Archiv für den Autor: Akif Sahin

Über Akif Sahin

Kennt sich aus mit den Themen Internet, Islam, Medien und Politik. Schießt für sein leben gerne Fotos und bearbeitet sie anschließend am Bildschirm. Ist seit Jahren in der muslimischen Jugend- und Studentenarbeit aktiv. Mehr über den Autor gibt es hier

Maher Zain

Maher Zain

Gestern in Belgien…
lief mir Maher Zain über den Weg… Der schwedische R&B Singer und Songwriter war anlässlich der Jahreskonferenz der IGMG im belgischen Hasselt… Er hat eine gute Show abgeliefert… Da war ich aber schon wieder auf dem Rückweg nach Deutschland…

Fremdgehen: Zwischen Moral und Moralität

In einem kleinen Café in Altona sitzen ein Freund und ich am Tisch. Ich schlürfe meinen Cappucino nur so runter, während er etwas verbittert dreinblickt. Ich frage ihn was los ist und er rührt nur weiter stochernd an seinem Kaffee.

Er ist nicht so gesprächig, und braucht immer mal wieder Zeit um sich zu öffnen. Ich bin das gewohnt, wir kennen uns ja nun schon länger. Doch diesmal ist irgendwie etwas anders. In seinen Augen gläntz es nicht wie sonst. Er ist durch den Wind, und hat was auf dem Herzen. Irgendwann rückt er mit der Sprache raus.

Mein Freund ist fremdgegangen. Er hat seine Freundin betrogen, während sie bei einer Tagung für ein paar Tage im Ausland unterwegs war. Was ihm in dem Moment noch wie eine nicht so schlimme Sache erschien, belastet ihn derzeit mehr als sonst. Er will es ihr sagen, weiß aber nicht wie und fürchtet sich auch vor den Konsequenzen.

Männer sind Schweine

Als mich mal meine Frau gefragt hat, ob wirklich alle Männer fremdgehen, habe ich ja gesagt. Sie schaute mir damals tief in die Augen und musterte mich und fragte erneut: “Alle?”

Die Wahrheit ist, gib einem Mann die Chance dazu, und er geht fremd. Da kann selbst der frömmste Frömmler kommen, tatsächlich ist die fleischliche Lust eines der größten Schwächen von Männern.

Also antwortete ich: “Ja, Alle!”

Warum geht man fremd?

Die Gründe sind unterschiedlich. Mal ist es die Lust auf ein Abenteuer, mal eine unglückliche Beziehung, mal aber auch eine Abwechslung für die Person. Tatsächlich wird zwar moralisch immer angeprangert, dass Fremdgehen etwas schlimmes sei, in den Statistiken zeigt sich aber, dass jeder zweite Mann und jede zweite Frau schon einmal fremdgegangen ist. Dabei ist jedoch nicht abschließend geklärt, ob das auch wirklich Sex mit einem anderen als den eigentlichen Partner einschließt.

Interessant ist jedoch, dass die Studien, die es zum Thema gibt, zeigen, dass eine Vielzahl von Personen die fremdgehen, ihren Partner eigentlich lieben. Die letzte Focus-Studie aus dem Jahr 2008 zeigt sogar, dass von 2.600 befragten Fremdgehern, 80% angaben, sie würden ihren Partner lieben.

Hier zeigt sich dann auch das fatale. Man liebt den Partner, und tut trotzdem etwas dämliches, was die eigene Beziehung kaputt machen könnte.

Beichten oder nicht?

Ich bin kein Freund der Lüge. Wenn man einen Fehler gemacht hat, dann sollte man auch dazu stehen und sich darum bemühen diesen Fehler auszumerzen. Doch wie ist das eigentlich mit dem Fremdgehen?

Das Problem hier ist, dass die Studien zeigen, dass Fremdgehen oft eine Sache von Wiederholungstätern ist. Wer einmal fremdgegangen ist, der wird das, rein statistisch gesehen, wieder tun. So sieht das auch ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland. Anders ist es jedoch auch mit der Wahrnehmung. Es gibt dann urban legends, die versuchen mit Pseudo-Wissen auch solche unmoralischen Handlungen zu rechtfertigen. So ist es weit verbreitet zu behaupten “Ein Seitensprung kann eine Ehe retten.”

