Fasten lässt dich erkennen, was wirklich wichtig ist!

Fasten ist uns eine von Allah (swt) aufgetragene Pflicht. Natürlich wird im Qur’an al Karim an vielerlei Stellen etwas dazu gesagt, aber doch suchen wir immer nach weiteren Antworten, um auch zu verstehen, warum etwas als Gebot durch Allah (swt) uns aufgetragen worden ist. Für einen Muslim mag die Antwort: „Weil es eben Allah (swt) möchte und wir ihn lieben.“ ausreichen. Für unser oft nicht-muslimisches Umfeld sind solche Antworten allerdings schwer zu begreifen und nachzuvollziehen. Deshalb sollte man immer auch auf die persönliche Suche gehen. Warum fasten wir eigentlich? Eine Antwort auf diese Frage ist sicherlich, dass wir durch das Fasten lernen, was wirklich wichtig im Leben ist.

Als kleines Kind fasten

Als ich klein war und sah wie meine Eltern fasteten, wollte ich unbedingt immer mitmachen. Mein Vater meinte die erste Zeit ich sei noch viel zu jung. In der darauffolgenden Zeit erlaubte er mir das Fasten und drückte, weil ich eben noch ein Kind war, die Augen fest zu, wenn ich es dann doch nicht schaffte.

Meine Mitschüler kriegten von diesen Dingen eigentlich nichts mit. Es war halt eben ein Geheimnis, warum ich im Schulhof während der Pause nichts aß, obwohl meine Mutter, wie immer liebevoll, ein Butter-Brot (besser wäre ein Butter-Pide) geschmiert hatte und meine Milchmarken beigelegt hatte, weil sie eben doch irgendwie davon ausging, dass ich es nicht schaffe.

Ich wollte immer fasten und irgendwie hatte das einen Grund. Es war nicht so, dass ich sagen kann, dass ich damals schon verstanden habe, warum das Fasten eine Pflicht im Islam ist. Es war auch nicht so, dass ich als Kind den Qurʾān verstanden hätte. Es war vielmehr so, dass mein Vater, so liebevoll wie er war, mir etwas sagen konnte, und ich daran glaubte. Denn mein Vater lügte mich niemals an. Und auf die besondere Frage, warum wir fasten sagte er immer:

„Damit wir mit den Armen und Bedürftigen mitfühlen können und unser Herz, dass im Laufe der Zeit wieder verhärtet, erweicht.“

Ohne das Fasten, so habe ich es damals geglaubt, würde mein Herz irgendwann zu Stein und ich hätte kein Mitgefühl mehr mit meinen Mitmenschen. So wollte ich niemals sein… So will ich niemals sein…

Der Mensch würdigt die Dinge erst, wenn es zu spät ist

Der Mensch ist ein merkwürdiges Wesen. Er bemerkt erst wie wichtig etwas ist, wenn er es nicht mehr hat. Dabei lernt er zwar wie wichtig etwas ist, aber es ist schon meistens viel zu spät, um noch von diesem Wissen einen Nutzen zu ziehen. Das Fasten muss man in diesem Kontext betrachten und als einen Lernprozess sehen.

Es hilft dem Muslim – der generell einen Verzicht übt – die Dinge, die er für selbstverständlich hält auch endlich mal richtig wahrzunehmen. Allah (swt) hat uns auf dieser Erde reichlich mit seinen Gaben belohnt. Er hat uns in seiner unendlichen Weisheit so viel davon gegeben, dass dies dem Menschen oft nicht einmal bewusst ist oder wird.

Das Fasten hilft dies zu realisieren und nicht mehr alles für selbstverständlich zu erachten. Der Wert dieser Dinge steigt im Auge des Fastenden, weil er sie nicht mehr nutzen kann. Das Fasten hilft also dem Muslim, Dinge, die er für selbstverständlich erachtete, besser zu schützen und zu nutzen und seinem Schöpfer, Allah (swt), zu danken, für seine unendlich vielen Gaben.

Zufriedenheit ist das Ziel

Uns geht es in vielerlei Hinsicht besser als vielen anderen Menschen auf der Welt. Wir können uns also eigentlich glücklich schätzen, doch neigt der Mensch von Natur aus dazu, mehr zu wollen. Er gibt sich nicht mit dem Zufrieden was er hat. Diese Gier, ist eine schlechte Eigenschaft, die man von zu Zeit bei allen Menschen sieht. Es ist direkt mit dem Phänomen der Konsum-Gesellschaft verankert.

Wir wollen alle die neuesten Handys, die neuesten Computer und Laptops, die besten Autos und vor allem schöne Frauen oder Männer und natürlich viel Geld.

Aus diesem Grund ist das Fasten im Monat Ramadan eine willkommene Gelegenheit diese fast schon unbefriedigbare Gier zu bändigen. Denn das Fasten lehrt uns zuallererst den Verzicht. Der bewusste, aber auch kurzfristige Verzicht auf die alltäglichen Dinge, vor allem auf Essen und Trinken, lehrt uns die Gaben Allahs (swt) besser wert zu schätzen.

Deshalb ist das Fasten eine Tugend. Es verbessert unseren Charakter und lässt uns schnell das Bewusstsein erlangen, dass es uns doch eigentlich sehr gut geht im Vergleich zu anderen Menschen auf dieser Welt. Dies macht uns zum einen glücklich, zum anderen erhöht es unsere Zufriedenheit, zugleich aber setzt auch ein Denkprozess ein, der die Frage stellt, wie wir diese Welt für alle besser machen können.

Durch dieses Bewusstsein nehmen wir einerseits also die Gaben und die Dinge wahr, die uns gegeben wurden und auf der anderen Seite stärkt das Fasten auch unsere Dankbarkeit. Und es setzt in uns die Frage auf, ob wir mit unserem Dasein wirklich zufrieden sein können, oder ob es Dinge gibt, die wir ändern können, damit es in der Gesellschaft und schließlich in der Welt, ein besseres Leben geben kann.

Wir sind dankbar dafür, dass Allah (swt) uns diese Gaben gegeben hat… Und wir sind dankbar dafür, dass wir dies noch erkannt haben, bevor es zu spät ist… Inna lillahi wa inna ilayhi radschiuun (Wir kommen vom Geliebten und zu ihm ist unsere Heimkehr).

Veröffentlicht von Akif Sahin

Akif Sahin - Autor, Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

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