Schwimmunterricht für Kinder – Verkehrung der Tatsachen!

Gestern wurde wieder mal von einem Gericht ein Urteil gefällt, dass gleich all die aufblitzen ließ, die sich schon immer daran gestört haben, dass Muslime angeblich nicht wollen, dass ihre Kinder schwimmen lernen. Schaut man sich jedoch die Debatte genauer an, merkt man wie scheinheilig all die Argumente wirken, wenn man den Menschen mal die Probleme beim Schwimmunterricht vorhält.

Ich möchte hier ausführen, warum ich generell, und da werden mir viele zustimmen, nicht nur als Muslim sondern als vernünftig denkender Mensch, mir einen nach Geschlechtern getrennten Schwimmunterricht wünsche.

Dazu machen wir mal einen kleinen Abstecher in meine eigene Vergangenheit.

In der 4. Klasse war als Pflichtfach das Schwimmen eingetragen. Zu diesem Zeitpunkt war ich genau 9 Jahre alt. Weder mein Vater, noch meine Mutter, noch meine Geschwister, haben je einen Antrag darauf gestellt, dass ich vom Schwimmunterricht befreit werde.

Auch meine Mitschülerinnen im Problemstadtteil Wilhelmsburg, zahlreiche Musliminnen, wurden nicht von diesem Unterricht abgemeldet, obwohl es schon die Möglichkeit dazu gab. Zahlreich haben die Eltern immer wieder gesagt: “Unsere Kinder sollen ordentlich Schwimmen lernen. Sie sind ja noch jung, da macht es nichts, wenn sie gemischt unterrichtet werden.”

In der 9 Klasse des Gymnasiums, wurde uns wieder Schwimmunterricht, zwangsweise, erteilt. Mein Vater machte auch hier keine Anstalten mich vom Unterricht abzumelden. Meine Mutter hatte zwar bedenken, aber sie ließen es einfach sein.

Eine Mitschülerin von mir, die erst seit einem knappen Jahr das islamisch korrekte und vorgeschriebene Kopftuch trug, stellte einen Antrag zur Befreiung vom Unterricht. Dieser wurde gewährt. Allerdings sollte sie am Unterricht teilnehmen, und einfach neben dem Beckenrand ausharren.

Dies tat sie dann auch, wobei man sagen muss, dass das nicht unbedingt das war, was sie sich gewünscht hat.Sie hatte aber meistens ein Buch dabei und schaute einfach weg.

Nun kommen wir aber mal zu dem was eigentlich ein Grund sein sollte, den Schwimmunterricht an Schulen getrennt zu veranstalten.

Zahlreiche Mädchen, insbesondere die Molligen unter ihnen, hatten Probleme damit, dass die Jungs in der Klasse sich über ihre Figur, ihr Aussehen und etc. lustig machten. Mehrere Mädchen wurden selbst nach dem Unterricht darauf angesprochen, und in den Pausen ausgelacht. Das zehrte an den Nerven und war ein zusätzlicher Faktor sich ausgeschlossen zu fühlen.

Meine Klassenkameradin Agnieszka sah sich aufgrund dieser zahlreichen Angriffe sogar dazu gezwungen die Schule endgültig zu verlassen. Kurz vorher hatte sie mit einer regelrechten Bulimie-Diät auch schon 20 Kg innerhalb eines Jahres verloren.

Ein anderer Faktor war, dass die Mädchen beim Schwimmunterricht zahlreich von den Jungs belästigt wurden. Belästigung in sexueller Form ist damit nicht gemeint, keine Angst. Es geht hier vielmehr darum, dass Jungs körperlich besser in der Lage waren, sich im Wasser zu bewegen. Wasser ins Gesicht zu schlagen und auch mal die Klassenkameradin wie auch die Jungs unter Wasser zu ziehen, oder zu drücken, gehörten dazu.