Das ist erwiesenermaßen Schwachsinn, wird aber immer wieder tatsächlich auch als Argument aufgeführt. Beichten ist jedoch oft auch der Grund warum dann eine Beziehung scheitert. Man muss davon ausgehen, dass auch das gestörte Vertrauensverhältnis eine Beziehung dauerhaft beschädigen kann. Oftmals hilft in solchen Fällen nur, und das geht auch nur dann, wenn dier Partner in der Beziehung dazu bereit sind, eine Therapie. Therapeuten haben immer wieder solche Fälle und die Tendenz ist steigend.

Serien geben einen Anreiz

Das liegt mitunter an neuen Voraussetzungen. Dank des Internets, dank der Serien und Filme, aber auch der sexuellen Aufklärung ist heute ein Seitensprung kein Ding der Organisation, sondern der Verfügbarkeit. Es gibt sogar separate Geschäftsbereiche von Firmen, die sich diesem Thema widmen. Nachts werden Filme gezeigt und in der Werbung für Seitensprünge und Seiten wo man Bekanntschaften für Seitensprüngen machen kann, eingeblendet.

In einer solchen Umgebung nicht einen Anreiz zu haben sich wenigstens Gedanken über einen möglichen Seitensprung zu machen, ist quasi unmöglich.

Zurück zum Freund

In der Lage habe ich ihm gesagt, was ihm jetzt droht. Es wäre besser zu beichten. Seine Freundin ist keine Person, die schwach ist. Im Gegenteil, in der Beziehung hat sie das sagen. Ich hätte ein Problem gesehen wenn ich fürchtete, sie würde daran Zugrunde gehen. Auf der anderen Seite will sie es auch bestimmt wissen. Denn anders als mein Freund hat sie sich auch Pläne für die Zukunft gemacht. Und wenn man da dann dem Partner nicht vertrauen kann, dann hat das von Anfang an keinen Sinn.

Interessant war jedoch seine Begründung: Er hatte keine.

Tatsächlich können die meisten Menschen nicht wirklich sagen, warum sie fremdgegangen sind. Psychologen zeigen aber, dass es oftmals an sexuellen Problemen liegt. Oftmals ist man gegenüber dem Partner nicht in der Lage zu äußern, was man sich eigentlich wünscht. Das beste Rezept gegen Fremdgehen, so sehen es dann auch viele Psychologen, ist dann auch mal über die sexuellen Phantasien, aber auch über die Probleme zu sprechen. Ein großer Aspekt von Paar-Therapien geht genau in diese Richtung.

NSU-Prozess: Kreuz soll weg

Geht es nach dem Willen eines türkischen Politikers, der am Prozess-Auftakt gegen Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Unterstützer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) teilgenommen hat, soll das Kreuz im Gerichtssaal entfernt werden. Die Medien stürzen sich drauf, Polemiker sprechen von Muslimen, die das fördern und hilfsbereit äußern sich wieder andere Muslime in Deutschland zur Wichtigkeit des Kreuzes und warum es weiterhin hängen bleiben sollte.

Kaum wahrgenommen wird dabei, wessen Geistes Kind da eigentlich diese Forderung gestellt hat. Der Politiker Mahmut Tanal ist Mitglied der Republikanischen Volkspartei (CHP). Diese ist bis heute Schwesterpartei der SPD und maßgeblich mit einem laizistischen Selbstverständnis ausgerüstet.

Wer sich jetzt ein bisschen mit dieser Mentalität auseinandersetzt, versteht vielleicht, warum in der Türkei in den letzten Jahrzehnten auch religiöse Symbole wie das Kopftuch und religiöse Minderheiten unterdrückt worden sind. Erst langsam löst sich die Türkei von diesem schweren Erbe, während wir es in Deutschland immer noch mit Vorurteilen und auch teilweiser Unterdrückung gegenüber muslimischen Symbolen und der Religiösität von Muslimen zu tun haben.

