Die Beziehungen zwischen den USA, der NATO und Afghanistan werden seit Wochen harten Geduldsproben ausgesetzt. Der Mord eines US-Soldaten an 16 Afghanen hat die schon zerrütteten Verhältnisse zwischen dem Land und dem Westen erneut weiter an den Abgrund der diplomatischen Krise gebracht.
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Syrien: Wird es einen Angriff auf das Land geben?
Gerade heute saß ich eher zufällig mit einem syrischen Bruder zum Mittag-Essen und er berichtete uns über die Menschenverachtende Situation vor Ort. Er berichtete über seine eigene Familie, die Probleme des Landes und was er von der ganzen Geschichte hält. Dem entgegnete ein anderer türkischer Freund am Tisch, dass er sich keine Sorgen machen brauche, da ja die Türkei bald einmarschieren dürfte.
Tatsächlich gibt es immer wieder diese Spekulationen. Ein Einmarsch in Syrien. Mal von der Türkei, mal von der NATO erwartet.
Aus meiner Sicht wird es so etwas allerdings nicht geben. Denn egal ob das menschenverachtende System in Syrien weiterhin Bestand haben sollte oder nicht, und egal ob Baschar al Assad an der Macht bleibt oder nicht, Syrien darf man nicht isoliert betrachten.
Der Syrien-Konflikt ist auch ein Glaubenskonflikt
Der Konflikt der sich vor Ort abspielt ist sicherlich ein Glaubenskonflikt. Es geht um die Vormacht der Minderheit der Alawiten gegenüber den Sunniten. Baschar Al Assad, der zur Baath selbst gehört, ist somit in seinen Handlungen immer nur ein Handlanger einer abgewandelten Form des Schiismus.
Dieser Glaubenskrieg bedeutet von Anfang an bereits, dass im Konflikt um Syrien auch der Iran mit von der Partie ist. Wenn man diese Beziehungen versteht und weiter ausführt, dass neben dem Iran, China und Russland somit an der Seite von Syrien stehen, dann wird einem klar, dass es hier international gar nicht um Syrien geht, sondern erneut um einen Ost-West-Kampf.
Die westlichen Staaten, mit der Türkei und Israel zusammen agieren gegen Syrien und den Iran.
Diese Konstellation hat es schon einmal im letzten Jahrzehnt gegeben. So konnten wir während des Irak-Krieges sehr häufig hören und beobachten, dass nach dem Sturz von Saddam Hussein darüber spekuliert worden ist, ob die USA als nächstes in den Iran einmarschieren. George W. Bush hatte die Bevölkerung bereits auf einen solchen Einmarsch vorbereitet in dem er in seiner Rhetorik immer wieder über die “Achse des Bösen” sprach und damit unter anderem den Iran meinte.
Auch damals gab es eine Vielzahl an Spekulationen über Syrien. Nach dem Tod von Hafiz Esad hat Baschar al Assad die Kontrolle übernommen und wurde quasi mit dem diplomatischen Knüppel auf Linie gebracht. Es waren am Ende die westlichen Staaten die dem heutigen Intimfeind damals noch die Hand reichten und ihn dazu zwangen, dass zu tun, was sie wollten.
In den vergangenen Jahren hat dieser Einfluss des Westens aber abgenommen. Jetzt geht man erneut mit dem diplomatischen Knüppel gegen Syrien vor und gleichzeitig wird der Iran angefeindet.
Ich bin Realist. Ich gehe nicht davon aus, dass es einen Einmarsch in Syrien geben wird, bevor nicht der Iran angegriffen wird. Diesen Angriff forciert zum gegenwärtigen Zeitpunkt eigentlich zwar Niemand, aber bei einem möglichen Angriff Israels (der ja weiterhin im Raum steht) müsste sich zumindest Deutschland in den Konflikt einschalten.
In Syrien hingegen wird es nicht zu einer Änderung kommen, wenn die Oppositionsbewegung nicht weiter macht. Assad versteht es in diesem Punkt die Fehler seiner in der Region verschwundenen Despoten-Kameraden zu erkennen und sie nicht zu wiederholen. Er lässt durch seine Unterdrückungsstrategie nicht zu, dass der Aufstand auf die gesamte Bevölkerung übertragen wird.
In diesem Sinne bleibt dem Westen eigentlich nichts anderes übrig als die Aufständischen über inoffizielle Kanäle zu bewaffnen. Denn der friedliche Protest wird in Syrien nicht fruchten.
Am Ende kann man sich dieser Bewertung der Lage nicht entziehen. Deutliche Hinweise auf eine weiterhin diplomatische Lösung findet sich zum Beispiel auch bei Beratern des türkischen Ministerpräsidenten. Der Stellvertretende Ministerpräsident und Abgeordnete Bülent Arinc erklärte erst heute, dass die Türkei in keinem Fall in Syrien einmarschieren wird und dass man eine Einmischung von Außen auch nicht erlauben wird.
Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass sich die Türkei bereits seit Wochen im psychologischen Krieg mit Syrien befindet, sind solche Worte sehr wichtig. Sie zeigen die Geo-Politik, die angestrebt wird. Syrien wird definitiv mit dem diplomatischen Knüppel auf Spur gebracht werden.