Die Auslegungen und die Art und Weise wie bestimmte Gruppen den Islam verstehen und lehren erinnern sehr stark an die Praxis einer längst vergangen geglaubten Rechtsschule. Die Zahiriten haben im 14. Jahrhundert vor allem durch ihre Text-Versessenheit und der Ablehnung von Möglichkeiten der vernünftigen Rechtsfindung sich aggressiv von allen anderen Muslimen und Gruppen abgegrenzt. Am Ende verschwand diese Bewegung aus der Bildfläche der Muslime und erlebt derzeit eine Renaissance und Wiedergeburt in Deutschland. Ein Ausblick auf die Zukunft und eine Kritik an den Zahiriten unserer Zeit.

Unehrliche Kritik am Islam

Wir erleben derzeit eine Zeit in Deutschland, in der die Religion insgesamt als solche sehr stark in Zweifel gezogen wird. Die Kritik sowohl an religiösen Quellen, wie auch an der Erläuterung von Quellen, ist immens groß. Dies ist schon Deutsche Tradition, kommt doch bei der religiösen Bewertung so gut wie immer die historisch-kritische Methode zum Zug.

Allerdings erleben wir in Bezug auf den Islam etwas anderes. Hier geht es nicht mehr nur um legitime Kritik, sondern um Islamfeindlichkeit. Die Angriffe auf die Religion der Muslime nehmen zu und sie werden mit harten und unfairen Mitteln geführt. Oftmals mit billiger Polemik, Halbwahrheiten und vor allem Vorurteilen.

Keine Religion wird derzeit so häufig in Zweifel gezogen, wie die des Islam. In keinem Land der Welt, wird der Islam so voller Misstrauen und so systematisch verfälscht, wie in Deutschland. Ein Beispiel gefällig? Gut, in diesem Gespräch auf Deutschlandfunk behauptet Norbert Geis unverfroren, der Islam sei eine totalitäre Religion. Er bleibt dabei absichtlich schwammig und füttert die Zuhörer mit der Furcht vor einer Islamisierung des Landes. Das Problem ist für ihn der Islam. Totalitarismus = Islam. Vergessen tut Geis, der Abgeordneter der christlichen CSU ist, dass es einerseits der Deutsche Kolonialismus war, der totalitär war und dass es bis heute, dass Deutsche (christliche) Reich, war, dass die Weltherrschaft und die Überlegenheit der Deutschen Rasse propagiert hat und nicht der Islam oder die Muslime. Er sollte sich lieber an die eigene Nase fassen und sich fragen, wie totalitär seine CSU eigentlich ist, die in Bayern weiterhin die Alleinherrschaft anstrebt.

Feindbilder über Islam und Muslime sollen sich etablieren

Hier wird absichtlich wieder einmal ein Feindbild geschürt. Es ist schade, dass die Gesprächsgegner dem Geis hier nicht widersprechen mochten und konnten. Das liegt einzig und allein wohl auch an der Betrachtungsweise. Wo immer der Islam geherrscht hat, hat man gesehen, dass der Frieden in der Gesellschaft gewahrt wurde – in Andalusien, in Jerusalem, aber auch in der Türkei. Wo immer aber das Christentum erschien, wurde damit aufgeräumt. Wer ist jetzt totalitär? Norbert Geis, der einen Kulturkampf gewinnen möchte? Oder Muslime, die diese Diskussion, wenn sie denn ihre eigene Geschichte ein bisschen kennen, nicht einmal im Kern nachvollziehen können?

Auch die Beispiele die der Politiker ausführt, sprechen Bände. Afghanistan und Irak. Dort sollen Christen unterdrückt werden. Die Frage müsste lauten: “Wessen Schuld ist das?” Ist es nicht der Westen gewesen, der in Afghanistan und im Irak interveniert hat und damit die Lage der Christen in den Ländern, die vorher durchaus als besser zu bezeichnen ist, noch weiter verschlechtert hat? Und vor allem, wieso muss er diese Beispiele anführen? Ist das die Rechtfertigung dafür, dass man sich für etwas besseres hält? Der Rückgriff auf Länder, die man systematisch ausgebeutet hat und die heute für Christenverfolgung stehen?

So etwas nennt man Realitätsverdrängung und Geschichtsverfälschung ja sogar Geschichtskittung. Totalitär, dass ist typisch Geis, dass ist typisch CSU.

Problem der Muslime in Deutschland

Warum aber können sich die Muslime gegen diese unsäglichen Angriffe nicht wehren?

