Job und Kaffee

Nach dem Job: Wie man sich wieder aufrappelt

Der Wechsel im Berufsleben gleicht einer Beziehung. Man macht Schluss und irgendwie beginnt eine Phase der Trauer. Die kann – je nachdem – mal kürzer oder mal länger sein. Das hängt davon ab, wie sehr man den eigenen Beruf liebte, unter welchen Bedingungen man die Firma verließ oder verlassen musste und wie man sich insgesamt im kollegialen Umfeld gefühlt hat.

Zugegeben, mein letzter Einstand war – wie bereits hier im Blog berichtet, aufgrund einer unerwarteten OP und der Abwesenheit – ziemlich kurz. Aber dennoch hat es etwas Zeit gebraucht, um richtig zu realisieren was passiert ist und die eigene Situation neu einzuschätzen. Es tat mir schon sehr weh, den Empfang der Kündigung quittieren zu müssen. Es tat mir auch weh, die Firma verlassen zu müssen. Ich hatte mich eigentlich recht wohl gefühlt und es passte menschlich. Ich hatte aber diesmal keine Lust wieder in den Frust abzugleiten. Also habe ich die Dinge schnell erledigt, die erledigt werden musste und einfach versucht das Thema abzuhaken. Eine neue Erfahrung. Mehr nicht.

Was man tun muss und was man tun kann

Noch am selben Tag war ich beim Arbeitsamt, habe meine Kündigung vorgelegt und mich entsprechend persönlich arbeitslos gemeldet. Ich habe alle Unterlagen der Firma in den Akten eingeordnet und abgeschlossen. Meine Profile in den sozialen Netzwerken habe ich weitestgehend aktualisiert und die Berufsbezeichnung wieder rausgelöscht. Ich habe mir Gedanken über die Zukunft gemacht aber bin nicht in den Strudel des Selbstmitleids abgerutscht. Das habe ich anderen überlassen, denen ich – weil sie meine Freunde sind – mitgeteilt habe, dass ich nicht mehr den Job habe. Tatsächlich tat diesmal auch gut, dass ich im Grunde wusste, was auf mich nach der OP zukommt. Einen wichtigen halt gab mir auch meine Familie und auch mein Glaube. Wir glauben schließlich daran, dass die Dinge, die uns passieren, so besser für uns sind.

Ich habe mich wieder in den bekannten Netzwerken wie XING, LinkedIn angemeldet, mein Profil aktualisiert und einzelne Stellenbörsen und Stellenmärkte abonniert. Außerdem habe ich die eServices der Arbeitsagentur angefangen zu nutzen, um sowohl die nötigen Unterlagen für das Arbeitsamt zu erstellen, als auch die Jobbörse richtig zu durchforsten. Gleichzeitig habe ich angefangen mich nicht mehr auf einen speziellen Zweig zu konzentrieren, sondern alle Jobs, die in Frage kommen, in meine Liste aufzunehmen. Die Bewerbungsunterlagen sind natürlich ebenfalls auf einen aktuellen Stand gebracht. Bloß meinen Blog, den habe ich ausgelassen. Das wird erst mit dem offiziellen Ende der Arbeit – ich bin zur Zeit freigestellt – eingetragen werden. Je mehr ich mich in diese Dinge vertieft habe, desto besser ging es mir. Beschäftigung mit Dingen lenkt ab.

Jobsuche – Es kann auch anders laufen

Als ich vor ein paar Jahren einen Job aufgegeben habe, hat sich mein Leben leider vollständig verabschiedet. Ich musste Sozialkontakte abbrechen, meine ehrenamtliche Arbeit aufgeben und vor allem einen gewaltigen Schlussstrich ziehen, damit ich mich überhaupt wieder wohl fühlte. Anderenfalls wäre ich vermutlich nicht nur in einen depressiven, sondern für die Gesellschaft gefährlichen Zustand verfallen. Wenn der Job einem das Leben bedeutet und man einen radikalen Schnitt macht, dann ist es sehr sehr schwer wieder in die Spur zu kommen. Erst nach drei Monaten war ich wieder bereit mich auf den Sattel zu schwingen und ein neues Leben und einen neuen Lebensabschnitt zu wagen. Es hat geklappt.