Oftmals kam hinzu, dass ein Mädchen, dass Springen wollte vom 3-Meter-Brett dafür von allen Jungs ausgebuht wurde, und zudem man ihr immer hinterher schrie, dass sie ja gar nicht erst hochsteigen solle…

Und wenn sie dann ins Wasser sprang, dann machte man sich lustig, über angebliche Arschbomben und Gesichtsplatscher.

Aus diesen Gründen würde ich schon so spontan dafür plädieren, dass ein Schwimmunterricht immer getrennt stattfindet. Dies nimmt einerseits den Jungs den Wind aus den Flügeln sich so aufzuführen als seien sie die Könige der Welt, und gibt den Mädchen die Möglichkeit sich wirklich frei zu entfalten, ohne Druck aufgrund der Figur, dem Aussehen, oder der Angst.

Mädchen unter sich lernen zudem, wenn man sich Studien zu diesem Thema anschaut, auch besser Schwimmen.

Der Vorwurf an Muslime, sie würden sich ausgrenzen wollen, ist schon aus Prinzip nicht haltbar. Diesen Menschen kann ich immer wieder nur vorhalten: “Warum trennt ihr dann bei euch die Umkleideräume? Warum kämpfen bei Olympia Männer und Frauen getrennt und nicht gegeneinander?”

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch auf meine Erfahrungen die ich in der 10. Klasse gemacht habe zurückgreifen. Damals hatte ich gerade die Schule gewechselt und war wieder zum Schwimmunterricht bestellt worden.

Unsere Klasse bestand aus einem gemischten Haufen und wir hatten eine Mitschülerin die der Sekte der Ahmadiyya angehörte. Sie hatte schon damals die Erlaubnis bekommen, mit Kleidern und etc. zu schwimmen, um ihre Reize zu verdecken.

Genau jene Person konnte aber nicht davon ablassen die Jungs anzustarren, wenn sie mit ihren kleinen, engen Shorts an ihr vorbeiliefen, und schließlich setzte sie sich für einen getrennten Unterricht ein. Unterstützung fand sie nicht etwa bei den Jungs und Muslimen, sondern nur bei Frauen, die es satt hatten von den Jungs belästigt, unterdrückt und ausgelacht zu werden.

Der Unterricht wurde aufgeteilt, und die Damen machten erhebliche Fortschritte. Einige konnten sogar ein Goldabzeichen für Damen gewinnen.

Der oftmals angeblich hohe Organisationsaufwand war in diesem Fall aber überhaupt nicht wirklich. Alles was man braucht ist eine Bademeisterin und eine Sportlehrerin für den Schwimmunterricht. Fertig.

Dieser organisatorische Aufwand ist durchweg machbar, aber zahlreiche Schulen richten sich dagegen, weil man sich diese kleine Mühe nicht machen will.

Ein anderer Fall der heute für mich eine wichtige Rolle spielt, ist die Tatsache, dass im Wilhelmsburger Schwimmbad ein Frauentag eingerichtet wurde. Dieser wurde nicht in erster Linie von Musliminnen genutzt, sondern von all den Damen, die sich beim Schwimmen von Männern belästigt fühlten. Die Initiative für diesen Frauentag stammt auch von einem areligiösen Frauenverein.

Was ich sagen will ist, es mag sein, dass ein Gericht so Urteilt wie gestern, aber in der Sache ist doch ein getrennter Schwimmunterricht genauso nützlich wie ein Chemie- und Biologieunterricht der in der 7. Klasse des Gymnasiums nach Geschlechtern getrennt wird, um die Mädchen und Frauen für diese Naturwissenschaften besser begeistern zu können.

Vielleicht wachen ja all die Lehrer und Schulleiter endlich auf, und merken, dass solche Unterrichte, in bestimmten Grenzen, durchaus Sinn machen. Auf der anderen Seite sollten sie aber so vorausschauend sein und vernünftig handeln, wenn etwas durchaus zu weit geht.

Es geht hier nicht um die Islamisierung im Land, wie es einige Poltergeister immer wieder herumposaunen, sondern um die Freie und Individuelle Entfaltung der Frau damit sie auch die Chancen hat, die sie verdient hat.

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