Seit acht Jahren gab es an der Universität Osnabrück das Angebot zur Weiterbildung von Imamen. Dieses Angebot läuft nun aus und nach Darstellung der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) schlägt die Universität wegen des Endes Alarm. Der Nutzen des Projektes wurde jedoch schon immer in Frage gestellt. Das liegt sowohl an den muslimischen Verbänden, als auch an dem eher integrativen Charakter des Angebotes. Zu einer echten Imam-Ausbildung war die Weiterbildung nie gedacht und schon gar nicht fähig.

Der letzte Durchgang für die Imam-Weiterbildung am Institut für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück (IIT) startete im Oktober 2017. Der wissenschaftliche Leiter des Programms, Prof. Dr. Bülent Uçar, erklärte damals, die Weiterbildungsmaßnahme an der Universität Osnabrück sei „einmalig in ganz Deutschland“ und stelle eine „Pionierarbeit zur strukturellen Integration des Islams dar.“ Und tatsächlich: Die Imam-Weiterbildung wirkte auf den ersten Blick ziemlich professionell, gefragt und zukunftsorientiert. Das IIT hatte nach eigener Darstellung Interesse von Imamen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Imam-Weiterbildung: Ein Nischenprodukt

Doch auf den zweiten Blick folgte die Ernüchterung. In den acht Jahren, seit Bestehen der Imam-Weiterbildung, haben nur rund 150 Personen (Männer und Frauen) das Angebot am IIT wahrgenommen. Es blieb letztlich ein Nischenprodukt. Auch deshalb, weil es keine Imam-Ausbildung war, sondern eine Integrationsmaßnahme, um Imame und religiöses Lehrpersonal abzuholen und für die deutsche Gesellschaft fit zu machen. So lässt sich dann auch die Programmbeschreibung in einer Pressemitteilung des IIT von 2017 lesen.

„Am IIT erhalten die Teilnehmenden unter anderem wichtige Kenntnisse zur Geschichte, Sozialstruktur und zum politischen System Deutschlands sowie den rechtlichen Rahmenbedingungen in der Jugendarbeit. Auch das Wissen um die psychologische Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen soll dazu beitragen, die pädagogischen Kompetenzen des Moscheepersonals weiterzuentwickeln und entsprechend einen Beitrag zur Verbesserung der Bildungsangebote in den muslimischen Gemeinden leisten.“

Wenig Greifbares und Sichtbares erreicht

Auch eine seit dem Wintersemester 2015/16 bestehende Kooperation mit dem Museum für Islamische Kunst in Berlin muss in diesem Rahmen gedacht werden. Die Kooperation sollte „dazu beitragen, den Bereich Kunst und Kultur in der Gemeindearbeit stärker zu nutzen.“ Gemeinsam mit Fachleuten des Museums sollten die Imame eigenes Unterrichtsmaterial entwickeln, welches anschließend offen zugänglich sein sollte, sodass „die Ergebnisse sämtlichen Gemeinden im deutschsprachigen Raum zugutekommen.“ Viel gehört hat man von den angestrebten Lehrmaterialien jedoch nicht mehr.

Entsprechend muss man die Darstellung des aktuell zuständigen Projektkoordinators der Universität, Roman Singendonk, beachten, um eine ordentliche Einordnung vornehmen zu können. Singendonk schlug gegenüber der NOZ Alarm, weil die Imam-Weiterbildung nicht mehr fortgeführt werden könnte, um dann doch noch zu erklären, bei der Imam-Weiterbildung habe es sich „immer nur um eine Behelfskonstruktion“ gehandelt. Letztlich bestätigte auch er, dass Imame in Deutschland ausgebildet werden müssten.

Wenig Interesse an einer Imam-Ausbildung

Das ist allerdings wieder ein Appell, den man bereits aus anderen Islam-Diskursen kennt und der immer auf die gleiche Essenz hinausläuft: Nur eine muslimische Religionsgemeinschaft darf Imame ausbilden. Das IIT will sich hier vermutlich erneut als zuverlässiger Kooperationspartner aufstellen, für die muslimischen Verbände in Niedersachsen (wie SCHURA, VIKZ, DITIB oder ZMD), aber auch anderswo. Denn alleine eine Imam-Ausbildung anbieten kann und darf man als Universität nicht. Bereits bei der Islamischen Theologie musste man sich einer Hilfskonstruktion bedienen.