Vielleicht fragt man sich beim nächsten Mal ob man wirklich eine Neutralität für Alle fordert (Laizismus) oder eben doch eine religiöse und pluralistische Gesellschaft anerkennt und ihre religiösen Symbole duldet und akzeptiert. Die Empörung über den türkischen Politiker ist zu Recht groß, unsere Empörung über Kopftuchverbote für Lehrerinnen in Deutschland ist aber ebenso richtig und genauso groß.

Samsung Galaxy S4

Eigentlich bin ich mit meinem iPhone 4S zufrieden gewesen. Aber privat hat es mich schon seit einiger Zeit etwas mehr in Richtung Android-Handy gezogen. Ich verkniff mir aber den Kauf und kam jetzt über meinen neuen Arbeitgeber zu meinem neuen Smartphone. Es ist nach langem hin und her dann doch ein Samsung Galaxy S4 geworden (natürlich hatte das preisliche Gründe, dazu aber weiter unten mehr).

Das Galaxy S4 wirkt vom optischen sehr Edel. Es fühlt sich in der Hand jedoch erst einmal nicht so an. Was mich begeistert ist das Display und die sehr schöne und gut durchdachte angepasste Android Version.

Filme, Bilder und Kindle-Ebooks lesen fällt mit dem Galaxy S4 sehr leicht. Das Display hat eine sehr schöne Auflösung (HD), die mir sogar besser erscheint als auf dem Retina Display auf dem iphone 4S. Die Bedienung auf dem Display fühlt sich auch anders und irgendwie besser an. Das neue Gorilla Glas 3 scheint sehr gut zu sein, nicht nur was die Stabilität angeht, sondern auch das Nutzer-Erlebnis.

Die eingebaute Kamera liefert mit 13 Megapixeln und einer hervorragenden Software sehr gute Ergebnisse. Die Bilder wirken lebhafter und sind auch bei etwas schlechter Belichtung immer noch gut zu gebrauchen. Besonders schön: Ein HDR-Modus und die Möglichkeit mehrere Bilder hintereinander zu machen um dann das beste auszusuchen.

Die vorhandenen Apps von Samsung lassen kaum etwas vermissen. Für den durchschnittlichen User sind die meisten Dingen bereits vorinstalliert und gleich nach dem Start Einsatzbereit. Bei mir mussten natürlich facebook, twitter und google+ rauf. Zusäztlich dazu gab es noch meinen Kindle-Ebook-Reader, aber ansonsten war es das auch schon… Mehr brauchte ich nicht.

Die Bedienung ist einfach und sehr intuitiv. Das System wirkt jedenfalls sehr schnell und reagiert auch entsprechend. Bisher hielt der Akku zudem volle zwei Tage (ohne Nutzung von Internet unterwegs, sogar drei) – zum Vergleich: iPhone Akku hält maximal zwei Tage bei mir.

Das einzige was ich etwas kritisch bemängeln muss ist der Überfluss an Möglichkeiten. Samsung hat eine Menge Dinge in das Galaxy S4 als Programme eingebaut und viele Funktionen sind interessant, doch das meiste braucht man eigentlich nicht im Alltag. Beispielsweise hat die Kamera mir von Anfang an gleich 8 Funktionen angeboten, von denen einige man hätte jedoch zusammenfassen können.

Wer sein Smartphone bis in die letzten Details richtig bedienen möchte, sollte sich unbedingt die gesamte Gebrauchsanleitung durchlesen.

galaxy-s4Außer diesem Gesichtspunkt ist das Galaxy S4 ein Super-Smartphone und andere Smartphones werden sich meiner Meinung nach an diesem Gerät messen lassen müssen. Das iPhone 4S oder das iPhone 5 sind jedoch kein Gegner für das Galaxy S4. Hier zeigt sich, dass die Strategie über Android völlig aufgeht. Wer mehr auf personalisierte Dinge und mehr Spielraum Wert legt, ist bei Samsung sicher.

