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Netzneutralität: Drosselt 1und1 YouTube?

Die große Basis der Provider in Deutschland hatte sich bisher im Groben zur Netzneutralität bekannt. Entsprechend sollen Datenpakete und Angebote im Netz an die User ohne Begrenzungen und Veränderungen ausgeliefert werden. Trotzdem gab es bereits Ansätze von Providern eigene Angebote, durch eine bestimmte Netzpolitik, in den Vordergrund zu stellen.

Vor allem in der Mobilfunkbranche, aber auch bei bestimmten vergünstigten Angeboten für DSL ist es schon immer üblich gewesen, die Bandbreite für Verbindungen, ab einem bestimmten Verbrauch an Daten, zu drosseln.

Jetzt hat sich die Telekom entschieden, als Erstes der großen Anbiter, die Netzneutralität auch aufzugeben und künftig auf bestimmten Ebenen die Leitungen ihrer User in Tarifen zu drosseln. Vermutet wird hier, dass es auch um die Etablierung eigener Dienste geht – was tatsächlich naheliegt.

Die Diskussionen um die Aufgabe der Netzneutralität sind also nicht neu, und es ist keinesfalls so, dass man sich dran gehalten hätte.

Gerade bei den Anbietern, die sich nicht wirklich dran halten, erkennt man dies aber auch nicht sofort. In der Netz-Debatte wird häufig nur die Telekom genannt, aber Vodafone wird wohl nachziehen, genauso wie auch Dritt-Anbieter wie 1und1, die United Internet Tochter, bereits Tarife haben, die genau dies tun, was bei der Telekom jetzt in allen Paketen passieren soll.

Dabei findet auch eine gewisse Ausblendung der Fakten statt. Im offiziellen Twitter-Account von 1und1 wird durch die Mitarbeiter kommuniziert, dass 1und1 keine Drosselung der 1und1 Doppel-Flats plant. Das stimmt, aber in den Details zu wenigstens einem DSL-Flat-Tarif steht, dass es bei 1und1 eine Drosselung gibt. So wird beispielsweise im Tarif Surf & Phone Flat Special angegeben:

Surfen mit bester Netzqualität – mit bis zu 16.000 kBit/s (Download) und bis zu 1.024 kBit/s (Upload) bis 100 GB Datenvolumen pro Monat, danach mit bis zu 1.024 kBit/s (Download) und bis zu 128 kBit/s (Upload) bis Monatsende.

Das Twitter-Team von 1und1 scheint bewusst so zu tun, als würde man gar nicht drosseln, um hieraus auch einen gewissen Wettbewerbsvorteil im Zuge dieser Debatte herzuleiten. Mit den Antworten auf Twitter wird suggeriert, es gäbe gar keine Drosselung bei 1und1.

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Wir planen keine Bandbreiten Drosselung bei unseren 1&1 Doppel-Flat Tarifen. Viele Grüße, aj

Gleichzeitig gibt es selbst Probleme bei Tarifen in denen es ausdrücklich heißt:

Keine Begrenzung des Datenvolumens oder Drosselung der Geschwindigkeit.

So tummeln sich im Netz viele Kommentare von Nutzern von 1und1, die darauf schließen lassen, dass die YouTube-Website durch die United Internet Tochter tatsächlich gedrosselt wird.

Im Selbst-Test konnten diese Probleme z.T. reproduziert werden. Es zeigte sich bei Videos mit einer Auflösung von 240p, dass diese schnell heruntergeladen werden können, im Gegensatz zu Videos mit höherer Auflösung. Die Drosselung scheint für normale Auflösungen (480p) und für HD-Auflösungen (720p und 1020p) von YouTube Videos zu bestehen. Die Problematik konnte im Selbsttest mit einer Doppel-Flat 50.000 nachvollzogen und reproduziert werden – allerdings mit dem fairen Hinweis darauf, dass dieses Problem anscheinend auch nur zu bestimmten Uhrzeiten auftritt.

Dies deutet aber tatsächlich zu einer notgedrungenen Drosselung hin, die aber auch mit der Netzneutralität begründet werden kann. Tagsüber und früh abends surfen nunmal mehr User im Netz und die Website von YouTube wird eben auch häufiger aufgerufen, wodurch natürlich Verzögerungen auftreten können. Es muss also nicht nur an 1und1 allein liegen.

Wahrscheinlicher ist jedoch ein technisches Detail. So ist bekannt, dass 1und1 für DSL quasi die Leitungen und Schnittstellen der Telekom nutzt. Gerade hier scheinen sich die Probleme beim Konsum von YouTube zumindest zu gleichen. Auch Telekom-Nutzer beklagen bereits seit Jahren, die gleichen Probleme.

Die Anbieter hatten noch im Jahr 2011 versprochen, als damals diese Probleme bereits angemaht wurden, für Abhilfe zu sorgen. Gleichzeitig war aber bereits seit damals schon klar, dass man für die Zukunft die Netzneutralität aufgeben wird.

Was jetzt passiert ist also ein erster Schritt in eine neue Ära des zwei-Klassen Internets zu bewerten. Es wird sich erst einmal wohl nicht viel ändern, aber die Drosselung von DSL-Tarifen dürfte in Zukunft die Regel werden… Echte Flatrates wird es dann wohl nur noch gegen Aufpreis geben.

4 Enlightened Replies

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  1. Peter sagt:

    Hallo Kamil,

    Du bist jetzt bei Telekom und spürst die Leitung Drosselung. Pech gehabt.
    Auf der anderen Seite, weiß Du nicht ob es so was beim Vodafone kommt.
    Vielleicht machen sie es nach. Kostenoptimierung!
    Ich bin bei 1 und 1. Was soll ich denn machen? Es kann doch sein, wenn ich irgendwo anders gehe, ziehen sie nach. Ein Provider-wechsel ist auch nicht ohne!
    Ich bleibe bei 1 und 1 und hoffe, dass nicht schlimmer wird.
    VG
    Peter

  2. TK sagt:

    Kann das auch bestätigen. Ich kann seit ein paar Tagen ganz unregelmäßig mit einer 50.000er-Leitung (51k kommen an) keine Standard-Youtube-Videos mehr gucken. Eine Minute puffern bei 480p ergibt 2 Sek. Abspielzeit.
    Ein kurzer Test über UMTS zeigt, dass es nicht an Youtube liegt.

  3. Andreas sagt:

    Der Ärger gegenüber der Telekom steigt doch immer weiter an. Mit deren Drosselung haben sie sich keinen Gefallen getann und viele werden aufgrund dieser Situation versuchen den Anbieter zu wechseln.

  4. Kamil sagt:

    Seit einem Monat bin ich Kunde bei der Telekom mit einer 50000er Leitung. Die Drosselung ist mir sehr deutlich bei Youtube Videos aufgefallen. Ich habe im Internet recherchiert und Statements von der Telekom gelesen, die klarmachen, dass es keine Drosselung ihrerseits ist. Der langsame Datentransfer hänge von den Google Servern ab. Als
    ich allerdings noch bei Vodafone war, hatte ich in der Hinsicht keine Probleme.

    Schade. Ich hatte gehofft, für den Preisunterschied gegenüber Vodafone, eine tadellose Leitung zu erhalten.

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