Kapitel 36: Sura Yā-Sīn

Aus der heute abgeschlossenen Lesung der Sura Yā-Sīn, dem 36. Kapitel des Qurʾān, eine kleine persönliche Auswahl an Āyāt.


Kapitel 36: Sura Yā-Sīn

بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّح۪يمِ

Die Sura Yā-Sīn wurde während der Zeit in Mekka offenbart. Die Sura besteht aus insgesamt 83 Versen. Diskussionen darüber, ob der Vers 12 und auch andere Verse dieser Sura eventuell in Medina offenbart worden sein könnten, haben sich nicht durchgesetzt. Der Name der Sura entstammt dem ersten Vers, der nur aus der Zeichenfolge Yā-Sīn besteht. Diese Sura gehört damit zu den Kapiteln des Qurʾān, deren anfangs eingeleitete Buchstabenfolge unerklärt bleibt. Es wird vermutet, dass es eine besondere Ansprache für den Propheten Muhammad (saw) ist.

Die Bezeichnung Yā-Sīn wurde auch vom Propheten Muhammad (saw) für diese Sura verwendet. Es gibt eine weitere Bezeichnung für diese Sura, die auf einen Hadith zurückgeht, sich im Sprachgebrauch jedoch nicht durchgesetzt hat: Kalbu’l-Qurʾān – das Herz des Qurʾān. Es gibt unzählige Tafsir (Exegesen) zu dieser Sura. Auch deshalb, weil die Besonderheit und die Tugend der Sura Yā-Sīn in diversen Ahadith festgehalten wurde, die als authentisch gelten. Überlieferungen, wonach diese Sura für die Toten rezitiert werden soll, wurden jedoch schon immer als schwach eingestuft. Es gehört mittlerweile in einigen Ländern zur Kultur und zum Umgang mit Trauer der Muslime.

Die Sura Yā-Sīn behandelt im groben drei Themenkomplexe der islamischen Aqida (Glaubensgrundsätze): Tawhid (Einheit Allahs), Nubuwwat (Prophetentum) und die Akhira (Jenseits, Leben nach dem Tod). Diese Themen werden anhand von Beispielen aus der perfekt geschaffenen Natur erläutert. Gleichzeitig wird warnend der Kampf zwischen Glaube und Verleugnung anhand der Geschichte längst vergessener Völker dargestellt. Hier sei angemerkt, dass die Bezeichnung der Antiochen für das Volk aus dieser Sura zwar verbreitet ist, es aber keinen endgültigen Beweis dafür gegeben hat.

Gelehrte haben über die Zeit und Zuordnung dieser Verse zum richtigen Volk stark gestritten. Es sei angemerkt, dass der Qurʾān häufig die untergegangenen Völker und auch die unterdrückenden Herrscher fast durchgehend nicht klar namentlich benannt hat. Dies deshalb, damit man die Geschichte selbst und das damit verbundene Fehlverhalten verinnerlicht und als warnendes Beispiel wahrnimmt. Es soll verhindert werden, dass die beschriebenen Taten als Sünde oder Fehlverhalten einzelner oder längst vergessener Völker angesehen werden. Die Lehre aus diesen Geschichten ist, sich den negativen Eigenschaften und Verhaltensmustern dieser Völker und Tyrannen zu verweigern und sie sich nicht eigen zu machen.

Grob Schematisch lässt sich sagen, dass die Sura Yā-Sīn folgende Themen behandelt:

  • Moralischen Verpflichtungen des Menschen (Ahlaq);
  • Offenbarungen an die Propheten (as);
  • Verleugnung des Propheten Muhammad (saw), durch den Stamm der Quraisch;
  • Propheten (as), welche einem undankbaren Volk (ashab al-qarya; Volk der Sura Yā-Sīn) gesendet wurden;
  • Zeichen, welche die Kraft und Einheit Allahs (swt) zeigen;
  • Wiederauferstehung nach dem Tod;
  • Abrechnung und die Strafe.

يٰسٓۜ ﴿١﴾ وَالْقُرْاٰنِ الْحَك۪يمِۙ ﴿٢﴾ اِنَّكَ لَمِنَ الْمُرْسَل۪ينَۙ ﴿٣﴾ عَلٰى صِرَاطٍ مُسْتَق۪يمٍۜ ﴿٤﴾

Yā-Sīn. Bei dem weisen Qurʾān! Du bist wahrlich einer der Gesandten. Auf dem geraden Weg, (36:1-4)

اِنَّا نَحْنُ نُحْـيِ الْمَوْتٰى وَنَكْتُبُ مَا قَدَّمُوا وَاٰثَارَهُمْۜ وَكُلَّ شَيْءٍ اَحْصَيْنَاهُ ف۪ٓي اِمَامٍ مُب۪ينٍ۟ ﴿١٢﴾

Wahrlich, Wir machen die Toten lebendig. Und Wir schreiben auf, was sie getan und an Spuren hinterlassen haben. Und alle Dinge haben Wir in einem deutlichen Buch aufgezählt. (36:12)

يَا حَسْرَةً عَلَى الْعِبَادِۚ مَا يَأْت۪يهِمْ مِنْ رَسُولٍ اِلَّا كَانُوا بِه۪ يَسْتَهْزِؤُ۫نَ ﴿٣٠﴾

Wehe Meinen Dienern! Kein Gesandter kommt zu ihnen, den sie nicht verspotten. (36:30)

سُبْحَانَ الَّذ۪ي خَلَقَ الْاَزْوَاجَ كُلَّهَا مِمَّا تُنْبِتُ الْاَرْضُ وَمِنْ اَنْفُسِهِمْ وَمِمَّا لَا يَعْلَمُونَ ﴿٣٦﴾

Preis sei Ihm, der alle Arten paarweise erschaffen hat, von dem, was die Erde wachsen lässt, und von ihnen selber und von dem, das sie nicht kennen. (36:36)

وَالشَّمْسُ تَجْر۪ي لِمُسْتَقَرٍّ لَهَاۜ ذٰلِكَ تَقْد۪يرُ الْعَز۪يزِ الْعَل۪يمِۜ ﴿٣٨﴾

Und die Sonne läuft zielstrebig auf ihrer Bahn. Das ist die Anordnung des Mächtigen, des Wissenden. (36:38)

سَلَامٌ قَوْلاً مِنْ رَبٍّ رَح۪يمٍ ﴿٥٨﴾

»Frieden!« — der Gruß eines barmherzigen Herrn. (36:58)

فَسُبْحَانَ الَّذ۪ي بِيَدِه۪ مَلَكُوتُ كُلِّ شَيْءٍ وَاِلَيْهِ تُرْجَعُونَ ﴿٨٣﴾

So sei Der gepriesen, in Dessen Hand die Herrschaft über alle Dinge liegt! Und zu Ihm kehrt ihr zurück.    (36:83)

Veröffentlicht von Akif Sahin

Akif Sahin - Autor, Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.