Uniday 2014 – nicht mehr ansprechend

Mit zwei Bussen reisten Jugendliche, Abiturienten, Studenten und Akademiker aus Hamburg am Samstag (26. April 2014) nach Bielefeld. Unser Ziel war klar: Der Uniday der Studentenabteilung der IGMG-Jugendorganisation. Nach 2007, 2009 und 2011 sollte es der vierte Uniday in dieser Form sein, den ich besuchen würde. Zuvor war ich Ende der 90er Jahre, als es noch die “Studentenorganisation” innerhalb der IGMG gab, nach Hagen gereist, um am “Studententag” der IGMG teilzunehmen. Es waren andere Zeiten. Doch alle Studententage vergangener Tage hatten eines gemeinsam: Sie haben die hier in Europa lebenden und aktiven Muslime aus dem Bereich der Akademiker, Studenten und Gymnasiasten intellektuell stark angesprochen.

Das Programm selbst konnte ich nicht so sehr verfolgen. Ich musste arbeiten. Mein Arbeitgeber hatte mich gebeten an einem Stand das Webprojekt für das ich als Redakteur tätig bin vorzustellen und interessierte Personen über unsere Arbeit zu informieren. Hin und wieder gelang es aber kurzfristig meinen Platz zu verlassen und dann doch ein paar Eindrücke zu sammeln.

Darüber hinaus haben wir untereinander, vor allem Jugendliche aus Hamburg auch uns über unsere Eindrücke ausgetauscht. Entstanden sind insgesamt folgende Eindrücke:

1. Die Uniday-Organisatoren haben ihre Helfer vor Ort nicht ausreichend informiert und vorbereitet. Konkret wurden Personen, die als VIP’s galten oder aber selbst als Helfer aktiv waren, drangsaliert und unüblich mies behandelt. Personen die Fotografieren durften wurden eingeschränkt. Personen die vorne sitzen sollten, wurden ohne auf die Ausweise zu gucken zu hinteren Plätzen geschickt. Personen, die gar nicht kontrolliert werden sollten, wurden kontrolliert.

Und die Kontrolle an sich ließ zu wünschen übrig. In einem Fall schaffte es ein Jugendlicher sogar sein Taschenmesser an der Kontrolle vorbeizubringen. Da frage ich mich, warum die Leute an der Tür so viel Blödsinn mitmachen mussten, wenn die Kontrollen so lasch waren und Gefahren nicht wirklich gefunden wurden.

2. Der Vortrag des zuständigen Herren für das Amt für Auslandstürken stieß auf kein Gefallen. Viele Leute verließen den Saal während der Rede. Einige fragten sich auch zu Recht, ob das wirklich jetzt zum Uniday dazu gehören muss.

3. Prof. Dr. Feridun Yilmaz war ein Fehlgriff. Der Wirtschaftswissenschaftler hat auf einem zu hohen Niveau über ein philosophisches Thema gesprochen. Hinzu kam seine stimmliche Tonlage, die bereits nach Aussagen zahlreicher Personen, nach fünf Minuten zum Einschlafen einlud. Auch hier konnte man unten sehr schön sehen, wie die Leute aus dem Saal quasi flüchteten.

4. Incesaz fand zwar gefallen, aber einige fragten, vielleicht auch nicht zu Unrecht, ob es nicht eine andere Gruppierung gibt, die man einladen könnte. Nach mehreren Auftritten bei den letzten Veranstaltungen verliert auch diese Gruppe langsam ihren Reiz.

5. Der Moderator Bekir Develi war aus der Sicht von fast allen sehr gut!

6. Ebrahim Rasool hat einen sehr wichtigen und verständlichen Vortrag gehalten, obwohl es in englischer Sprache war. Viele Jugendliche und Teilnehmer haben den Vortrag als inspirierend und motivierend bezeichnet. (Der Vortrag ist auf meinem Soundcloud nachhörbar)

7. Die Ansprache von Taner Dogan war leblos. Ungewöhnlich war jedoch, laut Aussagen vieler, dass der Vorsitzende der IGMG, Kemal Ergün bei seinem Vortrag mehrmals Fehler gemacht hat. Der Vortrag von Ismail Karadöl während der Preisverleihung war deplatziert. Karadöl hätte diesen ausführlicher und am Pult halten müssen. So wurde auch die Frage laut, ob es ein Problem zwischen Jugendorganisation und der Studentenabteilung gäbe.

8. Die ausgezeichneten Regionalverbände sind auf jeden Fall gute Verbände, aber auf gar keinen Fall können diese Siege verdient gewesen sein. Allein aus der Leistungsperspektive ergibt es keinen Sinn, warum gerade diese drei Regionalverbände ausgezeichnet wurden.

9. Auf der Bühne wurde immer wieder behauptet 3.000 Personen seien beim Uniday. Diese Zahl ist Humbug. Der Saal fasst in einer Reihenbestuhlung gerade einmal maximal 2.200 Personen. Wenn man hier dann auch noch berücksichtigt, dass einige Plätze, besonders in den oberen Rängen leer geblieben sind, dann fragt man sich schon, woher die Zahl 3.000 stammt. Man sollte ehrlicher mit den Zahlen sein und umgehen. Ich gehe mal davon aus, dass in diesem Jahr die Zahl bei 2.100 lag.

Neben diesen Kritiken die aufgefallen sind, fehlt es dem Uniday mittlerweile an einem gewissen Reiz. Das Entscheidende für viele IGMGler ist, dass sie ihre alten Freunde und Bekannten wiedersehen können. Dafür braucht man aber keinen Uniday – es würde ein Picknick auch reichen.

Langsam aber sicher muss man sich über die Qualität der Veranstaltung Gedanken machen. Redner sollten sorgfältiger ausgesucht werden und es braucht bei solchen Veranstaltungen auch anziehende Angebote. Dazu kommt, dass sich mehr Regionalverbände (und nicht nur einer) mit ihren Angeboten auf einem eigenen Stand vorstellen sollten. Dazu gehört auch, dass es einen interessanten und anregenden musikalischen Beitrag geben sollte, der nicht schon mehrmals dabei war und der Hörerschaft vielleicht auch teilweise unbekannt ist.

Vielleicht sollte man sich aber auch ein Vorbild an Hamburg nehmen. Hier haben auf dem StudyDay im Jahr 2013 Studenten und Akademiker bei der Veranstaltung der Islamischen Hochschulgemeinde ihre Disziplinen und Fachbereiche vorgestellt für das interessierte Publikum. Das war wichtiger als der trotzdem beeindruckende Vortrag von Frau Merve Kavakci.

Falls man sich fragen sollte, warum ich diese Kritik dieses mal auf meinem privaten Blog veröffentliche, dann sei dazu auch noch gesagt:

– Die Organisatoren lesen hier mit.

– Sämtliche Kritik, die ich bisher in schriftlicher Form (Umfragen der Uniday-Organisatoren) und in mündlicher Form (persönliche Gespräche) abgegeben habe, wurden nicht berücksichtigt. Man beschwichtigt, man nimmt das Gesagte und gut gemeinte nicht ernst.

– Ich vermisse tatsächlich eine gewisse Kritikfähigkeit und ein offenes Ohr für konstruktive Vorschläge. Da muss man jetzt auch mit öffentlicher Kritik leben. Vielleicht ändert sich ja beim nächsten Mal endlich etwas, oder aber (und das wäre wirklich schade) die Veranstaltung wird noch weniger besucht, als dieses mal.

Veröffentlicht von Akif Sahin

Akif Sahin - Autor, Blogger und Islam-Experte. inspiriert durch Vielfalt.

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