Wie geht Ihr mit unverlangt zugesandten Dingen um? Macht Ihr dafür Werbung? Ein kleiner Input von meiner Seite.

Als (Nischen-)Blogger hat man es manchmal wirklich schwer. Ich bin zum Beispiel ein begeisterter Leser. Ich frage immer wieder in Fachverlagen nach Büchern, die man rezensieren könnte. Manchmal schreibe ich auch direkt wegen eines bestimmten Titels an, weil mich der Inhalt brennend interessiert. Die Bücher werden meist ohne Widerworte von den Verlagen zugesendet. Manchmal bekomme ich sie sogar ohne Anforderung zugesandt, weil man mich meint zu kennen und mir ein Buch unbedingt empfehlen möchte. Ich lese dann meistens die Bücher mit viel Elan und Spaß durch. Wenn mich der Inhalt überzeugt, dann gibt es auch eine positive Rezension dazu. Bei nicht gefallen habe ich es mir angewöhnt nicht mehr die Welt mit einer negativen Meinung zu erhellen – es sei denn, es muss unbedingt sein.

Von solchen „Geschenken“ können einige Journalisten-Kollegen mittlerweile leben. Als hauptberuflicher „Rezensent“ überlegen sie sich eine Antwort auf die Frage, ob es sich überhaupt lohnt ein neu erschienenes Buch zu lesen. Beliebte Texte dieser Art finden sich auf Portalen wie Perlentaucher.de. Die bezahlten, journalistisch aufbereiteten, Texte dann eher bei Spiegel Online oder – ziemlich begehrt – beim Deutschlandfunk. Ich selbst mag die Sendung „Andruck“ auf dem letztgenannten Radio-Sender. Die Beiträge sind interessant und geben immer wieder gute Ideen für neue Bücher, die man sich unbedingt zulegen sollte. Doch Bücher sind bei weitem nicht die einzigen Dinge, die man als Blogger zugeschickt bekommt.

Geschenke, die einem das Studium finanzieren können

Frauen haben es da in diesem Bereich irgendwie gefühlt etwas leichter. Einige Bekannte verdienen sich ihre besonderen „Geschenke“ mit Modeblogs. Teilweise ist die Reichweite dieser Blogs so enorm, dass sogar namhafte Designer den Girls ihre Waren zuschicken, nur damit diese in ihrem Blog darüber berichten. Eine hat sich so ihr privates Modedesign-Studium finanziert. Sie hat einfach mal ein paar Kleider, für die sie früher geworben hat, aussortiert und über Ebay vertickt. Das Resultat war eine Summe, mit der sie ihre kompletten Studiengebühren bezahlen konnte. Das Blog hat sie übrigens nach dem Studium aufgegeben. Teilweise auch deshalb, weil sie sich mit der Arbeit für den Blog überfordert hielt. Sie entwirft jetzt Kleider für ein namhaftes Label in Berlin.

Wenn aber einer wie ich bloggt, dann bekommt er auch Post der falschen Sorte. So lag bei mir letztens im Briefkasten – neben den ganzen Drohbriefen, an die ich mich längst gewöhnt habe – auch ein kleines Paket von einem merkwürdig arabisch klingenden Label. Darin war ein nett formulierter Brief, der mich bat, dass T-Shirt in dem Paket doch gerne zu tragen und dafür auf meinem Blog oder sozialen Medien Werbung zu machen. Das Problem war nur: Die Größe des T-Shirts war M. Ich trage XXL. Und trotz des nett formulierten Briefes und auch wenn es die richtige Größe gewesen wäre, ich hätte es dennoch nicht getragen. Nicht weil mir das Label irgendwie unsympathisch war, oder mir das T-Shirt nicht gefallen hat. Der Aufdruck ist schon schön gewesen, die Ware auch noch in der Türkei produziert worden.

Werbung für eine Firma ist immer problematisch

Ich halte nur von solchen Gefallen für ein Werbegeschenk nichts. Ich kann nicht objektiv genug beurteilen was für eine Firma dahinter steckt. Ich kann auch nicht wissen, was die Firma morgen in ihr Sortiment aufnimmt und ob auch wirklich alles mit rechten Dingen läuft. Bei einem Missverhältnis der Firma gegenüber Kunden, könnte das auch auf mich zurückfallen. Ich hab ja schließlich dafür geworben. (In solchen Momenten fällt mir immer wieder Rudi Völler mit seinem Spruch „Wechseln is’n Klax mit TelDaFax“ ein.)

Daher sind mir Bücher auch lieber. Ich rezensiere, wenn überhaupt, das Werk, den Inhalt und die Leistung des Autors, anhand des vorliegenden Buches. Wenn ich den Autor gut kenne, dann noch vielleicht im Vergleich mit früheren oder anderen Werken. Da kann man kaum etwas falsch machen. Man liefert höchstens eine halbfertige Arbeit ab, die selbst als Rezension nicht taugt. Aber ganz ehrlich: Bei vielen der gelesenen Werke bin ich schon froh, nicht den Ladenpreis gezahlt zu haben. Vieles hat mich enttäuscht. Es heißt ja nicht umsonst „Leidenschaft“.

Übrigens: Geschenke bleiben größtenteils immer noch die Ausnahme. Viele Blogger-Freunde haben, obwohl sie seit Jahren was regelmäßig schreiben, kaum etwas geschenkt bekommen. Im Gegenteil.

Veröffentlicht von Akif Sahin

Akif Sahin - Autor, Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

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