In der öffentlichen Debatte sehen wir, wie immer wieder Vertreter des Islam angesichts solcher Hasstiraden und Angriffe untergehen. Ein Grund ist sicherlich auch, dass die Sachebene verlassen und auf der Gefühlsebene argumentiert wird (so wie ich auch gerade oben das gleiche gemacht habe). Aber ein viel wichtiger Grund ist wohl, dass der Islam in Deutschland keine Wurzeln hat.

Die Muslime in Deutschland haben keine religiöse Tradition in diesem Land. Es gibt keine islamische Bildung und es gibt vor allem keine islamischen Gelehrten. Seit mehr als 30 Jahren haben die Muslime in Deutschland vor allem ein Dasein der Unwissenheit und Isolation geführt. Dieser Umstand wird erst in den nächsten Jahren und wahrscheinlich endgültig erst in den kommenden 25 Jahren gelöst werden können.

Die Etablierung von Islamischer Theologie an Deutschen Hochschulen läuft voran und sie ist immens wichtig für das muslimische Selbstbewusstsein. Mit ihr zusammen soll der Islamische Religionsunterricht flächendeckend angeboten werden. Imame sollen in Deutschland ausgebildet werden. Und wenn es tatsächlich so läuft, wie es jetzt erwartet wird, dann dürften wir in 25 Jahren erstmals eine traditionelle Deutsche Islamische Theologie etabliert sehen, die nicht nur auf Angriffe von Außen und der Politik reagiert, sondern auch visionär und richtungsweisend ist.

Geschichte wiederholt sich

Doch kommen wir zurück auf den Zustand der Muslime im Hier und Jetzt. Die derzeitige Lage ist vor allem durch Unwissenheit, Bedrängung und Provokation gezeichnet. Muslime werden angegriffen und angefeindet. Das klingt vertraut. Und wenn wir uns die Geschichte des Islam und insbesondere von muslimischen Kulturen anschauen, dann stellen wir fest, dass die Muslime in Deutschland mit ihrem Schicksal nicht die ersten sind, denen dies so passiert ist und passiert.

Die erste Generation musste mit den Anfeindungen in Mekka leben und wanderte schließlich aus, um sich der Verfolgung zu entziehen. Glücklicherweise muss man als Muslim in Deutschland (obgleich es rechtsextremistische Terroristen gibt, die das ändern wollten und wollen) nicht um sein Leben fürchten. Trotzdem nimmt die Verfolgung von Muslimen in Form von staatlicher Repression und Diskriminierung den Muslimen das Vertrauen in sich selbst und vor allem in die eigenen Fähigkeiten. Schlimmer jedoch ist der Vertrauensverlust sowohl in den Staat als auch seine ausführenden Organe.

Bestausgebildete Muslime müssen noch heute damit zurechtkommen, dass ihnen häufiger die Arbeitslosigkeit droht, weil sie einfach das falsche Aussehen, den falschen Nachnamen oder eben die falsche Religion (Kopftuch) haben.

Doch das alles ist so nicht Neu. Seit 30 Jahren sind die Muslime in Deutschland fremd und wirklich etwas ändern an diesem Umstand möchte Niemand. Jeder hat sich irgendwie damit abgefunden.

Der Islam der Mitte

Und auch nicht Neu ist die Diskussion unter den Muslimen darüber, was denn nun eigentlich islamisch gesehen richtig und falsch ist. Und wenn wir uns diese Situationen anschauen, dann stellen wir fest, dass die Muslime in der Lage waren in Zeiten der Fitna, in denen immer (angeblich) neue Ideen und Ansichten kund getan wurden, einen stillen Anker zu finden, an dem sie sich festhalten konnten. Sie hatten immer das Gleichgewicht gesucht und gefunden.

In unserer heutigen Zeit gibt es einige neuere Gruppen, die sich immer wieder in den Vordergrund drängen und Uns und Allen um sich herum erzählen, sie wären die Einzigen die den wahren Islam leben, ihre Ansicht sei die einzig Richtige und man dürfe nur Ihnen folgen, weil sie die Wahrheit mit Löffeln gegessen hätten.

Und ich glaube weiterhin daran, dass diese extremen Ansichten bald verschwinden werden, und sie ihren Platz räumen werden, für die Muslime der Mitte, für den Islam der Mitte.

Dies bedeutet nicht, dass wir es mit einem areligiösen oder extremen Islam zu tun haben werden, sondern dass die Muslime sowohl religiös als auch säkulär sein werden. Sie werden sich den ihr zustehenden Platz in der Gesellschaft suchen und ihn letztendlich auch endlich finden müssen.