Mein Vertrag ist übrigens von Vodafone. Eine All-Net-Flat mit 0 € Zuzahlung für das Smartphone, dass mich jetzt jeden Monat 39,99 € kostet. Allerdings bin ich auf den Preis nicht über Vodafone selbst gestoßen, sondern über einen Reseller. Einfach mal suchen, man findet viele verschiedene Angebote zum Smartphone.

Wer besonders Wert auf ein gutes Netz legt muss natürlich zur Telekom. Da kostet der ganze Spaß aber deutlich mehr, wenn es eine All-Net-Flat werden soll.

StudyDay 2013 in Hamburg

Am 18. Mai 2013 findet im Hauptgebäude der Universität Hamburg der diesjährige StudyDay 2013 statt. Mit dieser Veranstaltung sollen vor allem junge Menschen angesprochen werden, die sich für ein Studium interessieren und auch mal hören möchten, wie so ein Studium eigentlich abläuft.

Wer Fragen hat oder sich im Allgemeinen informieren möchte, ist beim StudiDay, dass sich in diesem Jahr speziell an Migranten richtet, genau richtig. Es gibt Workshops, Infostände und Beratungen für viele verschiedene Fächer. Studenten berichten von ihrem Alltag und geben Einblick in die möglichen Herausforderungen und Probleme in den jeweiligen Fächern.

Bestehende Studenten können sich zudem durch studentische Organisationen (Asta, Auslandsstudium und Stipendienprogramme) beraten lassen oder einfach mal die Arbeit dieser kennenleren. Unter den Workshop-Verantwortlichen sind auch meine Blogger-Kollegin Kübra Gümüsay und der geschätzte Dr. Ali Özgür Özdil.

Darüber hinaus wird die renommierte Ex-Politikerin und Professorin Dr. Merve Kavakçı einen Vortrag halten. Kavakçı ist heute als Dozentin an der George Washington University und an der Howard University in DC tätig. Sie gibt vor allem Kurse im Bereich „International Relations“. Außerdem ist sie Beraterin des US-Kongresses für Fragen über die muslimische Welt und Mitglied des Editorial Advisory Board der namhaften Zeitschrift Mediterranean Quarterly. Sie zählt zu den 500 einflussreichsten Muslimen weltweit und setzte sich in jüngster Zeit für eine stärkere Rolle von Frauen in muslimischen Gesellschaften ein.

Weitere Hinweise zu den angebotenen Workshops, Infoständen und den Möglichkeiten zur Beratung kann man dem Plakat für die Veranstaltung entnehmen. Eine Veranstaltungsseite auf facebook hilft zudem auch bei persönlichen Fragen und Unklarheiten weiter.

Das Projekt StudyDay wird von der Universität Hamburg, dem Universitätskolleg und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Es geht in diesem Jahr auf die Initiative von Baki Ince zurück. Das Projekt wird von den Islamischen Hochschulgemeinden Hamburg, Kiel und Lübeck mitgetragen und steht für alle Interessierten, kostenlos und ohne Anmeldung, offen.
StudyDay 2013

FAZ: Muslime selbst schuld an NSU und Rechtsextremismus

Zu meiner Schulzeit, es war in der siebten Klasse, hatte uns unsere Lehrerin aufgetragen, eine Zeitung mitzubringen und vorzustellen. Ich entschied mich damals für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Der Hintergrund war einfach: Ich mochte das konservative Profil der Zeitung, aber vor allem, dass die Texte anders waren als in BILD, Morgenpost oder dem Hamburger Abendblatt (was ich wahrscheinlich als zweites dann doch genommen hätte).

Die FAZ war für mich das, was im Alltag immer wieder über sie gesagt wurde: Eine Qualitätszeitung mit Qualitätsjournalismus dahinter.

Doch in den letzten Jahren hat sich das konservative Profil der Zeitung weiter nach Rechts entwickelt. Immer wieder lesen wir in der FAZ Texte, die denen von Hetzern aus der NS-Zeit in Nichts nachstehen. Man vergebe mir diesen Nazi-Keulen-Vergleich, aber es ist so.

