Muslimisches Forum Deutschland gegründet

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4. April 2017

Auf  Initiative der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) wurde das „Muslimische Forum Deutschland“ gegründet. Dies gab die KAS am heutigen Mittwoch (22.04.2015) in Berlin bekannt. Zu den Erstunterzeichnern gehören bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die man zum größten Teil durchaus als „fundamentalistisch-liberal“ bezeichnen kann. Doch die Zusammensetzung des Forums wirft Fragen auf und die veröffentlichte Gründungserklärung enttäuscht mehr, als sie begeistert. Der Name für das Forum ist bereits sehr unglücklich gewählt.

Dies macht sich schon in der Zusammensetzung des Forums bemerkbar. Von einem „muslimischen“ Forum erwartet man, dass er aus Teilnehmern besteht, die sich selbst als Muslime sehen. So sind aber auch Yeziden und Christen in dem Forum vertreten, was gleich daran zweifeln lässt, ob hier wirklich muslimische Interessen vertreten werden sollen. Dazu kommt, dass einige der Erstunterzeichner durchaus in der Vergangenheit mit islamfeindlichen Ressentiments in Erscheinung getreten sind. Ein Gründungsfehler, der dieses Gremium bereits von Anfang an unattraktiv macht.

Islamfeinde mit an Bord

Es bleibt mir daher ein Rätsel warum sich gerade muslimische Professoren, wie Mouhanad Khorchide (Universität Münster) oder Erdal Toprakyaran (Universität Tübingen) mit diesen Leuten zusammentun. Diskurs und Gespräche hin oder her – die Herren Professoren sollten dort eine Grenze ziehen, wo sie mit Menschen zusammenarbeiten sollen die menschen- und muslimverachtende Positionen vertreten haben. Man wertet solche Persönlichkeiten zudem nur auf und macht sie gesellschaftsfähig, wenn man als „muslimische“ Professoren mit ihnen zusammenarbeitet.

Gleichzeitig sehe ich ein Problem mit der Ausübung der privaten Arbeit und der Wahrnehmung von Vertretungstätigkeiten in diesem Forum. So sehe ich es beispielsweise als problematisch an, wenn ein Journalist des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks (ZDF) einerseits die Rolle des Sprechers des Forums übernimmt, andererseits aber jede Woche unvoreingenommen und objektiv über das muslimische Gesellschaftsleben berichten soll. Abdul Ahmad Raschids Engagement für liberale Themen in allen Ehren. Dann sollte er aber die Arbeit beim Forum am Freitag ruhen lassen, solange er Sprecher ist. Ansonsten muss er sich womöglich den Vorwurf gefallen lassen, interessenorientiert in der Vergangenheit wie auch in der Zukunft, seine Arbeit verrichtet zu haben, um Teilnehmern des neuen Forums eine Bühne zu bieten.

Weitere Interessenkonflikte vorprogrammiert

Auch stelle ich mir die Frage, ob es nicht zu weiteren Interessenkonflikten kommen kann. Sicherlich sind die Personen im Forum allesamt „nur privat“ dort engagiert. Sie haben aber Arbeitgeber. Was ist wenn diese, wie beispielsweise das LKA im Fall von Marwan Abou Taam, Einfluss auf die Arbeit des Forums nehmen wollen? Ist es zudem überhaupt möglich Ansichten zu vertreten, die den Ansichten der Arbeitgeber widersprechen? Zum Beispiel in Fragen zu dem Thema Extremismus? Oder in theologischen Fragen?

So stellt sich auch im Fall von Khorchide und Toprakyaran die Frage, ob sie mit ihrem Engagement nicht eine neue existenzielle Frage für die weiterhin im Bau befindliche Islamische Theologie an den Universitäten aufwerfen. Geht das überhaupt Professor einer bekenntnisorientierten Fachrichtung zu sein und zugleich sich in einem Forum zu engagieren, dass dies in Frage stellt? Wirkt sich das beispielsweise auch auf den Streit zwischen Khorchide und KRM aus? Ist dieser überhaupt geklärt, oder wird man jetzt neue Streitpunkte haben? Hat man den Beirat in Münster einberufen? Wie stehen die Verbände zu einem Engagement in einem Gremium, dass eindeutig gegen sie ein neues Gewicht darstellen möchte? Dies alles sind Fragen, die offen stehen.

Mehr Rohrkrepierer als Sprachrohr

Und sie werden kaum abschließend bewertet werden können. Denn die Dinge werden meist in den Hinterzimmern geklärt . Auch beim „Muslimischen Forum Deutschland“. Wenn man den großen Verbänden eines vorwerfen kann, dann ist es ihre Intransparenz. Die Gründung des neuen Forums erfolgte aber auf die gleiche Art und Weise, die so oft kritisiert wird. Ich hätte mir gewünscht bei der Gründung dabei gewesen zu sein, und nicht erst über eine Pressemitteilung darüber zu erfahren. Dies zeigt die Ambitionen eines solchen Gremiums sehr gut.

Sie will Sprachrohr für die schweigende Mehrheit sein, bindet sie aber – wie die Verbände – auch nicht ein. Sie gründet sich einfach und behauptet das zu sein, was sie nicht ist. Die KAS hätte sich meines Erachtens die Mühe sparen können. Denn so wirkt das Ganze wie der verzweifelte Versuch mit aller Macht einen liberalen Verband in Deutschland gründen zu wollen. Teile der CDU und der CSU haben an diesem Projekt schon seit Jahren gearbeitet und vermutlich auch hier mit Denkanstöße für das KAS-Projekt geliefert. Doch genau deswegen wird das Projekt versagen, wie auch andere Projekte vorher. Ein staatlich oder politisch verordneter liberaler Islam kann nicht funktionieren – schon gar nicht in dieser Zusammensetzung.

Diskussionen über das Forum werden scheinheilig geführt

Insofern habe ich die Debatten zur Gründung mit Interesse verfolgt. Ich selbst konnte mich nicht beteiligen und habe auch nicht vor an diesen Debatten wirklich mitzuwirken. Ich bin der Meinung jeder und jede Organisation in diesem Land sollte gründen wonach ihm ist. Ich selbst werde bestimmt irgendwann den „Club der liberalen Anti-Christen“ gründen. Insofern sehe ich die Gründung heute unproblematisch.

Allerdings kann ich die wütenden und empörten Reaktionen am heutigen Tag auch nicht immer wirklich ernst nehmen. Einige scheinen nur eingeschnappt zu sein, weil sie nicht ein solches Gremium selbst gründen konnten. Und täuschen darf man sich über manche der Kritiker auch nicht. Viele, die heute wild die KAS kritisieren, waren selbst in der Vergangenheit Gäste der KAS. Sie haben ihre Bilder von Veranstaltungen auch gerne herumgereicht. Jetzt wurden sie wohl bei diesem Projekt nur übergangen.

Ich jedenfalls gebe dem neuen Forum für die Zukunft keine echte Chance. Es mag zwar viele namhafte Namen aufführen, aber es fehlt an einer echten Perspektive und an einer soliden Basis. Diese hätte man haben können. Dafür hätte man sich allerdings davon lösen müssen ein Wurmfortsatz nicht zu Ende gedachter Euro-Islam-Ideen aus den Reihen der CDU/CSU zu sein. So ist man nur ein Konstrukt von Interessen. Schade, das einige dafür ihren Namen und ihre Reputation hergeben.

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