Der staatliche Unsinn

Und wenn wir uns die Bekundungen der Politik und insbesondere der Bundesregierung anschauen, dann merken wir, dass sie nicht einen Islam der Mitte möchten, sondern einen Islam der keine Religion mehr ist. Das ist ihr Verständnis von einem Islam – ein Kultur-Islam. In diesem Lichte sind Dinge wie die Deutsche Islam-Konferenz (DIK) zu betrachten, aber auch Bemühungen der Regierung Muslime in die “Extremismus-Prävention” einzubinden. Bisher waren das Alles nur Bemühungen die von einem Sicherheitsaspekt aus die Muslime betrachtet haben und nicht aus einem sozialen wie religiösen Aspekt.

Und auch die Bemühungen so mancher Politiker einen Keil zwischen die Muslime zu treiben und beispielsweise die Aleviten als die besseren Muslime zu präsentieren, sind nur der verzweifelte Versuch dem Atheismus unter den Muslimen Tür und Tor zu öffnen.

Aleviten, gläubige Aleviten, sind ein Teil des Islam und sie sind Muslime. Die meisten Vertreter in Deutschland, die derzeit vom Staate auch anerkannt und als Ansprechpartner wahrgenommen werden, sind allerdings keine religiösen Alevitenverbände, sondern atheistische Verbände, die das Alevitentum nur noch als politisches Mittel zur Partizipation nutzen und nicht als religiöse Identifikation. Sie wollen tatsächlich Sonderrechte für sich geltend machen, aber auf der anderen Seite den religiösen Menschen Einhalt gebieten. Sie grenzen sich selbst direkt von den Muslimen und insgesamt vom Islam ab.

In diesem Lichte muss man auch die Zusammenarbeit des Staates mit Institutionen wie der Türkischen Gemeinde in Deutschland betrachten. Die Türkische Gemeinde war niemals ein muslimischer Verband, sondern ein säkular orientierter und sehr oft auch laizistisch orientierter Verein. Diesen als „Muslimischen Vertreter“ zu präsentieren ist wie einen Michael-Schmidt Salomon als Repräsentanten des Christentums einzuladen und für die “atheistischen Christen” sprechen zu lassen.

Um es klar zu stellen, die Dinge haben nichts mit Muslimen zu tun. Ein Atheist oder Laizist, egal welche Wurzeln er hat, kann kein Vertreter für religiöse Menschen sein, erst Recht nicht für Muslime. Aber genau das versucht der Staat, durch seine derzeitige Regierung (die hoffentlich bald abgewählt wird), den Muslimen aufzuzwingen. Muslime werden bevormundet und ihnen werden die Ansprechpartner vorgesetzt. Sie sollen als Protagonisten nur das Umsetzen, was sich Merkel und Co. wünschen. Keine Selbstbestimmung und schon erst Recht keine Selbstfindung.

Der innermuslimische Dialog

Und wir verdanken es nur unserer Verfassung hier in Deutschland, dass man die Redefreiheit der Muslime nicht begrenzen kann, dass es noch immer Muslime gibt, die ihre Meinung kund tun können. Und es ist kein Fehler über diese Dinge nachzudenken, neue Ideen zu präsentieren und Vorschläge zu machen. Und ich glaube sogar daran, dass dies für alle Muslime eine Pflicht ist, ja sogar ein Gottesdienst – dies ist auch ein Grund für diesen Beitrag.

Und natürlich dürfen wir nicht denken, dass Ideen und Vorschläge, dass Gedanken, keine Fehler produzieren. Es wird natürlich Fehler geben und fehlerhafte Meinungen. Und Diejenigen die den Anderen vorwerfen sie würden sich mit den Fehlern, die sie machen, aus der Religion befördern, wollen im Grunde nur verhindern, dass eine Entwicklung stattfindet. Sie sind nicht besser als die staatlichen Stellen, die den Islam kontrollieren und beherrschen möchten und ihn nach eigenen Vorstellungen formen möchten.

Und was wir natürlich auch nicht vergessen dürfen ist, dass religiöse Themen, Dinge, die im Namen des Islam gesagt werden, natürlich nur dann öffentlich gemacht werden sollten, wenn sie auch gründlich überprüft und abgesichert sind. Wer mit einer Meinung an die Öffentlichkeit geht, die nicht gründlich gesichert ist, der läuft Gefahr, dass dies im Falle eines Fehlers, nicht mehr zu beheben ist.

