Krankenhaus

Es ist Nacht im Krankenhaus. Ich liege in meinem Bett, kann nicht schlafen und blicke aus dem Fenster. Der Blick aus dem zehnten Stock auf die Elbe und den hellen Mond beruhigt mich wieder. Der Schweiß und die Schmerzen sind nebensächlich in dieser Nacht. Aus das Blut, dass aus der offen gehaltenen Wunde fließt. Wie sagte Shakespeare so schön: „Der Narben lacht, wer Wunden nie gespürt.“

Es ist meine erste Operation im Krankenhaus, die ich bewusst miterlebt habe. Drei Mal in meinem Leben wurde ich operiert. Zwei mal war ich dabei im Vorfeld bewusstlos und viel zu klein, um mich an Details erinnern zu können.

Verdrängte Schmerzen

Zwei Wochen vorher hatte ich einen Arztbesuch. Ich klagte über heftige Schmerzen. Der Arzt beruhigte mich, schaute sich das Ganze an und gab Entwarnung. Ich bekam eine Salbe verschrieben. Ich benutzte die Salbe, die Schmerzen gingen aber nicht weg.

Ich biss die Zähne zusammen, ließ mir bei Treffen und bei der Arbeit nix anmerken. Ich versuchte an den Wochenenden Ruhe zu halten, doch es wurde nicht besser. An diesem Wochenende schließlich war es unerträglich geworden.

Eigentlich wollte ich dennoch zur Arbeit. Nach der Dusche wusste ich aber, dass ich das nicht mehr aushalte. Also rief ich meinen Hausarzt an, ging zu ihm rüber und erklärte was los war. Er schrieb direkt eine Überweisung in das Krankenhaus.

Notaufnahme

Ich trank noch einen Kaffee und rauchte eine Zigarette zur Beruhigung. Mein Hausarzt hatte mich schon über die OP aufgeklärt, wirklich bewusst war mir das dennoch nicht. Man realisiert manche Dinge erst, wenn sie vorüber sind.

Ich fuhr mit dem Bus ins Krankenhaus. Ich meldete mich in der Ambulanz und schilderte mit medizinischen Fachbegriffen mein Leiden. Da wurde mir dann erklärt, man müsse erst einen Termin machen und das gehe erst frühestens in einer Woche.

Ich erklärte noch mal, wie sehr ich leide und das ich keinen Tag länger das aushalte. Die Dame schickte mich schließlich zur Notaufnahme. Ich wurde aufgenommen, wegen akuter Schmerzen. Eine Stunde wartete ich im Wartezimmer voller Schmerzen.

Prüfung und Diagnosen

Wie so üblich kam erst eine Schwester zu mir und nahm die üblichen Informationen auf. Ich machte wie immer auf den wichtigen Umstand aufmerksam, dass ich allergisch gegen ASS (Aspirin) bin. Bis zu diesem Moment hatte ich vergessen meiner Frau bescheid zu geben. Man wollte wissen, wer im Notfall kontaktiert werden soll. Ich rief sie nach dem Gespräch an.

Irgendwann kam eine Internistin. Sie schaute sich das Ganze an und besorgte sich schließlich ein Ultraschallgerät um sicher zu sein. Sie gab keine Diagnose ab. Ihr Gesichtsausdruck verriet aber schon, dass sie sich vermutlich fragte, warum sich Jemand erst so spät meldet.

Der Chirurg war ein ganz netter Mann. Er schaute sich noch mal alles an und sagte dann ganz klar, dass man operieren müsse. Ich wurde über den Eingriff aufgeklärt und durfte Fragen stellen. Ich unterschrieb den Wisch für die Operation.

Schützlinge im Krankenhaus

Es dauerte dann noch mal zwei Stunden, bis ein Bett zu mir geschoben und ich auf die Station gebracht wurde. Eine Schwester wollte mir Wasser geben, ich machte darauf aufmerksam, das ich nüchtern beiben muss. Irgendwanm wurde mir angekündigt, dass ich zur Operation abgeholt werde.

Da fing ich an etwas nervös zu werden. Das änderte sich abet mit dem Pfleger, der mich in den Operationsbereich bringen sollte. „Selamun aleykum! Akif abi, was geht?!“, sagte Sabri und schob noch ein: „Der Name kam mir gleich so bekannt vor.“

Mein früherer Schützling schob mich in den OP-Bereich und ich war völlig entspannt, auch wegen des Smalltalks. Der Anästhesistin gab er auch gleich mit auf den Weg: „Das ist mein Bruder, passt gut auf ihn auf, sonst haben wir ein Problem.“

Aufwach-Raum

Ich durfte dann wieder einen Fragebogen ausfüllen und wurde über die vollständige Narkose aufgeklärt. Ich unterschrieb den Wisch. Ich durfte mich dann vollständig entblößen, bekam ein warmes Handtuch über Körper gelegt und verschiedene Kabel wurden mir an den Oberkörper geklebt.

Meine Blutwerte waren sehr gut, mein Blutzucker ebenfalls. Die Anästhesistin spritzte mir zunächst ein Schmerzmittel. Ich bekam eine Sauerstoffmaske und schließlich das Einschlafmittel. Es war irgenwas mit 16 Uhr als ich die Augen schloss.

Als ich sie wieder auf hatte war, anders als erwartet, kein Schlauch in mir. Ich atmete schwer und an meiner Nase hing ein Sauerstoff-Ding. Ich schaute mich um und sah, dass es bereits 20 Uhr war. Die OP hatte länger gedauert. Kein gutes Zeichen.

Schmerzmittel

Ich ließ mir gleich ein Schmerzmittel geben. Nachdem ich stabil war, holte mich Sabri wieder ab und brachte mich in mein Zimmer. Er holte mir auch mein Handy. Ich rief meine Frau an. Meinen Vater musste ich auch anrufen. Er hat irgendwie mitgekriegt, dass ich unterm Messer lag. Die Schwester checkte mich noch mal und gab mir Anweisungen. Einmal stand ich unter Aufsicht auf. Ich wollte sehen, ob es mir gelingt. Es lief alles gut.

Beim zweiten Mal stimmte aber etwas nicht. Ich hatte mich aufgerichtet und war aufgestanden. Vor Schmerzen wurde mir schwummrig. Zuvor hatte ich schon Schmerzmittel-Pillen eingenommen. Die blieben aber wirkungslos. Ich bekam jetzt den harten Stoff per Infusion und durfte nicht mehr aufstehen.

In der Nacht sollte ich wieder um ein Schmerzmittel bitten. Das Gröbste war da bereits geschafft. Ich warte eigentlich nur noch auf den Chirurgen und die Visite. Im Anschluss daran oder spätestens Morgen sollte ich wieder raus sein und vor allem schmerzfrei arbeiten können.

Das Gute ist, dass der behandelnde Chirurg mein Vertrauen genießt. Ich habe nur seinen Namen gehört und noch nicht mit ihm gesprochen. Er hatte wohl noch andere OPs. Es ist aber, wie es das Schicksal will, auch ein ehemaliger Schützling.

Ich wollte allein sein und ich habe wieder Freunde und Geschwister getroffen. So ist es halt. Die Welt ist klein.