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Mukabala in der Ulu Camii in Ottensen

Mukabala in der Ulu Camii in Ottensen

Es ist der dritte Tag von Ramadan im Jahr 2017. Er war eher unproduktiv. Das lag mitunter schon daran, dass ich erst kurz vor der Morgendämmerung ins Bett ging. Ich hatte etwa vier Stunden zum Schlafen eingeplant, doch meine liebste Tochter hatte etwas dagegen. Statt vier Stunden, durfte ich dann mit nur 1,5 Stunden Schlaf am frühen Morgen ins Büro. Ich hatte heute extra so früh eingeplant. Dabei hätte ich es mir sparen können.

Eine Arbeitskollegin hatte vor Kurzem Geburtstag. Da es bei uns Reihum geht, hatte ich die ehrenvolle Aufgabe das Geschenk zu besorgen und ihren Arbeitsplatz zu gestalten. Das wollte ich alles am Freitag vergangener Woche bereits erledigt haben. Weil aber die KITA am Freitag zu hatte, habe ich Home-Office gemacht und dadurch natürlich alles auf den heutigen Morgen verschoben. Doch zu meinem Erstaunen gab es nichts zu machen. Es war bereits alles aufgebaut und ich, total unausgeschlafen, war völlig umsonst aus dem Bett raus gewesen.

So war ich nicht nur der erste im Büro, ich war vermutlich auch der Fleißigste. Ich habe entsprechend einen kleinen Awesome-Mix mit Musik angeschaltet und mich komplett auf die Arbeit konzentriert. Heute habe ich besonders den Kaffee am Morgen vermisst. Gerade heute. Und was mir auch gefehlt hat, war mein gewohntes Umfeld. Im neuen Büro bin ich noch nicht angekommen. Abschalten und Arbeiten tut da gut. Besprechungen und angestoßene Kooperationsprojekte liefen ziemlich unkompliziert ab. Die Kolleginnen und Kollegen unterstützen mich auch beim Ramadan. Ich habe heute viel Rücksicht und vor allem Verständnis erlebt. Irgendwie noch immer ungewohnt, mit Menschen zusammen zu arbeiten, die rücksichtsvoll sind.

Moschee in der Nähe – Ulu Camii

Meine Pause nutze ich dann für die privaten Dinge, die man während des Ramadan tut. Ich bin glücklich, dass in der Nähe meines Arbeitsplatzes eine Moschee (Ulu Camii) ist. Sie gehört zum sufistisch angehauchten Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ). Aber heute war auch etwas dabei, was mich wirklich wieder berührt hat. Beim Pflichtgebet hat der Imam wohl etwas vergessen. Uns ist es natürlich nicht aufgefallen, zumal die Rezitation beim Mittagsgebet still ausfällt. Er selbst fühlte sich aber verpflichtet die Sujud as Sahw (Niederwerfung der Vergesslichkeit) kurz vor Ende des Gebets zu machen.

Ich fand das sehr berührend und eine innere Ruhe kehrte in mir ein. Dieser Imam war sich nicht zu schade und war sich auch der Verantwortung bewusst, wegen einer Vergesslichkeit, die Sujud as Sahw durchzuführen. Wie selten so etwas ist, zeigte sich auch an den verdutzten Gesichtern der paar Jugendlichen in der Moschee. Sie hatten nicht verstanden, was gerade passiert war. Ich war innerlich sehr berührt. Solche Imame, die sich nicht für eine Reue, für eine Korrektur zu schade sind, solche Imame brauchen wir.

Tochter lässt mich die Iftar-Zeit verpassen

Nach meiner Arbeit bin ich dann schnell nach Hause und hab mich hingelegt. Ich wachte erst auf, als meine Tochter wieder nach Hause kam. Sie war bitter enttäuscht, dass die Oma sie nicht mitgenommen hatte. Ich musste sie ganz fest umarmen und drücken, damit sie wieder fröhlich wird. Ich habe sie heute das erste mal seit langem wieder allein gebadet. Danach abgetrocknet und ins Bett gelegt. Weil sie aber partout nicht einschlafen wollte, ohne mich neben ihr zu haben, habe ich die Iftar-Zeit deutlich verpasst. Einer der Gründe, warum dieser Artikel heute auch so spät erscheint.

Alles in allem habe ich leider viele meiner Goals für den heutigen Tag nicht erreicht. Dafür war ich an anderer Stelle gesegnet und ich bin dankbar für solche Tage. Das Fasten fällt mir gefühlt ziemlich leicht. Meine Frau meinte auch: In diesem Jahr strahlst du irgendwie eine Ruhe aus, obwohl du fastest. Vielleicht bin ich ruhiger geworden, vielleicht auch weiser oder einfach nur gelassener. Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß ist, ich bin dankbar.

Alhamdulillah. (Lob sei Allah)

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