Doch das Interesse der muslimischen Gemeinschaften an einer Imam-Ausbildung, geschweige denn einer weniger problematischen Weiterbildung, an der Universität, war so gut wie nie vorhanden. Die muslimischen Verbände haben nie wirklich ein großartiges Interesse an der Imam-Weiterbildung oder Ausbildung (außerhalb von Niedersachsen) gezeigt. Statt beispielsweise den integrativen Charakter der Imam-Weiterbildung für sich und die eigenen Gemeinden zu nutzen, hat man eher auf die kulturelle Verbundenheit mit Herkunftsländern gesetzt, auch um teilweise identitätsstiftende Merkmale in den Moscheen zu verankern, die eine Integration – nüchtern betrachtet – eher behindern und Abschottungsmechanismen fördern. Dies lässt sich auch in aktuellen Diskussionen, um einen „Deutschen Islam“ beobachten.

Verbände wollen staatliche Anerkennung, keine Lehre

Teilweise hat man die Angebote der Imam-Weiterbildung sogar übernommen und in eigene Weiterbildungs- und Ausbildungs-Maßnahmen integriert. Bei der Uni gab es zwar ein paar Imame und weibliches religiöses Lehrpersonal aus den Verbänden heraus, es gab aber keine ordentliche Verpflichtung für das komplette Verbandspersonal oder eine flächendeckend angestrebte Teilnahme an solchen Weiterbildungen. Stattdessen wurde immer wieder gefordert, man müsse als Religionsgemeinschaften anerkannt werden, damit die Imam-Ausbildung auch vorangetrieben werden könnte. Tatsächlich ist dies auch der letzte Strohhalm, an den sich die muslimischen Verbände (nicht nur in Niedersachsen, sondern generell) klammern, um doch noch einen Staatsvertrag oder zumindest eine Anerkennung als Religionsgemeinschaften zu erhalten. Die eigenen Angebote wurden hingegen bereits seit Jahren strategisch weiter ausgebaut.

Das wird auch deutlich, wenn man die Antwort von Emine Oğuz, vom türkischen Dachverband DITIB Niedersachsen, in der NOZ langsam liest. „Wir stehen einer Imamausbildung in Deutschland nicht skeptisch gegenüber, nur müssen hier richtige Schritte eingeleitet werden“, sagte die Landesgeschäftsführerin der DITIB nachdem sich auch die Grünen für einen Dialog zwischen Staat und muslimischen Verbänden stark gemacht haben. „Die islamischen Religionsgemeinschaften müssen als Träger dieses Vorhabens federführend mitwirken, weil sonst das Vertrauen der Community nicht gewährleistet ist.“ Allerdings müssten die politischen Akteure den Religionsgemeinschaften auch verfassungsrechtliche Zuständigkeit zusprechen. Das wäre wiederum aber nur möglich, wenn man die Verbände als Religionsgemeinschaften anerkennt.

Ende der Imam-Weiterbildung muss man nicht bedauern, aber man kann

Insofern kann man das Ende der Imam-Weiterbildung am IIT bedauern, weil es durchaus und sicherlich einen kleinen Beitrag für eine bessere Lehre in Moscheen und Gemeinden geleistet hat. Andererseits war es nie ein Modell, das zukunftsfähig gewesen ist. Die Verbände haben längst eigene Strukturen, Ausbildungsprojekte und Weiterbildungskonzepte, die sie intern auch an ihr religiöses Personal weitergeben und umsetzen. Nicht alle Maßnahmen sind zu verteufeln. Gerade mit Blick auf die theologischen Elemente sind diese Fortbildungen und Weiterbildungen durchaus sinnvoll und professionell. Es fehlt hier aber auch ein integrativer Charakter und die Arbeiten haben immer ein sehr großes Manko, was die Zukunftsfähigkeit auch dieser Arbeiten in Frage stellt.

Denn die Maßnahmen der Verbände finden kaum auf Deutsch, sondern in den Herkunftssprachen statt. Wenn jedoch Imame importiert und nur ein bisschen Landeskunde erhaltend auf die Jugendlichen und Lebensrealitäten in Deutschland losgelassen werden, kann keine Integration gelingen. Dafür schafft man sich allerdings Menschen, die ein Identitätsproblem haben, die sich immer wieder fragen, wohin sie jetzt eigentlich gehören – auch durch die Polarisierung in der Mehrheitsgesellschaft – und so langfristig es sehr schwer haben werden, ein funktionierender Teil der Gesamtgesellschaft zu sein. (ots/uos/as)

Veröffentlicht von Akif Sahin

Akif Sahin - Autor, Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

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