Gebete der Engel: Vom eigenen Vermögen spenden

Gebete der Engel: Vom eigenen Vermögen spenden

In einer als „sahih“ (authentisch) eingestuften Überlieferung vom Propheten Muhammad (saw) heißt es sinngemäß übersetzt:

„Es gibt keinen Tag, wenn der Diener am morgen aufwacht, an dem nicht zwei Engel herunterkommen, von denen der eine sagt: „Oh Allah, gib dem Spendenden mehr!“ und von denen der andere sagt: „Oh Allah, gib dem Geizigen schaden!“
(Sahih Muslim, Buch über Zakat, Hadith Nr. 1010)

Es gibt eine Vielzahl von Ahadith mit ähnlichem Inhalt und teilweise gleich lautendem Wortlaut. Der Kern wird auch durch einen ähnlichen Hadith abgebildet, der von Abu Umame (ra) überliefert wurde und sinngemäß lautet:

„O Sohn Adams! Wenn du den größeren Teil deines Vermögens verteilst, so ist dies segensreicher für dich. Wenn du jedoch geizig bist und dein Vermögen behältst, so ist dies umso schlechter für dich.“
(Tirmizî, Zuhd 32, Hadith Nr. 2344)

Spenden: Ein Nutzen für die gesamte Gesellschaft

Der Islam sieht in Spenden, aus dem eigenen Vermögen, einen großen Vorteil für die Gesamtgesellschaft. Spenden ist auch eine Form einer gottesdienstlichen Handlung (ʿIbāda) und unter diversen Voraussetzungen auch eine religiöse Pflicht (fardh). Die Zakat gehört beispielsweise zu den ʿIbādat, die eine Pflicht darstellen und ausschließlich mit dem Vermögen vollzogen werden. (Näheres findet sich auch in meinem Beitrag zum Thema ʿIbādat) Die Zakat gilt als reinigend für das eigene Ego (nafs) und das eigene Vermögen.

Die Sadaqa (Almosen) ist hingegen eine freiwillige Spende, die letztlich einen gottesdienstlichen Charakter hat und auch belohnt wird. Der Sinn und Zweck der Zakat oder einer Sadaqa kann Menschen, die sich nur noch auf materiellen Besitz fixiert haben, nur schwer vermittelt werden. Diese Spendenformen sind jedoch vergleichbar mit einem Solidaritätsgedanken, der zu mehr Umverteilung und gleichzeitig zu einer Abschaffung von Armut führen sollen. Sie sind keine Steuern im klassischen Sinne, sondern eine Verpflichtung zur Solidarität mit den Schwächsten der Gesellschaft. Der Islam war, gerade zu seiner Anfangszeit, auch immer eine Religion für die Schwächsten der Gesellschaft.

Viele Muslime entrichten aber weder ihre Zakat, noch spenden sie viel von ihrem Vermögen. Das liegt auch daran, dass es manchmal einfach an grundlegendem Wissen zu diesen Themen fehlt. Doch viele Muslime, die ein Vermögen aufgebaut haben, fürchten den materiellen Verlust mehr, als den Segen, der ihnen von Allah (swt) und seinem Gesandten Muhammed (saw) versprochen wurden. Manche finden die finanzielle Belastung sehr hoch, obwohl es bei der Zakat beispielsweise um 2,5 % des Vermögens geht, und bei der Sadaqa um eine freiwillige Spende. Dabei ist materieller Besitz immer vergänglich. Für gläubige Muslime gibt es gerade deshalb gute Gründe für das Spenden und auch für das Bemühen um Spenden.

Die Gebete der Engel – Ein Weg zur Erkenntnis und wahrem Reichtum

In den oben aufgeführten Ahadith werden die Gedanken der Umverteilung und des Teilens des Vermögens hochgehalten und mit Belohnung und Segen als vorteilhaft dargestellt. Gerade der erste Hadith macht deutlich, dass spenden einen Gewinn bedeutet und ein Verzicht auf das Spenden einen Schaden bedeutet.

Natürlich ist es hier legitim zu fragen, was bekommt man eigentlich für seine Spende? Vielfach werden Ahadith diesbezüglich auch leider falsch verstanden. Bekommt Jemand beispielsweise die Summe, die er spendet, auch so wieder zurück? Vielleicht sogar, etwas mehr? Eine solch falsche Auffassung hat es leider immer wieder gegeben. Sie ist immer wieder anzutreffen, weil die Ahadith und auch Worte des Propheten (saw) eben „wörtlich“ und „buchstabengetreu“ ausgelegt werden. Dabei kann in diesem Fall keine monetäre oder materielle Belohnung gemeint sein.

Es ist vielmehr die Belohnung Allahs (swt) gemeint. Und die Belohnung, die Allah (swt) seinem Diener gewährt, ist schöner und ehrbarer als jeglicher Besitz. Dies kann manchmal auch bedeuten, dass es der Familie gut geht, dass man rechtschaffene Kinder hat, dass der Körper gesund ist und dass man durch das Wenige, was man hat, mehr Zufriedenheit erlangen kann. Vielleicht wird man gerade durch das „mehr“, was man nach der Spende erhält, auch ein „dankbarer“ Mensch. Es kann auch bedeuten, dass man die Wahrheit gefunden, den Schöpfer erkannt, die Ruhe im Herzen erlebt oder einen großen Erfolg errungen hat.

Die Belohnung Allahs (swt): Eine gewaltige Belohnung!

Und was ist besser als jede Belohnung, wenn man den Glauben gefunden und gleichzeitig die Anerkennung Allahs (swt) verdient hat?

So sagt Allah (swt) selbst im Qurʾān:

„Keine Seele weiß, welche Freuden im Verborgenen für sie bereitgehalten werden als Lohn für das, was sie zu tun pflegten.“
(Sura as-Sadschda, Vers 17)

Die Gaben des Schöpfers sind so zahlreich, dass man sie nicht zu Ende aufzählen kann. Wie gewaltig und vielfältig muss dann die Belohnung des Schöpfers für seinen Diener sein, der auf seinem Weg und aus freiem Willen heraus, spendet?

Und auch der Qurʾān liefert uns den Anreiz zum Spenden, wo es ähnlich den oben aufgeführten Überlieferungen heißt:

„Was nun jemanden angeht, der gibt und gottesfürchtig ist und das Beste für wahr hält, so werden Wir ihm den Weg zum Leichteren leicht machen. Was aber jemanden angeht, der geizt und sich für unbedürftig hält und das Beste für Lüge erklärt, so werden Wir ihm den Weg zum Schwereren leicht machen;“
(Sura al-Lail, Verse 5-10)

In einer Welt, in der leider viel Unrecht geschieht, in der viele Menschen weiterhin hungern müssen und in einem Umfeld, wo wir vor unserer eigenen Haustür Menschen haben, die obdachlos sind, braucht die Gesellschaft bitternötig auch Muslime, die von ihrem Vermögen für die Bedürftigen spenden und aufhören zu geizen. Anderenfalls wird das Unheil in dieser Welt weiter zunehmen, weil wir es zulassen.

Und Allah (swt) weiß es am Besten!

Qurʾān-Übersetzung: Bubenheim und Elyas, islam.de

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