Ramadan – Tag 1

Ramadan: Ein Monat des Verzichts
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Ramadan - Der Monat des Kuran

„Ich habe heute Früh und am Mittag den Koran gemeinsam mit der Gemeinde gelesen. Zuhause lese ich auch kurz vor dem Iftar. Wenn alles gut geht, dann habe ich in diesem Jahr insgesamt vier Mal den Koran vollständig durchgelesen“, sagt man mir am Telefon. Ich hake nach: „Vier Mal? Du meinst drei!“ Mein Gegenüber widerspricht: „Nein, vier Mal. Du vergisst Lailat al Qadr. Da lese ich prinzipiell an einem Tag den kompletten Qur’an.“ Was sich nach sonderlich viel anhört, ist es eigentlich gar nicht. Die Person am Telefon macht das voller Überzeugung und hat auch endlich die Zeit dazu. Voller Hingabe und Eifer. Man ist neidisch. Mir erzählt die Person es nur, weil sie mir gegenüber Respektsperson und Vorbild ist. Sie will mich aufstacheln, dass ich in den Wettbewerb eintrete und entsprechend kommt die Frage: „Und du so? Was machst du diesen Ramadan?“

Es ist Tag 1 von Ramadan im Jahr 2017. Ich laboriere eigentlich noch immer an einer Erkältung. Doch es ist nicht schlimm. Ich muss mich halt nur Zusammenreißen. Und da sind wir auch schon beim Thema. Zusammenreißen. Verzicht ist für einen Muslim gar nicht so einfach, wenn er einen geregelten Tagesablauf hat. Denn dann ist Verzicht immer auch schwierig zu handhaben. Was ich mir diesen Ramadan vorgenommen habe? Das Nötigste. Mehr auch nicht. Alles was zusätzlich dazu kommt, das ist ein Bonus. Denn die Umstände sind diesmal etwas anders als in den Jahren zuvor. Ich kann mir beispielsweise nicht den kompletten Ramadan frei nehmen oder meine Arbeitszeiten an die Fastenzeit anpassen. Es ist diesmal wieder das volle Programm. Eigentlich nicht ungewohnt, nur ich habe es mir in den letzten Jahren wohl doch ein bisschen bequem machen dürfen.

Zeitmanagement und Planung im Ramadan

Das erfordert viel Zeitmanagement und Planung. Auch weil jetzt schon feststeht, dass ich einige Goals (z. B. den Monat durchfasten) gar nicht erfüllen kann, weil sie mit meinem Zeitplan kollidieren. Wenn beispielsweise der Arzttermin, bei dem bestimmte Dinge gemacht werden müssen, sich überhaupt nicht mit dem Fasten verträgt, was soll man da machen? Was ist, wenn die Firma ein Sommerfest veranstaltet und zugleich ankündigt, dass wir alle gemeinsam essen und feiern? Als Einziger sich sozial ausgrenzen, ist das der Wille Allahs? Ich denke nicht. Deshalb, stehe ich vor Herausforderungen, über die ich mir Gedanken mache und die ich bestmöglich lösen muss. Dinge verschieben ist da noch die beste Option (Arztbesuch) oder einfach doch Urlaub nehmen, zufällig am Tag des Sommerfestes. Oder ich stehe doch standhaft dazu und isoliere mich. Bin ich schon so beliebt und geschätzt, dass ich mir das leisten kann? Vermutlich wird es in eine dieser Richtung gehen. Ich bin dann doch etwas flexibler in meiner Entscheidungsfindung, als ich angenommen habe.

Auf der anderen Seite steht es nicht wirklich gut um mich, was das Soziale angeht. Die Fastenzeiten sind so gelegt, dass Ausflüge und nächtliche Zusammentreffen mit Freunden ausfallen. Es bleiben nur die Wochenenden, wo man sich eventuell zum gemeinsamen Iftar verabreden könnte. Wirklich geplant haben wir nichts. Auch deshalb glaube ich, dass es zu nichts weiter kommen wird. Dieser Ramadan ist sehr merkwürdig. Es liegt auch daran, das ich diesen Ramadan komplett allein verbringe und allein faste. Während in früheren Jahren meine Familie um mich herum war, so ist es in diesem Jahr leider nicht möglich. Ich habe heute Abend selbst gekocht, nur um mal den Zustand zu beschreiben. Ich muss immer wieder im Supermarkt dran denken, mir was zu Essen zu holen. Sonst stehe ich mit leerem Bauch da.

Heute gab es Nudeln nach Sechuan-Art. Ich habe mir noch PITA aus dem Kühlfach geholt. Ein Kaffee nach dem Iftar durfte natürlich nicht fehlen. Worauf ich in diesem Jahr bewusst verzichte? Einträge in sozialen Netzwerken. Die Accounts sind erstmal deaktiviert. Ich brauch etwas Ruhe. Dafür hab ich dann auch mehr Zeit zum Schreiben. Und worauf ich nicht verzichten will? Auf Gespräche, wie am Anfang dieses Posts. Vielleicht trag ich ja mal zusammen, was Muslime während des Ramadan so alles machen. Es wäre bestimmt ein spannender Lesestoff. Obwohl: Nicht alles, was man weiß, darf man auch schreiben. Manchmal sind es nämlich keine motivierenden, sondern demotivierenden Inhalte.

In diesem Sinne, einen fröhlichen und segensreichen Ramadan uns allen.

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