Flixbus: Macht das Sinn?

Mit dem Flixbus reisen? – Vor ein paar Wochen war ich für einen kurzen Vortrag (Ahlaq und Social Media) bei einer muslimischen Jugendeinrichtung (IGMG KGT) in Hannover zu Besuch. Zum Termin wollte ich eigentlich mit der Bahn anreisen aber die angebotenen Preise waren mir zu hoch. Selbst mit einem Sparpreis lag ich am Ende bei knapp 42 €. Da Hannover gar nicht so weit von Hamburg entfernt ist, habe ich mal den Fernbusanbieter Flixbus ausprobiert. Meinen Erfahrungsbericht könnt ihr hier lesen.

Die Buchung über das Web funktionierte unkompliziert und einfach. Man gibt einfach auf der Website www.flixbus.de seine Reisedaten an und sucht nach möglichen Verbindungen. Die freien Plätze in den jeweiligen Bussen werden angezeigt. In meinem Fall konnte ich sehr flexibel entscheiden und nahm die mir passendsten Zeiten in die Auswahl. Bei der Bezahlung kann man zwischen verschiedenen Möglichkeiten auswählen. Ich entschied mich für das klassische Lastschriftverfahren. Auch meine Handynummer habe ich vorsichtshalber angegeben. Der Preis für die Hin- und Rückfahrt betrug 18 €. Ein Schnäppchen, im Vergleich zu anderen Diensten.

Die gebuchten Tickets werden einem per E-Mail versendet. Wer mag, kann sich auch die Flixbus-App installieren und die Tickets auf sein Handy laden. Es ist auch möglich, die Tickets in digitaler Form auf dem Handy vorzuzeigen. Während ich beispielsweise meine Papiertickets dabei hatte, haben andere gleich mit der App oder E-Mail eingecheckt. Bei Verspätungen gibt Flixbus Informationen per SMS weiter und warnt rechtzeitig. Das konnte ich im Test auch erleben. Die Warnung ist zwar nicht ganz präzise, aber immerhin. Man stellt sich auf die Verspätung gleich ein und wartet nicht umsonst in der Kälte.

Ein Punkt hat mich allerdings etwas gestört. Wenn man die entsprechenden Daten hat, ist es ohne irgendwelche Einschränkungen möglich, Buchungen zu stornieren. Eine separate Passwort- oder Identifikationsprüfung findet auf innerdeutschen Fahrten so nicht statt. Das kann Probleme verursachen: Beispielsweise können Buchungen ohne Wissen des Reisenden storniert und sogar Buchungen auf fremde Namen vorgenommen werden. Auch können Reisende – weil ihre Daten nicht geprüft werden – mit den Tickets anderer Reisen. Jedenfalls gab es bei mir keine Identifikationsprüfung. Gibt es auch bei anderen Diensten nicht, aber hier fiel mir das doch sehr auf.

Check-In und Reise im Flixbus

Der Check-In funktioniert ganz einfach. Bei dem Bus gibt es einen Mitarbeiter, der ausschließlich dafür zuständig ist, die Fahrgäste einzuchecken. Er hat eine Flixbus-App, mit der registriert wird, wer erschienen und eingecheckt hat. Ist man gar nicht in der Liste, kann man in den Bus auch nicht einsteigen. Ebenso kann man kein Gepäck aufgeben, wenn man das nicht vorher auch entsprechend gebucht bzw. angegeben hat. Dumm wird es allerdings, wenn der Check-In über die QR-Codes auf dem Ticket nicht so richtig funktionieren will. Der Fall trat in Hannover bei der Rückfahrt ein. Der zuständige Mitarbeiter musste die Fahrgäste manuell suchen und bestätigen. Das hatte Verzögerungen beim Einstieg zur Folge. Gerade in der kalten Jahreszeit etwas ärgerlich.

In dem Bus selbst kann man sich einen eigenen Sitzplatz suchen. Die besten Plätze sind meistens schon belegt. Worauf man achten sollte: Lieber nicht an den vorderen oder hinteren Türen sitzen. Hintergrund: Ein Fahrer hat bei der Fahrt ziemlich laut und störend mit seinem Sohn, der ihn anscheinend auf diesen Reisen begleitet, gequatscht. Da konnte man nicht abschalten. Bei der Hintertür ist das Bus-Klo. Das sorgt dann für viel Verkehr, aber auch unangenehme Gerüche und blöde Blicke. Im Bus selbst wurden uns keine Getränke angeboten. Wie ich aber sehen konnte, hätte man danach fragen können. Die Preise waren moderat.

Die Sitze selbst sind zwar bequem, die Beinfreiheit aber doch eingeschränkt. Mir war es etwas zu eng, auch wenn ich mich eher in die Kategorie fülligerer Mensch zähle. Auf jeden Fall kann man nicht so einfach ein Buch lesen, wenn man ein bisschen Fülliger ist und die Beine sind mir auch, nach nur zwei Stunden fahrt, leicht eingeschlafen. Nach Hin- und Rückfahrt kann ich anmerken, dass die Enge die Beine doch ziemlich belastet und Schmerzen möglich sind. Anders als in Bahn und Flugzeug – wohlgemerkt!

Fazit: Für kurze Reisen ok, lange Reisen werden anstrengend!

Insgesamt stimmt der Preis und die Fahrt war auch ok. Allerdings gilt das nur auf kürzeren Strecken. Wer länger mit einem Flixbus unterwegs ist, der wird sich sicherlich quälen. Das liegt zum einen an der fehlenden Beinfreiheit zum Anderen aber auch an den Strecken. Autobahnen sind nun einmal wetterabhängig und saisonabhängig manchmal zu meiden. Wer eine Strecke zwischen Hamburg und Hannover fährt, braucht sich wegen eines Staus kaum Gedanken zu machen. Problematisch wird es allerdings, wenn es weiter Richtung Süden geht. Mehrere Stunden auf stehender Strecke zu bleiben, kann sehr unangenehm sein. Gerade das Wetter hat da auch noch einen immensen Einfluss. Es war stickig, ich will nicht wissen, wie es im Sommer gewesen wäre.

Übrigens: Einen Vorteil hatte die Busfahrt schon. Es war der legendäre Tag, an dem Eisregen und Fahrbahnglätte vorherrschten. Die Hinfahrt verlief problemlos, bei der Rückfahrt hatte mein Bus knapp eine halbe Stunde Verspätung. Bei Eisregen fuhren wir über die Autobahn und kamen heil in Hamburg an. Die Bahn fuhr zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr. Später wurde der Busverkehr in Hannover, wie ich in den Medien lesen konnte, sogar ganz eingestellt. Ich hatte Glück. Aber Reisende sollten sich diese Punkte durchaus noch einmal vergegenwärtigen. Der Preis ist sehr günstig, man büßt aber Komfort, unter Umständen auch Pünktlichkeit, ein.

Veröffentlicht von Akif Sahin

Akif Sahin - Autor, Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

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