Giftgas-Anschlag in Syrien: Empörung as Usual

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Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte hat es in der Stadt Khan Sheikhoun bei Idlib in Syrien einen Giftgas-Angriff auf Zivilisten gegeben. Ersten Angaben zufolge sollen mehr als 58 Menschen (darunter mindestens 11 Kinder) bei dem Angriff getötet worden sein. Schätzungsweise 170 weitere Menschen sollen vom Giftgas-Angriff betroffen sein und sich in ärztlicher bzw. stationärer Behandlung befinden. Bilder vom Ort des Geschehens und Berichte von AFP-Reportern zeigen, wie ein Krankenhaus um die Rettung von Opfern kämpft, während das Assad-Regime die Einrichtung bombardiert.

Es sind verstörende Bilder vom Ort des Geschehens. Familien wurden im Schlaf getötet. Bei den Opfern sieht man Schaum im Mund. Die Bilder der Opfer, darunter vor allem auch Kinder, sind kaum zu ertragen. Der erfahrene Journalist und Blogger Karim El-Gawhary beschreibt die Bilder von den Opfern entsprechend als unerträglich. Tatsächlich sind es verstörende Bilder, die in den sozialen Netzwerken zu einem Sturm der Entrüstung und Anteilnahme geführt haben. Vor allem aber sehen wir derzeit wieder einen Sturm der Empörung — gegen das Assad-Regime und seine politischen Unterstützer.

Merkel spricht von Kriegsverbrechen und besucht danach den FC Köln

So haben die USA für die Vorfälle direkt die syrische Regierung und Bashar al-Assad, inklusive seinen Unterstützern, dem Iran und Russland, verantwortlich gemacht. Der Schelte der USA schlossen sich auch Deutschland, die Türkei, Groß-Britannien und Frankreich an. Unterdessen wurde auch eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates einberufen, bei der auch Sanktionen für das syrische Regime gefordert werden sollen. Der Sicherheitsrat lässt sich über die genauen Vorgänge unterrichten.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ über ihren Sprecher Steffen Seibert auf Twitter verlauten, sie verurteile diesen Angriff mit chemischen Waffen scharf und Kriegsverbrechen müssten bestraft werden. Kurze Zeit später ging Merkel zum FC Köln und ließ sich, in Begleitung von Medien, über Integrationsprojekte des Bundesligisten für Flüchtlinge informieren. So wie Merkel mit dem Thema umgeht, gehen leider auch viele Menschen mit dem Thema um.

Kurz empört und dann wieder vergessen

Die Empörung über den Angriff auf Syrien mag zwar gut aussehen, aber es ändert sich nichts an unserem Alltag und unserem Leben. Es ändert sich auch nichts an unserer Haltung. Der frühere US-Bundespräsident Barack Obama hatte beispielsweise seinerzeit von der Überschreitung einer roten Linie gesprochen, sollte Assad Chemiewaffen gegen Zivilisten einsetzen. Tatsächlich ließ er aber Assad immer weiter gewähren, auch wenn dieser chemische Waffen einsetzte.

Heute stellte sich der Sprecher des amtierenden US-Präsidenten, Sean Spicer, vor die Presse und erklärte, die Schwäche von Obama sei an dem tragischen Angriff in Syrien schuld. Ändern wird Trump, werden die Vereinten Nationen, der Sicherheitsrat oder die deutsche Politik an dem Vorgehen von Assad jedenfalls nichts. Im Gegenteil. Vor dem heutigen Anschlag hatte man politisch aussondiert, wie man künftig auch mit Assad in Syrien gegen den Islamischen Staat vorgehen könnte.

Die Welt lässt die Gräueltaten zu. Wir heucheln Betroffenheit!

Assad wird entsprechend vermutlich wieder einmal einfach so davon kommen. Die USA und seine Verbündeten werden einen Dreck tun und sich für eine Lösung im Konflikt einsetzen. Dafür hat man einfach eigene Interessen, die gewahrt werden müssen. Dazu gehört eben nicht der Schutz von Zivilisten in Syrien vor dem Assad-Regime.

An dieser Haltung wird auch die Empörung der Menschen in aller Welt nichts ändern. Es sind im Übrigen gewohnte Empörungswellen, die nach ein paar Tagen wieder abebben. Die Opfer werden, genauso wie Hunderte und Tausende Opfer zuvor, vergessen bleiben. Und im Sicherheitsrat wird Russland seine schützende Hand über Syrien legen, sodass es nicht mal zu “nicht wirksamen” Sanktionen kommen wird.

Assad wird mit seinen Gräueltaten durchkommen, weil die Welt es zulässt. Wer sich daran empört, tut das gleiche wie viele andere auch. Ändern wird sich so jedenfalls nichts.

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