Aber die Erstickung der Diskussion im Keim ist oftmals eine Folge einer Entwicklung der letzten Jahre. Statt eines offenen Dialogs, sowohl zwischen Staat und Muslimen als auch zwischen Muslimen und Muslimen, gibt es nur noch Monologe.

Die Gruppe A sagt etwas, die Gruppe B sagt etwas und dann wird nur noch nach Unterschieden untereinander gesucht. Es wird explizit von manchen Gruppen nach Fehlern gesucht. Ziel ist es nicht die Debatte voranzubringen, sondern sie im Keim zu ersticken. Und vergessen scheint der Grundsatz zu sein, dass es eben in der Jurisprudenz durchaus mehrere Meinungen nebeneinander geben kann. Und vergessen scheint auch, dass Fatawas nur Empfehlungen darstellen und keine Gottesgesetze.

Fehlerhafte Methodik

Und wenn man sich diese Dinge genauer anschaut, dann stellt man oft fest, dass die Diskussionen oftmals im Bereich des Usul, also der Methodik, zerredet werden. Und ganz an den Anfang dieser Dinge muss man die Frage nach dem richtigen Verständnis der Sunna und die richtige Zuordnung der Sunna stellen. Und hier sehen wir auch schon die Unterschiede. Während ein Teil die Sunna beispielsweise komplett aus der Debatte nimmt und ein Teil sie nur begrenzt betrachtet gibt es auch einen weiteren Teil der Alles bezüglich der Sunna so für wahr annimmt, wie es überliefert ist.

Um es kurz zu machen: Die Bindung an den Wortlaut, sowohl des Quran als auch der Sunna, ist heute wieder da. Wir haben auch heute wieder Zahiriten. Und diese Zahiriten sind der philosophischen Denkweise gänzlich verschlossen. Und weil dem so ist, haben sie die Ahadith so weit verbreitet und für wahr genommen wie nur irgendmöglich, da sie eben nicht interpretieren konnten und können. Deshalb entwickelt sich auch ihr Islam nicht, er bleibt unflexibel und er liefert keine Antworten auf die Fragen der Moderne (bzw. Post-Moderne). Die Muslime der Mitte haben sich aber dazu entschlossen den schwierigeren Weg zu gehen, statt eine einfache und unzureichende Lösung zu präferieren. Wir versuchen heute die Sunna zu verstehen und sie an den ihr gebührenden Platz hoch zu heben.

Diejenigen die behaupten, sie seien Salafis, sind in Wirklichkeit die Zahiriten unserer Tage. Und gleichzeitig gibt es auch die Batiniden. Diese geben nicht dem Wortlaut ihre Beachtung, sondern seiner Seele… solche bezeichnen wir heute als Modernisten. Und das ist das Problem. Denn eigentlich ist sowohl der Nass, also der Wortlaut, als auch die tiefere Bedeutung der Worte wichtig. Und es ist nicht so leicht das Gleichgewicht in diesen Fragen zu halten.

Und dies ist wahrscheinlich auch ein Grund dafür, warum diese Minderheiten-Meinungen des öfteren dabei beobachtet wurden, wie sie eines Tages die Sunna komplett ablehnten und sich nur noch dem Quran zugewandt haben. Und auf der anderen Seite beobachten wir auch sehr häufig, dass plötzlich, Diejenigen, die noch den Einsatz von Ahad-Hadithen (einmal überliefert) und Ahadith die als schwach gelten, ablehnten, diese plötzlich als Basis für ihre Jurisprudenz nahmen.

Und wir sehen auch sehr häufig wie diese Gruppen, obgleich sie öffentlich immer die Anderen ablehnen, die Rechtsprechung ihrer Gegner als richtig anerkennen, wenn sie sich durch diese bestätigt sehen. Man denke da nur an das Beispiel von Abu Yusuf, der mal als gekaufter Fatwa-Geber beschimpft wird und mal als höchste richterliche Autorität gepriesen und vor Kritik geschützt wird – gerade so, wie es einem gerade passt.

Und das nicht vorhanden-sein der Methodik ist der Grund dafür, warum diese Gruppen oftmals kritisch betrachtet werden müssen. Die Muslime der Mitte haben eine Methodik und sie richten sich danach.

