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Türkei: Deutschland wird zum Schlachtfeld der Politik

Die Alevitische Gemeinde in Deutschland hat in den vergangenen Wochen gezielt und intensiv daran gearbeitet die Proteste um den Gezipark in Istanbul für ihre eigenen Interessen zu nutzen. Dafür wurde dann auch eine Großkundgebung in Köln organisiert, wo nach Angaben von seriösen Schätzungen zwischen 10.000 – 20.000 Personen gegen den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan protestierten.

Die Demonstration fand natürlich großes Interesse durch Unterstützer der Gezi-Proteste, ebenso wie durch linksradikale Gruppierungen und Deutsche Parteien wie die die Grünen, die Linke und auch Teilen der SPD.

Die Deutsche Politik hat sich unerklärlich merkwürdig in die Innenpolitik der Türkei eingemischt. Dabei gibt es immer den Grundsatz, dass man sich in die Innenpolitik eines Landes nicht einmischt. Dieser wurde bezüglich der Proteste um den Gezipark mehrfach gebrochen. Interessant ist es ja auch, dass es gerade die CDU ist, die in den vergangenen Jahren die Türkei immer wieder davor gewarnt hat, sich in die Innenpolitik Deutschlands einzumischen.

Jetzt scheinte es so, als hätte man in Deutschland sich darum bemüht sich in die Innenpolitik der Türkei einzumischen und diese zu beeinflussen. Die Alevitische Gemeinde hat sich hierbei auch als Helfershelfer aufgespielt.

Jetzt schlagen aber die Erdogan-Befürworter zurück. Während man nämlich von vielen muslimischen und türkischen Organisationen in den letzten Wochen eher Zurückhaltung gesehen hat, hat sich die Union der Europäisch Türkischen Demokraten (UETD) in die ein bisschen abgeebbten Debatten eingeschaltet.

Eine Großkundgebung, zu der zwischen 30.000 – 50.000 Menschen erwartet werden, soll am 7. Juli 2013 in Düsseldorf stattfinden. Das Programm ist bunt. Es soll Folklore und Gesang vorgestellt werden, Ansprachen Pro Erdoğan geben und zudem werden auch Politiker aus der Regierung erwartet.

Der Disput in der Türkei wurde von den Aleviten durch Demonstrationen nach Deutschland gebracht. Jetzt wird der Disput von den Erdogan-nahen Organisationen genutzt um eine Antwort an die bisherigen Proteste zu liefern.

Es ist zu hinterfragen, ob solche Demonstrationen überhaupt eine Aussagekraft haben. Die Aleviten haben sich zwar in allen Medien und Zeitungen wiedergefunden aber wirklichen Einfluss auf die Innenpolitik in der Türkei haben sie nicht gehabt.

Das kann allerdings anders bei der UETD sein. Wenn diese Organisation, die eine Erdogan-Organisation ist, eine Demonstration auf Deutschem Boden abhält und dabei auch gegen die Darstellungen der Deutschen Politik und Medien protestiert wird, dann ist das eine andere Haltung und eine Einmischung in die Innenpolitik in Deutschland.

Das dürfte dann durchaus, wenn auch nicht von den Medien, von der Politik sehr stark wahrgenommen werden. Das Problem ist wiederum, dass dieser Protest sehr wohl auch Auswirkungen auf die Innenpolitik in Deutschland haben kann.

Was im Hintergrund nicht beachtet wird, ist die Vermutung, dass die Demonstration in Düsseldorf vermutlich eine Retourkutsche der Regierung Erdogan ist. Mitglieder der Regierung und der AKP hatten bereits mit solchen Demonstrationen gedroht und dabei auch erklärt, Deutschland solle bloß aufpassen. Eine Demonstration in dieser Form, gerade wo es eigentlich wieder ruhiger um den Gezipark geworden ist, kommt zu einer Unzeit.

Es wird sicherlich eher eine Art Familienfest von Türken werden, aber die politische Ausbeutung, beider Seiten, und auch ihre Auswirkungen, sind noch nicht abzuschätzen. Im schlimmsten Fall wird man die bisherigen Unstimmigkeiten zwischen der türkischen und deutschen Regierung weiter verschärft haben.

Es bleibt daher die Frage ob man Probleme in einem bestimmten Land auf diese Art und Weise auch nach Deutschland tragen muss.

Wichtiger Hinweis!!! – Es geht das falsche Gerücht um, dass Erdoğan selbst an der Demonstration teilnehmen wird. Dies ist eine Fehlinformation. Verantwortliche erklärten, dass es höchstens eine Live-Schaltung geben könnte. Erdoğan wird nicht an der Demo teilnehmen.


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Ein Gedanke zu „Türkei: Deutschland wird zum Schlachtfeld der Politik“

  1. Ich glaube nicht, dass sich die gegenseitige “Einmischung” hätte vermeiden lassen. Sogar die USA haben die türkische Regierung dazu aufgerufen, die demokratischen Rechte der Bürger zu beachten.

    Schon das Vorgehen der Polizei bzw. die Bilder der gewaltsamen Auseinandersetzungen ruft andere Regierungen auf den Plan. Darunter war auch die Deutsche.

    Ich habe gelesen, dass Erdogan nach Umfragen in der Türkei immer noch 51% Zustimmung hat. Es ist davon auszugehen, dass dieses Verhältnis in etwa auch auf Deutschland zu übertragen ist. Damit ist klar, dass genau das passieren wird, was du angesprochen hast. Erdogan wird über seine Leute Einfluss auf die deutsche Innenpolitik nehmen. Daran lässt sich nichts ändern.

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