Hype um Aber: Eko Fresh hat geliefert, Vorbild für Setting sind Andere

Das neueste Werk vom deutsch-türkischen Rapper Eko Fresh, „Aber“, ist eine grandiose Leistung und bereits jetzt schon ein Erfolg auf YouTube. Schon mehr als eine Million Menschen haben sich den Clip angesehen. Dabei ist der Clip gerade mal sechs Tage alt. In „Aber“ nimmt sich Eko Fresh, der mit bürgerlichem Namen Ekrem Bora heißt, des Themas Rassismus an. In einer Zeit, in der das gesamte Land über Mesut Özil, seinen Rücktritt und die Rassismusvorwürfe gegen den DFB streiten, ist „Aber“ ein wohltuender Austausch zwischen zwei Fronten, deren Versöhnung noch in Aussicht steht, die aber greifbar ist.

Der Text, Rhyme und die Beats passen perfekt zur filmischen Umsetzung. Das Setting ist klein, aber Oho. „Aber“ besticht durch klare Kante, klare Worte und auch herzzerreißende Rhymes. Es bleibt ein authentischer Austausch, der einen mitnimmt und nachdenklich macht. Was trennt „Uns“ vom gemeinsamen „Wir“? Produziert wurde das Video von Samy Deluxe, der selbst mit eigenen Tracks immer wieder auf das Thema Rassismus aufmerksam gemacht hat.

So passend das Setting auch ist, und auch der Veröffentlichungszeitpunkt nicht hätte besser sein können, so muss man darauf hinweisen, dass die Idee von der Umsetzung nicht neu ist.

Al-Gear mit Integration

Bereits Abdelkader Zorgani, der algerische Wurzeln hat und sich als Künstler Al-Gear nennt, hatte die Idee eines ähnlichen Settings im Jahr 2012. In Integration werden zudem Snippets aus Berichten und Videos der damaligen (Nachrichten-)Welt verwendet und ein Ali kotzt sich über die Deutschen aus, während ein Nazi dem Hakenkreuz huldigt. Am Ende kommt Al-Gear in die Szene und äußert an beiden Lebensmodellen seine Kritik. Al-Gear erlangte vor allem im Umfeld von Farid Bang eine größere Aufmerksamkeit. Seine Texte sind deutlich härter und auch kontroverser.

Joyner Lucas – I am not racist

Doch auch schon im Jahr 2017 gab es in den USA genau das vermutliche Vorbild für das Setting von „Aber“. In „I am not racist“ von Joyner Lucas streiten sich ein „White American“ und ein „Black American“ um einen Tisch herum. Es geht um verschiedene Klischees, Unterstützung oder Ablehnung von Trump und natürlich die Frage, was eigentlich Rassismus in der Neuzeit der USA bedeuten. Am Ende umarmen sich beide und vertragen sich, auch mit der Einsicht, dass sie ein neues und besseres Amerika brauchen.

Tatsächlich sind Videos und Texte im Rap eine Möglichkeit Debatten weiter anzukurbeln. Man darf nicht vergessen, dass solche Arbeiten, wie von Eko Fresh, letztlich die Diskussionen zu gesellschaftlich relevanten Themen auch einem jüngeren Publikum zugänglich machen. Gerade das fehlt in aktuellen politischen Debatten, die oberflächlich und nicht ansprechend bleiben. Gerade auch deshalb kann man darüber nachdenken, solche Elemente auch für Diskussionen im Unterricht für die Zeit nach den Ferien zu nutzen.

Letztlich ist das Thema Rassismus allgegenwärtig. Und so schnell wird sich das nicht ändern.

Veröffentlicht von Akif Sahin

Akif Sahin - Autor, Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

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