Wahlen bei der DITIB Nord – Kölner Zentrale konnte sich nicht durchsetzen

Rückblick: In den Räumlichkeiten der DITIB Zentrum Moschee fand am Sonntag (1. April 2018) die 3. ordentliche Mitgliederversammlung der Islamischen Religionsgemeinschaft DITIB Hamburg und Schleswig-Holstein (DITIB Nord) statt. Bei der Mitgliederversammlung konnte sich der DITIB Bundesvorstand mit zentralen Anliegen nicht durchsetzen.

Eröffnet wurde die Mitgliederversammlung der DITIB Nord, nach einer einführenden Koranrezitation, durch die Grußworte des Vorsitzenden Sedat Simsek. Anschließend wurde die Leitung der Versammlung an den Vertreter des DITIB Bundesverbandes, Mehmet Günet, übergeben. Bei der Mitgliederversammlung ging es, nach Informationen dieses Blogs, heiß her. Im Rahmen der Mitgliederversammlung und Neuwahl des Vorstandes wurde intensiv über die Zukunft der DITIB Nord diskutiert. Der Vorsitzende Simsek verwies in seiner Rede besonders auf die aktuellen gesellschaftlichen Debatten und auf die besondere Stellung der DITIB Nord durch den Staatsvertrag mit der Hansestadt Hamburg.

Simsek machte Werbung für die bisherige Arbeit und hob die soziale Bedeutung der Arbeiten der DITIB Nord hervor. Er legte auch die Schwerpunkte für die kommende Arbeit des Hamburger Landesverbands fest. So sollen künftig die Frauen- und die Jugendarbeit, die Dialogarbeit und der Austausch mit nicht-muslimischen Jugend- und Frauenorganisationen mehr in den Vordergrund gestellt werden. Simsek machte deutlich, dass eine Verwurzelung und Verfestigung der Muslime in Deutschland elementar für ein positives und gelungenes Zusammenwachsen der Gesellschaft sei.

Der DITIB Bundesvorstand wollte hingegen, nach Angaben diverser Insider, durch die Mitgliederversammlung eine stärkere Anbindung des Hamburger Landesverbandes an die Zentrale in Köln. Hierfür wurde auch eine Satzungsänderung gefordert, die eine stärkere Anbindung auch rechtlich verankert hätte. Auch wollte man anscheinend den gesamten Vorstand der DITIB Nord weitestgehend mit loyalen Funktionären ersetzen.  Beide Anliegen scheiterten jedoch am Widerstand der stimmberechtigten Mitglieder. Zwar wurden einzelne bisherige Vorstandsmitglieder abgewählt, aber der Großteil und Kern der DITIB Nord Funktionäre um den Vorsitzenden Simsek wurde im Amt bestätigt.

Politiker bestätigen: DITIB Zentrale wollte DITIB Nord stärker an sich binden

Politiker von Rot-Grün und auch anderer Parteien in der Hansestadt haben auf einer externen Veranstaltung (SCHURA Hamburg) auf das Scheitern des Projektes der DITIB-Zentrale bei der Mitgliederversammlung aufmerksam gemacht. Sie erklärten, das Abstimmungsverhalten habe auch etwas damit zu tun gehabt, dass die DITIB Mitglieder den Staatsvertrag mit der Hansestadt nicht riskieren wollten. Erstmals hätte der Verband selbst gesehen, dass man durchaus etwas zu verlieren habe, sagte ein SPD-Politiker.

Der aktuelle Vorstand um Sedat Simsek habe entsprechend verhindern können, dass die DITIB Zentrale die Kontrolle über den Hamburger Landesverband übernimmt und damit eine erfolgreiche Zusammenarbeit komplett infrage stellt. Das Scheitern der DITIB Zentrale mit ihren Anliegen wurde von der Politik entsprechend begrüßt. Es bedeute auch eine Bestätigung für den Staatsvertrag und das der Hamburger Landesverband gewillt sei, seine Unabhängigkeit weiterhin zu wahren.

Simsek wurde als Landesvorsitzender in seinem Amt mit großer Mehrheit bestätigt und die angestrebte Satzungsänderung durch die DITIB Zentrale ist vorerst vom Tisch. Simsek würdigte in seiner Dankesrede nach der Wahl die gute Arbeit auch der Vorstandmitglieder, die nicht mehr dabei seien, und bedankte sich für ihr ehrenamtliches Engagement in schwierigen Zeiten.

Der neue Vorstand der DITIB Nord setzt sich wie folgt zusammen:

Sedat Simsek (Vorsitzender)
Safiye Kilic (Stellv. Vorsitzende)
Tahsin Cem (Stellv. Vorsitzender)
Mustafa Evelioglu (Buchhalter)
Osman Bildikari (Schriftführer)
Ali Evcil (Beisitzer)
Mehmet Gök (Beisitzer)
Yasin Güler (Beisitzer)

Veröffentlicht von Akif Sahin

Akif Sahin - Autor, Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

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