweite Auflage oder Fortsetzung mit mehr Tiefgang und etwas weniger Klischee hoffen. Am Fachwissen und am Schreibtalent mangelt es jedenfalls nicht.

Autor: Susanne Kaiser
Verlag: Promedia
ISBN: 978-3-853-71437-9
Kosten: 17,90 €
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Veröffentlicht von Akif Sahin

Akif Sahin - Autor, Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

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