Ein aktuelles Beispiel bringt aber endgültig das Fass zum Überlaufen. Ich wollte den Text eigentlich ignorieren, weil mir der Herr und seine Worte einfach am Arsch vorbeigingen, aber irgendwie nehmen sich solche Leute den Mut für solche Texte heraus, weil sie Niemand öffentich an den Pranger stellt und kritisiert.

Der Leitartikel von Jasper von Altenbockum mit dem Titel „Islamkonferenz: Zumutungen des Rechtsstaates“ ist nichts weiter als ein Freifahrtsschein für Rassismus und Islamfeindlichkeit. Mit diesem Text wird der Mord an den NSU-Opfern relativiert und es wird indirekt den Opfern die Schuld für eine menschenverachtende Gesinnung, die zu Mord und Totschlag geführt hat, gegeben.

In dem Artikel heißt es:

Warum es aber unzulässig gewesen sein soll, Sicherheitsfragen in den Vordergrund zu stellen, wie es muslimische Verbände und die SPD jetzt und schon früher kritisierten, ist angesichts des NSU-Terrors eine recht eigenartige Perspektive. Extremismus und Terror gehören zu den Gründen, warum eine Minderheit der Muslime nicht integrationswillig ist; das wiederum ist einer der Gründe für islamfeindlichen Extremismus und Terror.

Hier werden Opfer und Täter absichtlich vertauscht und Rechtsextremismus als eine Folge von Integrationsverweigerung dargestellt. Wer ein solches Weltbild hat und angesichts der mörderischen Taten der NSU zu solchen Bemerkungen kommt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Ein Blatt, dass sich als Qualitätsjournalismus-Ding verkauft hat es im Grunde nicht mehr verdient überhaupt noch erwähnt und beachtet zu werden. Ich finde die Redaktion und der Chef-Redakteur sollten sich schämen, dass sie einen solchen Artikel überhaupt mittragen und der Öffentlichkeit präsentiert haben. Es ist eine Schande. Die FAZ ist kein Qualitäts-Medium, sondern ein Hetz- und Hass-Blatt das Opfer von Rechtsextremisten und Rechtsterroristen verhöhnt. Glücklicherweise wird auch die FAZ vom Zeitungssterben irgendwann betroffen sein. Hinterher weinen werde ich ihr ganz bestimmt nicht mehr…

Leider sind aber solche Zeitungen weiterhin in der Lage das Gemüt und den Zustand von Menschen zu vergiften und Hass zu säen gegen Alles was anders ist und einem nicht ins begrenzte Weltbild passt. Es ist schade, dass sie dies unter dem Mantel der Meinungs- und Pressefreiheit tun können. Da hat man am Ende gar keine Lust mehr diese zu verteidigen, wenn dabei das rauskommt…

Akif Sahin

9. Mai 2013

Auf Bayern2 gibt es am Sonntag, den 12. Mai 2013 um ca. 16.05 Uhr in der Sendung „Eins zu Eins. Der Talk“ ein kleines persönliches Gespräch mit dem Ethnologen Jürgen Wasim Frembgen. Dieser ist als Professor für islamische Religions- und Kulturgeschichte und Leiter der Orient-Abteilung am Staatlichen Museum für Völkerkunde in München tätig. Frembgen konvertierte 1988, nach Begegnungen mit Muslimen in Afghanistan und Pakistan, zum Islam. Seinen Arbeitsschwerpunkt bilden islamische Religions- und Kulturgeschichte, insbesondere aber die islamische Mystik (Sufismus). Eine recht interessante Lebensgeschichte, die man unbedingt gehört haben sollte.

Details zur Sendung gibt es hier: http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/eins-zu-eins-der-talk/juergen-wasim-frembge-ethnologe-100.html

Deutsche Islam Konferenz (DIK) – Meine Kritik

Es wird ja derzeit kein gutes Haar an der Deutschen Islam Konferenz (DIK) gelassen… an dieser Debatte, die oft von Beteiligten mit eigenen (Macht-) Interessen geschürt und gelenkt wird, möchte ich mich gar nicht wirklich beteiligen. Es sei nur kurz erwähnt, dass ich die Kritik z.T. nachvollziehen kann, z.T. aber auch für überzogen halte.