Solche Dinge können immer wieder und jedem passieren. Was soll man tun, wenn man nach mehreren Jahrzehnten von der Firma entlassen wird, in der man sein halbes Leben verbracht hat? Eben. Es ist nicht einfach, sich einen neuen Job zu suchen, zumal sie alt und vor allem unbeliebt auf dem Markt sein können. Es mag zwar keine offenkundige Diskriminierung geben, sie ist aber vorhanden. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) hilft da nicht wirklich weiter. Eine gezielte Selektion kann dann auch einschränkend sein. Vor allem dann, wenn sie andere Faktoren mitbringen, die nicht als Diversität verstanden, sondern als Gefahr wahrgenommen werden. Es braucht hier einen Aufbau eines Selbstbewusstseins. Und es braucht einen großen Realismus, was die persönliche Jobauswahl angeht.

An sich selbst glauben – dann tun es auch andere!

Immer wieder sage ich Jugendlichen, dass sie an sich selbst glauben müssen. Wer nicht an sich selbst glaubt, kann auch nicht andere von sich überzeugen. Dieser Aspekt ist eigentlich eine Lüge. Auf dem Markt kann man mit dem an sich selbst glauben nicht immer gewinnen. Es ist aber eine Erhöhung der Chancen. Wenn ein junger Mann, wie erst kürzlich, sich als Azubi bewirbt und nach 30 Bewerbungen eine Absage erhält, dann neigt er dazu den Fehler bei den Anderen zu suchen. Doch ein Rollenspiel verdeutlicht das Problem. Ich habe ihm seine Bewerbung vorgelegt und daneben drei andere Bewerbungen von anderen Kandidaten. Für wen würdest du dich entscheiden? Der junge Mann entschied sich für einen anderen Kandidaten. Seine eigene Bewerbung gefiel ihm plötzlich nicht mehr. Er überarbeitete sie und siehe da, die ersten Einladungen folgten.

Diese Erkenntnis hilft. Ich habe meinen Lebenslauf in den vergangenen Jahren immer wieder angepasst, immer wieder überarbeitet, immer wieder neue Inhalte und neue Wörter mit ins Boot geholt. Manchmal musste ich vieles Weglassen. Mittlerweile ist der Lebenslauf immer variabel – je nachdem – wo ich mich und auf welche Position ich mich bewerbe. Ich schicke den Lebenslauf aber nicht ab, wenn er mir selbst nicht gefällt. Als Allrounder hat man Fähigkeiten, die nicht immer erwähnenstwert sein müssen. Es interessiert den Personaler in einem Betrieb herzlich wenig, ob ich Kenntnisse in WordPress habe, wenn er Jemanden für TYPO3 sucht. Entsprechend muss man die Talente, die wichtig sind, in den Fokus rücken. Und ganz ehrlich: Noch vor ein paar Jahren musste ich 40 Bewerbungen schreiben, um eine Einladung zum Bewerbungsgespräch zu erhalten. Mittlerweile ist diese Zahl auf 4 Bewerbungen im Schnitt gesunken. Dank einer optimierten Vorgehensweise und Selektion.

Stimmung aufrecht erhalten?

Das Ende eines Jobs bedeutet auch immer einen Neuanfang. Statt in Existenzangst zu verfallen und sich Sorgen um die Zukunft zu machen, müssen sich die meisten Menschen, wenn sie eine anständige Laufbahn oder Ausbildung haben, eigentlich nur hinsetzen und viel Zeit in die Bewerbungen investieren. Die Gespräche verlaufen sowieso immer nach dem gleichen Muster. Da hilft es nicht viel, sich auf ein Gespräch zu konzentrieren. Prekäre Arbeitsverhältnisse sind außerdem leider das „Normal“ unserer Zeit. Die Karriere mit ein Leben und ein Job – Sie wird weniger, sie wird für alle interessanter. Doch mit einem Job, der nach zwei Jahren Frist endet, kann man auch glücklich sein. Manchmal ist man sogar damit noch glücklicher als man hätte denken können.

Was ich jedenfalls für diese Phase immer wieder rate ist: Unternehmen sie etwas, machen sie kleine Ausflüge, nehmen Sie sich die Zeit für die Familie und Freunde und vor allem tun Sie Dinge, die Ihnen Spaß machen. Anderenfalls werden Sie nicht glücklich, auch dann nicht, wenn sich ein neuer Job ergibt. Man muss Arbeitslosigkeit als Chance begreifen. Und solange man sich dessen bewusst ist, kann die Stimmung auch durch nichts kaputt gemacht werden. In dieser Zeit lese ich wieder viel, ich schaue Filme mit meiner Tochter, ich schreibe an meinen Texten und suche mir neue Beschäftigungsmöglichkeiten. Es ist schließlich nicht die Welt untergegangen. Es beginnt einfach nur ein neuer Tag.

Und jeder neue Tag ist eine neue Chance. Viel Erfolg!