Fasten im Monat Ramadan: Für Wen ist es eine Pflicht?

Grundsätzlich gilt: Das Fasten ist allen Muslimen vorgeschrieben, die bei Verstand und reif sind. Alle Muslime heißt sowohl Frauen als auch Männer müssen im Monat Ramadan fasten. Bei Verstand heißt, dass sie geistig auf mindestens einem durchschnittlichen Niveau sind und vor allem zwischen gut und böse unterscheiden können. Reif bedeutet, dass der Muslim sich bereits in der Pubertät befindet oder sie hinter sich hat. Die Pubertät beginnt laut islamischen Rechtsquellen bei Mädchen zwischen dem 9. und 12. Lebensjahr (mit der ersten Menstruation) und bei Jungen zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr (mit der ersten Ejakulation). Mädchen sind meistens früher reif als Jungen. Es kann aber auch Abweichungen von der Norm geben, die ebenfalls individuell berücksichtigt werden müssen.

Wer ist vom Fasten ausgenommen?

Ohne triftigen Grund im Monat Ramadan nicht zu fasten, ist islamisch gesehen eine Sünde. Nur unter bestimmten Umständen ist es in Ordnung, wenn man nicht fastet oder das Fasten unterbricht. Wir wollen einige dieser möglichen Gründe, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, auflisten und etwas näher betrachten.

Krankheit

Körperliche und geistige Gesundheit sind im Islam wichtig. Die körperliche Unversehrtheit des Menschen wird auch als ein hohes Ziel der Scharia betrachtet. Ein Mensch der krank ist und mit dem Fasten riskieren könnte, dass seine Krankheit schlimmer wird (oder gar länger anhält) sollte nicht fasten. Hierzu sollte man auch auf ärztlichen Rat hören. Wer bedingt durch eine Krankheit mehrere Tage oder den gesamten Ramadan nicht fasten konnte, kann diese ausgefallenen Tage zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.

Reisende

Wer sich während des Monats Ramadan auf eine Reise begibt, und sich nach klassischen Maßstäben rund 90 km von seinem Heimatort entfernt aufhält, kann auf das Fasten verzichten. Dies soll eine Erleichterung für Anstrengungen während der Reisezeit sein. Nach der Reise holt man die versäumten Tage nach. Sollte allerdings das Fasten auch auf der Reise kein Problem darstellen (heutzutage oftmals gegeben, z.B. für Pendler, die zur Arbeit mit der Bahn fahren) so schadet es auch nicht, und gilt sogar als segensreich, wenn das Fasten nicht unterbrochen wird. Die Entscheidung hierzu obliegt immer jeweils dem Muslim selbst.

Schwangere und Stillende

Schwangere und Stillende sind vom Fasten ausgenommen, wenn zu befürchten ist, dass das Kind Schaden nehmen könnte. Hier ist auch auf den ärztlichen Rat zu hören. Oftmals sollte wirklich bei Schwangerschaft auf das Fasten verzichtet werden, weil sonst auch Fehlbildungen und Entwicklungen bei Kindern möglich sind. Ein beharren auf das Fasten und damit eine Gefährdung des Kindes im Mutterleib, ist nicht im Sinne des Schöpfers. Die versäumten Tage können zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Heftiges Hungergefühl oder Dehydrierung

Wer fastet und befürchtet aufgrund von Hunger oder Dehydrierung sowohl seinen Verstand als auch seine Gesundheit zu gefährden, darf das Fasten unterbrechen. Der komplette Tag sollte dann zu passender Zeit nachgeholt werden. Auch hier empfiehlt sich zusätzlicher ärztlicher Rat, da solche Probleme durchaus auch mit einer mangelnden Gesundheit und körperlichen Schwäche auftreten.

Alter

Mit zunehmendem Alter braucht der Körper des Menschen eine durchgehende Nahrungsversorgung und Wasser. Wer alt ist und merkt, dass sein Körper das Fasten nicht aushält, sollte sein Fasten beenden. Da diese Menschen das Fasten auch später wahrscheinlich nicht nachholen können, müssen sie als Ersatz ein Lösegeld (fidye) zahlen, wenn sie dazu in der Lage sind.

Zwang und Folter

Auch wenn dies in unseren Lebenskreisen eher selten auftritt, sollte man das wissen. Wer befürchtet wegen des Fastens Leid oder Folter ertragen zu müssen, der darf sein Fasten unterbrechen. Auch bei Androhungen von Gewalt ist dies gegeben. Auch, wenn es unwahrscheinlich erschien, sind mittlerweile in der öffentlichen Debatte um Muslime und Islam in Deutschland Anfeindungen und Übergriffe auf Muslime längst keine Seltenheit mehr. Die Sicherheit und Unversehrtheit des Muslims hat Vorrang. Das Fasten wird zu einem geeigneteren Zeitpunkt nachgeholt.

Das Lösegeld (Fidye)

Wer nicht in der Lage ist zu fasten und auch zukünftig die versäumten Tage nicht nachholen kann, aufgrund beispielsweise gesundheitlicher oder altersmäßiger Probleme, zahlt für jeden Tag des Ramadan eine Fidye.

Die Fidye beträgt genau so viel, wie die Zakat’ul Fitr (derzeit in Deutschland ca. 10 €). Dieses Lösegeld kann sowohl am Anfang als auch in der Mitte oder am Ende des Monats Ramadan bezahlt werden.

Wer mag kann das gesamte Geld komplett einem Bedürftigen zukommen lassen oder mehreren Bedürftigen. Wer nicht in der Lage ist eine Fidye zu bezahlen sollte Allah (swt) um Vergebung bitten.

Wer objektiv zunächst einmal nicht in der Lage schien, zu fasten und es stellte sich später, nach der Bezahlung der Fidye heraus, dass er doch fasten kann, muss die versäumten Tage während des Ramadans nachholen. Die Fidye ist in diesem Fall kein Freikauf von der Pflicht zu fasten, sondern wird als eine zusätzliche und freiwillige Spende und gute Tat betrachtet. Die Fidye darf aber unter keinen Umständen zurückverlangt werden.

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