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Ich bin alt geworden…

Und wieder ist ein Geburtstag an mir vorbeigegangen. Ich habe nicht gefeiert, bloß vor dem Fernseher gesessen und den Final-Einzug vom FC Bayern beobachtet. Selbst am Tag, an dem ich mal mich feiern sollte, schrieb ich Artikel über Andere und Geschehnisse auf der Welt und in Deutschland. Kein freier Tag während des wichtigsten Tages, den es für einen Menschen geben sollte.

In den vergangenen Jahren habe ich meine Geburtstage damit verbracht, Menschen und vor allem die Gräber meiner Freunde, die bereits unter der Erde liegen, zu besuchen. Es erinnerte mich immer daran, dass auch ich eines Tages sterben werde, und das dieser Tod urplötzlich kommen wird.

„Halte den Tod so nah wie nur möglich an dich heran“, sagte einmal ein großartiger Imam zu mir. Er hatte mir wieder einen Sinn in meinem Leben gegeben, eine Vision und Kraft für ein kritisches Denken und kritische Worte. Es war nicht meine Idee so zu schreiben, es war seine. Er hatte wohl ein Talent gesehen, von dem ich in diesen Tagen am Wenigsten überzeugt bin.

Es fällt mir immer schwerer meine Gedanken zu ordnen, meine Texte so zu gestalten, dass sie wirklich noch meine Handschrift tragen. Ich schreibe irgendwie so, wie der Rest der Welt. Es ist langweilig, es ist düster und vor allem banal.

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Was mich wohl ausmacht war die Kritik und das kritische in meinen Texten. Doch dazu komme ich derzeit nicht mehr. Der Beruf hat mich eingenommen, der Alltag ist öde geworden, Freunde und Abwechslung sind auch nicht mehr da.

Was bleibt ist die Gewissheit, dass man eigentlich schon alles erlebt und gesehen hat. Einmal vielleicht in meinem Leben würde ich gerne noch New York von nahem sehen. Sonst war ich überall wo man gewesen sein muss…

Ich habe auch viel, manchmal denke ich sogar viel zu viel, in meinem Leben erlebt. Ich würde heute nicht mehr darüber trauern, wenn ich sterben würde. Es wäre nicht falsch, und es wäre sicherlich nicht zu früh. Es wäre vielleicht sogar genau der richtige Moment. Wer weiß denn schon, wie lange wir uns selbst treu bleiben? So häufig sehe ich wie die Menschen ihre eigenen Werte verkaufen… So möchte ich nicht enden…

Ich grolle nicht meinen früheren Freunden, die jetzt alle verschollen sind. Ich grolle nicht der Zeit, die mir viele Menschen genommen hat. Ich grolle nicht dem Tag, den ich kaum noch sehe. Ich grolle nicht dem Schicksal, dass meine gesamten Pläne immer wieder durcheinander wirft.

Ich grolle nur meinem Herz… Die Leidenschaft scheint erloschen… Ich bin alt geworden…

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