Sorgen um den Job

Im Laufe meines gesamten Arbeitslebens habe ich auch schon einmal in einer Personalabteilung gearbeitet. Es war eine der interessantesten aber auch schlimmsten Erfahrungen, die ich beruflich machen durfte. Beispielsweise musste ich mit rebellierenden Azubis kämpfen, sie wieder in die Spur bringen und sie über die gesamte Ausbildungsdauer von 3 Jahren motivieren. Das war der besondere und interessante Teil meiner Arbeit.

Andererseits hatten wir einmal ein sehr schlechtes Jahr. Ich schrieb die betriebsbedingten Kündigungen und übergab sie den Betroffenen. Das war keine gute Erfahrung, weil ich die Menschen und Mitarbeiter schnell an mich herangelassen hatte und sogar mit einigen Freundschaft geknüpft hatte. Emotionslos arbeiten, das war damals nicht mein Ding. Und so tat jede Kündigung, die ich geschrieben hatte, mir sehr leid und belastete am Ende auch mein Verhältnis zu meinen Vorgesetzten. Es war mit ein Grund, warum ich später einen gut bezahlten und aussichtsreichen Job sausen ließ.

Es ist seitdem sehr viel Zeit vergangen und heute sitze ich in meinem Wohnzimmer, mit starken Schmerzen, und frage mich, was auf mich in den kommenden Tagen und Wochen zukommt. Und ich frage mich immer wieder, wie ich wohl als Personaler in meinem eigenen Fall entschieden hätte. Mein Fall ist – aus meiner Sicht – leider ziemlich klar. Ich bin erst vor knapp sechs Wochen in die Firma gekommen und nach fünf Wochen falle ich plötzlich für mindestens eine Woche aus. Wäre ich der Personaler, der für meine Person zuständig ist, ich hätte schon die Kündigung geschrieben und sie übergabefertig gemacht.

Der Umstand, dass mein Mitarbeiter unverschuldet im Krankenhaus lag und operiert wurde, interessiert dabei nicht und er darf auch nicht interessieren. Es ist eine Frage des Prinzips und der Zuverlässigkeit. Ein Ausfall von einem neuen Mitarbeiter gleich zu Beginn seiner Arbeitszeit wird nie gut verkraftet und bringt vor allem die Planung durcheinander. Natürlich hoffe ich auf ein anderes Ergebnis, aber die Fakten sprechen leider für sich. Ich kann wohl damit rechnen, dass ich in der kommenden Woche sehr wahrscheinlich meine Kündigung in den Händen halten werde.

Ich darf mich dann – nachdem ich wieder hoffentlich ganz gesund bin – wieder brav beim Arbeitsamt melden. Ich darf dann wieder, ohne Hilfe der inkompetenten Mitarbeiter, nach einem Job suchen und bei jeder Bewerbung im umkämpften Arbeitsmarkt versuchen mit meinen Kenntnissen und Fähigkeiten den Unterschied zu machen. Ich hasse diese Zeit, weil sie mit dem Ausfüllen von Formularen und Belegen verschwendet wird. Das ganze ist lästig und leidig.

Es tut mir nur um die neue Stelle leid, weil ich die Kollegen, meine Vorgesetzten und das Betriebsklima wirklich super fand. Man muss aber nach vorne blicken. Und wer weiß, vielleicht ist man ja doch gnädiger, als ich es selbst wohl gewesen wäre. Das Ganze belastet mich nicht wirklich, es ist nur ein Gefühl der Hilflosigkeit. Hätte ich Mist gebaut, würde ich gar nicht so sehr mit meiner Situation hadern. Es kommt, wie es kommt. Und ich muss zunächst einmal wieder gesund werden. Alles andere ist nebensächlich und angesichts anderer Entwicklungen irgendwie dann doch verkraftbar. Dazu vielleicht später mehr…