Man muss auch die Entwicklung sehen, und da sehe ich einen Innenminister der sich Mühe gibt. Das mag nicht jedem passen, aber so ist das halt… Politik ist eben kein: “Wir machen alles richtig!” Es geht auch darum da hineinzuwachsen und so langsam scheint ja Hans-Peter Friedrich (CSU) auch aus seinen Fehlern in der Vergangenheit zu lernen…

Was mir jedoch negativ aufstößt und so kaum bei der Kritik erwähnt wird, ist ein wichtiger Punkt, dessen Lösung eigentlich die meisten Probleme und auch den Geburtsfehler der Deutschen Islam Konferenz beheben könnte.

Es geht um die Frage der Transparenz. Die DIK ist ein geschlossener Kreis, in den man als Muslim und erst Recht als Betroffener keinen echten Einblick hat. Es gibt Gremien, es gibt Arbeits-Gruppen, es gibt das Plenum und all diese verschiedenen Teile machen in der Islam-Konferenz mit, und beschließen Dinge, die man als Außenstehender gar nicht richtig mitbekommt.

Einmal nach dem großen Plenum, wird dann etwas vorgesetzt und als Ergebnis der DIK präsentiert. Schön und gut, aber wie ist man zu diesem Ergebnis gekommen?

Diese Intransparenz führt auch dazu, dass hinter verschlossenen Türen und in geheimen Gesprächen Dinge geklärt und geregelt werden, die man dann als Muslim auch überrascht aufnimmt. Es gab gar keine Möglichkeit mitzureden, als einfacher Muslim, oder als Betroffener. Da sitzen dann Vertreter von Muslimen, von Staat, Einzelpersonen, Politiker und Islam-Kritiker an einem Tisch und beschließen etwas über den Kopf von Muslimen in Deutschland hinweg.

Ich finde das Problem wird an der Diskussion um den Begriff “Muslimfeindlichkeit” sehr deutlich. Ich kann damit nichts anfangen und werde weiterhin auf dem Begriff “Islamfeindlichkeit” beharren und bestehen. Gerade hier wundert mich aber sehr, dass man die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema wohl gar nicht beobachtet hat. Dort wird in aller Regel von einem “antimuslimischen Rassismus” gesprochen.

Gerade hier hätte es mich doch mehr interessiert, wie man zu bestimmten Ergebnissen gekommen ist. Viel wichtiger als das, hätte ich aber auch gerne gewusst, wie sich ein Vertreter von einem muslimischen Verband eigentlich in den Debatten positioniert hat.

Wem kann ich eigentlich in der DIK zustimmen? Wen muss ich in Zukunft für sein Verhalten und bei der Debatte um wichtige Themen des Islam in Deutschland kritisieren?

Die Intransparenz der DIK ist ihr größtes Manko. Dies ist auch der Grund für die meisten Probleme und die jetzt aufkeimende große Kritik. Interessant ist ja, dass die maßgebliche Kritik von Teilnehmern der DIK kommt. Der Innenminister weist die Kritik zurück und behauptet, die Tagesordnung sei gemeinsam auch von den Teilnehmern abgesegnet worden. Einblick in die Protokolle und Sitzungen haben die Bürger aber nicht – so kann man auch nichts überprüfen und schon gar nicht eine eigene Meinung bilden.

Das wollte ich dann mal loswerden, weil es eben nicht gesagt wird…

NSU-Prozess oder Schau-Prozess?

Am Montag begann vor dem Oberlandesgericht (OLG) München der Prozess gegen Beate Zschäpe und vier weitere mutmaßliche Unterstützer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU).

Dabei konnte sich die Hauptangeklagte, dank der Medien, ziemlich gut in Szene setzen. Ein neues Outfit, neuer Haarschnitt und lächeln – das war das Rezept von Beate Zschäpe um die Medien im Saal und auch die Opfer-Angehörigen aufs Glatteis zu führen.

