Koran erklärt im Deutschlandfunk: Beitrag fordert Intoleranz gegenüber Muslimen

Die Sendereihe „Koran erklärt“ im Deutschlandfunk gehört zu meinen liebsten Programmen im öffentlich-rechtlichen Hörfunk. Mit der Sendereihe haben die Macher durchaus einen Coup gelandet, weil sie kontroversen Erläuterungen und Diskussionen zu Koran-Versen und Suren einen Raum geben, den es so bisher in Deutschland nicht gab. Gleichzeitig profitieren die Hörerinnen und Hörer von Beiträgen, die fundiert Diskussionen und Interpretationen Raum geben. Ich höre die Reihe seit Beginn der Ausstrahlung und finde sie anregend. Man merkt sehr häufig, wie liebevoll gestaltet die Reihe eigentlich ist. Fern von den mit Vorurteilen behafteten Debatten in Deutschland bereichern uns die Beiträge um eine neue Perspektive und eine neue Herangehensweise im Lesen und Verstehen des Qur’an. Damit leistet die Reihe eigentlich einen Beitrag zum sog. Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Medien. Doch der heutige Beitrag (09.02.2018) von Prof. Dr. Otto Jastrow von der Universität Tallinn (Estland) gehört eindeutig nicht in diesen Kreis und schon gar nicht zu diesem hohen Anspruch.

Der „Experte“ äußert sich zu dem Qur’an-Vers 6 in der Sura „Al Kafirun“, die häufig mit „Die Ungläubigen“ übersetzt wird. Der Autor scheint aber so gut wie keinerlei Sachkenntnis zu haben und unterliegt einem eindeutigen Irrtum in der Interpretation des Verses und auch der Sura. So macht der Autor die Sura zu einem Sinnbild von angeblicher Intoleranz gegenüber Andersgläubigen und behauptet, dieser Vers werde oft herangezogen, um Toleranz bei Muslimen zu belegen. Er schaut dabei weder auf die Offenbarungsgründe der Verse noch scheint er wirklich ein Interesse an einem echten Aufarbeiten des Verständnisses zu haben. Seine Worte zum Schluss lesen sich jedenfalls so und lassen sich auch so verstehen, dass der Autor eine Intoleranz gegenüber Muslimen einfordert. Das ist nicht nur ein Aufruf zur Islam- und Muslim-Feindlichkeit, es ist ein Tabubruch. Ein öffentlich-rechtlicher Sender gibt Raum für Bullshit, der zur Intoleranz aufruft. Das ist nahe an Volksverhetzung.

Unwissenheit und viel zerstörerische Energie

Zum Offenbarungsgrund sei hier kurz angemerkt: Die Götzendiener hatten den Propheten (saw) zum Gebet an ihre Götzen für ein Jahr aufgerufen. Sie versprachen ihm im Gegenzug, für ein gleiches Jahr lang, Allah (swt) anzubeten. Der Vers ist damit als eine Ablehnung an den Götzendienst und den Vorschlag der Götzendiener zu verstehen. Dies drückt sich auch in anderen Versen aus, wie in der Al-Fatiha, in der es frei übersetzt heißt: „Dir allein dienen wir, und Dich allein bitten wir um Hilfe.“ Ebenso auch im Glaubensbekenntnis der Muslime: „Ich bezeuge: Es gibt keinen Gott außer Allah und ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist.“

Man braucht schon viel Unwissen und viel zerstörerische Energie um aus dem Vers 6 der Sura 109 religiöse Intoleranz abzuleiten und dies mit der Dhimmi-Diskussion und dann auch noch mit den Terroristen von DAESH zu vermischen. Diese Form des Umgangs mit der koranischen Offenbarung ist schlichtweg falsch und zeigt, dass der vermeintliche „Experte“ darum bemüht war gezielt Stimmung gegenüber Muslimen zu machen. Es bleibt unerklärlich wie eine solch offenbare Hetze überhaupt den Qualitäten des Deutschlandfunks gerecht geworden ist und wie man diese Sendung so aufbereiten und ausstrahlen konnte, ohne dass die Alarmglocken bei den zuständigen Redakteuren und Verantwortlichen angegangen sind. Hier wird Hetze gegenüber Muslimen betrieben und wurde anscheinend für die Sendung freigegeben.

Koran erklärt: eine gute Reihe, aber so bitte nicht!

Ich finde die Reihe „Koran erklärt“, wie bereits oben dargestellt, sonst ja sehr gut, aber heute war das einfach nur ein Griff in die Kloschüssel. Eine einfache Recherche zu den Offenbarungsgründen der Sura 109 hätte dem Autor, ebenso aber auch der Redaktion helfen können. Selbst bei Ibn Kathir, der als streng konservativ gilt, hätte man entsprechend sehen können, dass der Beitrag einfach falsch und offenkundig von einer feindlichen Intention gegenüber Muslimen geprägt ist. Ich frage mich, wozu man solchen Mist verbreitet, wenn man es doch besser wissen müsste.

Wenn man kontroverse Debatten über Auslegungen zu Versen und dem Qur’an führen möchte, soll man sich bitte wieder auf die Qualitäten der Sendung vor diesem Beitrag besinnen. Anderenfalls bedient man vielleicht die Interessen der AfD und sonstiger rechtsextremer Gruppen – mit dem Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen und auch der Verantwortung auf richtige Information hat das aber gar nichts zu tun, geschweige denn mit einer brauchbaren Exegese zu Qur’an-Versen.

Veröffentlicht von Akif Sahin

Akif Sahin - Autor, Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

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