Ein Grundsatz der wichtig ist

Im islamischen Recht gibt es einen Grundsatz, der besagt, dass die Einengung eine Expansion nach sich zieht (Iza Dakal-Emru Ittasaa). Betrachten wir nun den Zustand der Muslime in Deutschland, so merken wir deutlich, dass sowohl gesellschaftlich wie auch religiös die Muslime eingeengt werden. Diese Einengung wird entweder eine Expansion nach sich ziehen, oder sogar eine Explosion. Die Unterdrückung einer muslimischen Minderheit, Diskriminierung und gesellschaftliche Isolation sind beispielsweise ein sehr guter Nährboden für den Terrorismus, der ständig gefürchtet und kritisiert wird. Genauso wird die verengte Sichtweise zu islamischen Themen, wie sie von den Zahiriten unserer Zeit propagiert und verbreitet wird, zwangsläufig zu einer Expansion oder Explosion führen.

Es gibt nun einmal einen offensichtlichen Unterschied zwischen Religion und Kultur und leider gelingt es nicht, die Dinge, die eher der Kultur zuzuschreiben sind, losgelöst von der religiösen Debatte zu sehen, wenn es um den Islam geht.

Und dies ist auch ein Grund, warum kulturelle Aspekte plötzlich als religiöse Aspekte Einzug in die Begründungen der Zahiriten finden. Es wird so getan, als seien kulturelle Aspekte religiöse Aspekte, weil man so die Ansicht festigen möchte, dass es sich um unumstößliche Dinge handelt. Dabei gibt es aber einige Konstante der Religion, während es auch Variablen gibt. Diese Variablen hängen aber von den Konstanten ab und sind sowohl der Zeit, den Grundlagen und den sozio-kulturellen Aspekten verbunden.

Beispielsweise ist der Quran insgesamt eine klare Konstante. Und auch ein Teil der Sunna stellt in Verbindung mit dem Quran einen Teil der Konstante dar. Sie beide sind unabänderlich. Aber selbst die Sunna kennt Ausnahmen, wenn es um die Rechte einer Person, eines Ortes, einer Begebenheit oder sogar der Tradition unterworfen ist.

Und all dies zu unterscheiden ist wirklich eine Aufgabe, die nur den Kennern überlassen werden sollte. Deshalb sprechen wir auch davon, dass das Verständnis der Sunna schwieriger ist als das Verständnis des Quran. Aber um den Quran zu verstehen braucht man auch ein Verständnis der Sunna.

Und dies ist ein wichtiger Punkt, weil es eben Personen und Gruppen gibt, die versuchen religiöses als Religion zu verkaufen. Sie geben uns zu verstehen, durch ihre starre und zeitlos ungebundene Interpretation der Sunna, dass es unabänderliche Dinge wären. Die Sunna wird starr und unflexibel gemacht, was aber gar nicht ihrem Geist entspricht, da sie eben sozio-kulturelle wie zeitliche und örtliche Elemente auch beachtet und auch an diese Gebunden ist.

Nur dem Wortlaut nach Interpretationen zu erstellen ist ein Verbrechen gegen den Islam und vor allem ein Verbrechen gegenüber dem Propheten (saw) und gegenüber Allah. Es reicht nicht zu lesen und zu glauben zu verstehen, man muss wirklich über genügend Hintergrundwissen verfügen und auch die historischen wie zeitlichen, aber auch die sozio-kulturellen Dinge berücksichtigen.

Wann immer es solche Formen der Einengung gegeben hat, war die Folge eine Explosion an unterschiedlichen Meinungen. Heute gibt es gleich mehrere Gruppe die versuchen die Dinge zu verengen und wir stehen kurz vor dem Punkt, wo die Expansion losgehen wird. Denn eine neue Generation von Muslimen wächst heute heran.

Sie werden in den Schulen Islam lernen. Sie werden Islam studieren können und vor allem wird die Qualität des Islam in Deutschland gesteigert werden. In der Folge nach 30 Jahren Blindheit kommt so langsam ein Licht auf.

Und in der Folge wird es ein neues Zeitalter des Islam in Deutschland geben. Wir werden unterschiedlichste Debatten erleben, wir werden Diskussionen erleben, die dem Geist des Islam näher sein werden, die aber allesamt letztendlich auch zu harten Spaltungen und vor allem Identitäts-Konflikte sorgen werden.

Wer sich in dieser Debatte allerdings in der Mitte der Diskussion positioniert, wird den Islam der Mitte, bevorzugen. Er wird es sich weder in der einen Form noch in der anderen Form einfach machen und vor allem Lösungen suchen, die problemorientiert sind und nicht populistisch.

Veröffentlicht von Akif Sahin

Akif Sahin - Autor, Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

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