Anstatt über das Monster zu sprechen, dass sich jetzt im Schafspelz versteckt, sprach man über das Äußere einer schönen Frau. Man könnte es glatt als Sexismus abtun, wäre es nicht so schon traurig genug. Da half auch nicht, dass die Medien über die Brigitte ätzten, als diese einen festen Platz im Saal bekam. Sie haben sich schlimmer angestellt, als in ihren Klischees über die Brigitte deutlich wurde.

Um Inhalte ging es dann auch beim Prozess-Auftakt gar nicht mehr, sondern um Interpretation.

Was soll man auch machen, wenn man Wochenlang als Medium und Reporter darüber berichtet hat, dass die türkischen Medien keinen Platz im Saal erhalten und das Gericht unsensibel agiert habe.

Die Verteidigung hat sich zudem sehr gut auf die Richter und das Verfahren eingeschossen. Der Befangenheitsantrag hat auch hier zu Tage gebracht, was passiert, wenn man einen überforderten Richter vor ein menschliches Monster setzt.

Anders als in Norwegen, als es um Anders Behring Breivik ging, wo ein Richter das Spielchen des Mörders und Monsters nicht mitmachte, wo ein Staatsanwalt nach dem Anderen Breivik auflaufen ließ, haben wir in Deutschland einen Rechtsstaat, der Gerechtigkeit üben möchte, dabei sich aber auch erlaubt vorgeführt zu werden.

Mittendrin waren dann muslimische Vertreter, die unbedingt dabei sein wollten – warum auch immer. Und dann auch noch Stadtbekannte Neonazis. Überall Berichte darüber haben dann den Eindruck vermittelt, der bereits am Anfang entstanden war.

Die Presse ist unfähig eine Berichterstattung zu tätigen, die sich mit den Inhalten und den Taten auseinandersetzt. Sie ist unfähig eine angemessene Berichterstattung zu verfolgen.

Mir wäre es lieber gewesen, man hätte Zschäpe nicht in fast allen Medien als unschuldiges Ding präsentiert. Das man eigentlich weiß, wie das geht, zeigte sich in der Vergangenheit an zahlreichen Terror-Prozessen vor Deutschen Gerichten. Hier wurden die Angeklagten, von deren Schuld man von Anfang an überzeugt war, vorgeführt.

Die Richter haben die Angeklagten auch von Anfang an spüren lassen, worum es geht. Zschäpe blieb aber die Unberührte und Unberührbare.

Das Gericht hingegen zögert und hadert und will um keinen Umstand der Welt einen Fehler machen. Und das ist mehr Hohn und Spott an den Opfer-Familien, als die Morde an sich. Ich ahne in dieser Richtung nur noch schlimmes.

Wenn in vermutlich zwei Jahren dann ein Urteil gesprochen wird, dann kann keine Gerechtigkeit geübt werden – jedenfalls nicht mit dieser Presse und nicht mit den Samthandschuhen mit denen Zschäpe angefasst wird.

Jeder kleine miese Schläger aus einem südländischen Kulturkreis wird jedenfalls schlechter dargestellt und behandelt, als das Monster Zschäpe. Und das allein spricht Bände darüber wie man mit Terror von Rechts und Rechtsextremismus in diesem Lande umgeht. Man hat leider aus den Morden an Zehn Menschen und der Berichterstattung darüber nichts gelernt. Solche Bilder und Berichte schrecken jedenfalls nicht ab. Sie wirken wie eine Adelung…

Akif Sahin

4. Mai 2013

Wer sich mit Netzwerkplanung, Netzwerken oder sogar mit dem Google Pagerank mal auseinandergesetzt hat, sollte schon mal was vom Königsberger Brückenproblem gehört haben. Diese mathematische Aufgabe veranschaulicht übrigens als Vorlage die Grundelemente der Funktionsweise moderner Navigationssysteme wie wir sie heute in fast jedem Auto dann haben… Dem interessanten Thema widmet sich aus aktuellem Anlass übrigens das Google Blog