Ramadan – Tag 4

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Ramadan - Tag 4 | Himbeeren zum Nachtisch

Ramadan - Tag 4 | Himbeeren zum Nachtisch

Es ist der vierte Tag von Ramadan im Jahr 2017. Iftar-Einladungen während des Ramadan sind eine besondere Tugend. Sie sagen viel über die Menschen um uns herum aus. Eine Einladung bedeutet meist eine besondere Wertschätzung. Da dieser Ramadan bei mir eh ziemlich trostlos ist, habe ich natürlich dran gedacht wieder einen Männerabend zu organisieren. Wir treffen uns jedes Mal mit einigen wenigen engen Freunden zum gemeinsamen Iftar und verbringen die Zeit bis zum Morgen gemeinsam. Meist in einem Restaurant und dann im Anschluss in einem anderen Laden.

Manchmal gehen wir bowlen, manchmal einfach eine Shisha rauchen, manchmal sitzen wir aber auch einfach nur rum, trinken Çay und erzählen, was es an Neuigkeiten gibt. Auch in diesem Jahr wollten wir die Tradition aufrecht erhalten. Es bleibt auch dabei, wobei wir das erste Mal wohl gemeinsam grillen werden, wenn es das Wetter zulässt. Die Vorbereitungen laufen und alle, die wir auch wirklich dabei haben wollen, haben bereits zugesagt. Da schlägt das Herz schneller und freut sich allein nur wegen dem Ausblick auf eine Zusammenkunft. Freundschaften, die zumal sogar bis in die Kindheitstage zurückgehen, sind nun einmal etwas Besonderes. Nicht jedem ist es vergönnt, sie zu pflegen.

Unerwünschte Einladungen

Auf der anderen Seite freut man sich nicht über jede Einladung. Ein Beispiel: Seit Jahren treffen sich die ehemaligen aktiven Vorstandsmitglieder eines Vereins, bei dem ich lange Jahre im Vorstand mitgewirkt habe, zum Iftar. Es ist ein Beisammenkommen von verschiedenen ehemaligen Aktiven aus dem Verein. Ich wurde in den vergangenen Jahren, seit diese Runde existiert, ignoriert. Eine Einladung wurde nie an mich gesendet. Stattdessen durfte ich jedes Mal auf die Frage von Freunden, ob ich auch teilnehmen werde, antworten: „Ich wurde nicht eingeladen.“

Das hat mich ziemlich genervt. Ich habe irgendwann dem Veranstalter der Runde meine Meinung zum Thema gesagt. Mir geht es überhaupt nicht darum, nicht eingeladen zu werden, mir geht es darum, darauf nicht angesprochen zu werden. Die Runde soll sich treffen, soll sich austauschen, ich möchte einfach nicht, dass man den Eindruck erweckt, ich sei ein Opfer und müsse bemitleidet werden. Mir sind solche Runden völlig egal. Ich hänge auch nicht nostalgisch an eine Zeit, in der wir faktisch nichts geleistet haben. Nach dieser Aussprache habe ich dann auch angenommen, dass wär es gewesen. Heute lag in meinem Postfach, erstmals überhaupt, eine Einladung zu dieser Runde.

Ob die Einladung einen Ausgleich darstellen soll, ob man eventuell Redebedarf sieht, weil ich zuletzt mit einem sehr kritischen Artikel auf mich aufmerksam gemacht habe, oder einfach nur eine gute Geste darstellen soll. Ich weiß es nicht. Ich muss aber der netten Einladung eine Absage schicken. Jetzt kann meine Antwort auf meine Freunde auch nicht mehr lauten: „Ich wurde nicht eingeladen.“ Sie wird eher lauten: „Ich kann nicht.“ oder besser „Ich will nicht.“ Rechtfertigungsdruck nennt man so etwas. Ich hasse es, wie die Pest.

Meine Goals und meine Zufriedenheit

Nach dieser Geschichte kann ich übrigens auch mal kurz drauf hinweisen: Alle Einladungen zu Iftar-Events werden ohne Ausnahme und prinzipiell abgesagt. Das ist jetzt bei mir schon seit Jahren so. Ich mache nur da Ausnahmen, wo ich gute Freunde von weit außerhalb eventuell durch ein solches überteuertes und sonst nutzloses Event noch einmal treffen kann. Das traditionelle Event in diesem Fall fällt übrigens für mich in diesem Jahr definitiv aus. Ich weiß nicht mal, ob es einen Iftar-Empfang gibt. Falls doch, dann wurde ich – verständlicherweise – nicht eingeladen. Und selbst dann: Kein Problem. Ich stehe auch nicht drauf, in einem Raum zu sein, wo alle tödlichen Blicke auf mich gerichtet sind. Yay!

Kommen wir aber zu den Goals für diesen Ramadan. Ich habe mir, wie bereits in den ersten Einträgen erwähnt, eigentlich nichts Großes als Ziel gesteckt. Es geht aber so gut voran, dass ich tatsächlich überlege, mir jetzt doch ein paar höhere Ziele zu setzen. Das liegt mitunter an meinem Gemütszustand, mitunter aber auch an der Tatsache, dass ich doch lieber versuche die Kontrolle über meinen Alltag zu behalten und alles lieber geordnet als ungeordnet haben möchte. Der Ramadan erfüllt mich in diesem Jahr mit besonderer Dankbarkeit. Ich habe so viele Zweifel gehabt, so viele Hürden und Berge vor mir gesehen, wie kaum in einem Ramadan. Doch irgendwie funktioniert alles. Selbst das Essen und die Selbstverpflegung – heute übrigens Spaghetti und als Nachtisch Himbeeren.

Das alles irgendwie funktioniert, liegt – neben dem tawakkul (Vertrauen auf Allah) – auch daran, dass die Work-Life-Balance aktuell ziemlich gut funktioniert. Mein Arbeitgeber ist sehr familienfreundlich. Meine Arbeitskollegen allesamt verschiedenste Charaktere mit der gleichen Eigenschaft: Sie sind offen und herzlich. Man unterstützt sich gegenseitig und geht fair miteinander um. Mein Muslim-Sein wird nicht problematisiert. Es gibt eher neugierige Fragen und Blicke. Das baut einen auf und es hilft die Dinge, die man vorher als sehr groß und schwierig wahrgenommen hat, leichter zu verarbeiten und zu lösen. Zumal es auch den Stress für das eigene Heim wegnimmt und damit noch einmal einen starken positiven Effekt hat.

In einer solchen – subjektiven Wahrnehmung – beginnt dann natürlich auch die Dankbarkeit allem Gegenüber überhand zu nehmen. Ich habe eine ungewohnte Gelassenheit zuletzt gezeigt. Die Dinge in meinem Leben und Umfeld funktionieren oder eben nicht. Ich kümmere mich darum, das alles läuft, soweit wie möglich. Dort wo es nicht läuft, da akzeptiere ich die Resultate. Es schleicht sich auch automatisch eine gewisse Zufriedenheit mit ein. Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe und mit dem was ich in diesem Jahr alles geschafft habe. Und es ist in diesem Ramadan mehr, als ich in einem Plan hätte festhalten können.

Alhamdulillah. Es ist der vierte Tag von Ramadan. Und es fühlt sich richtig gut an.

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