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Syrien: Mord an Muhammed Said Ramadan al-Bouti

Der kurdische Gelehrte Muhammed Said Ramadan al-Bouti ist am Donnerstag bei einem Anschlag auf eine Moschee in Damaskus ums Leben gekommen. Der Mord an einem vielfach beachteten muslimischen Gelehrten markiert einen neuen Höhepunkt im Syrien-Konflikt.

Bei einem Anschlag am vergangenen Donnerstag auf eine Moschee in der syrischen Hauptstadt Damaskus kamen insgesamt 42 Menschen ums Leben und mehr als 80 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Zu den Opfern des Anschlags gehörte auch der bekannte muslimische Prediger Muhammed Said Ramadan al-Bouti. Der Tod von al-Bouti stellt eine neue Eskalationsstufe im Syrien-Konflikt dar. Sowohl die Opposition als auch die Regierung machen sich gegenseitig für den Anschlag auf al-Bouti verantwortlich.

Neben al-Bouti starben auch eine Menge an Schülern des Gelehrten. Dies deutet darauf hin, dass die Moschee explizit für den Angriff ausgewählt worden ist. Es ging nicht darum das Regime zu schwächen, sondern einen Gelehrten und seine Schüler auszuschalten. Der Angriff erfolgte über einen Selbstmordattentäter. Dieser hatte sich in die Iman Moschee im Bezirk Mezra eingeschleust und tötete den Gelehrten und zahlreiche seiner Schüler in der er sich in die Luft jagte. Mehrere Dutzend Menschen wurden zudem beim Angriff verletzt.

Assad-nahe Rechtsgutachten

Muhammed Said Ramadan al-Bouti gehörte zu den wichtigsten Gelehrten Syriens, ebenso war der sunnitische Gelehrte auch international stark anerkannt, auch wenn er mit kontroversen Rechtsgutachten immer wieder für Aufsehen sorgte. Al-Bouti hat vom Beginn der Konflikte an zum Assad-Regime gehalten und die Haltung des Regimes auch mit zahlreichen Rechtsgutachten gestützt. Ähnlich war es auch 1982 gewesen, als Buti damals Hafiz Assad den Rücken stärkte, während dieser in Hama die Menschen abschlachten ließ.

Bouti begründete seine Rechtsgutachten für das Assad-Regime immer mit dem Hinweis darauf, dass es keine Fitna (Unruhe) im Land geben solle.

Freie Syrische Armee: Wir waren es nicht!

Die freie Syrische Armee (FSA) hat sogleich eine Beteiligung an einem solchen Anschlag bestritten. In einer Erklärung wurde mitgeteilt, dass die FSA grundsätzlich keine Moscheen als Ziele ausgebe. Ein Sprecher verurteilte gar den Anschlag auf al-Bouti und die Moschee, machte allerdings auch keinen Hehl daraus, dass er glaube, Assad selbst hätte al-Bouti töten lassen, weil dieser die Reihen wechseln wollte.

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Ein Aspekt, dass für diese Darstellung sprechen könnte wäre auch, dass die Moschee in der al-Bouti unterrichtete ganz in der Nähe des Baath-Büros war und damit auch entsprechend hätte geschützt werden müssen. Ein weiteres Indiz für diese Annahme ist, dass zahlreiche Familienmitglieder von al-Bouti kurz vor dem Anschlag über den Libanon in die Türkei geflüchtet sind. Diese behaupteten später, laut Darstellungen türkischer Stellen, dass Bouti vorgehabt habe das Land zu verlassen.

Westliche Geheimdienste?

Es gibt aber auch eine dritte Möglichkeit. Es könnte sein, dass westliche Geheimdienste den Anschlag vorbereitet haben. Weder das Assad-Regime, noch die Opposition setzen normalerweise Selbstmordattentäter ein. Diese Praxis wird einerseits häufig der Al-Qaida zugerechnet, aber auch der Ableger der kurdischen PKK bedient sich immer wieder dieser Methode. Es ist bekannt, dass der Ableger der PKK in Syrien zudem mit Unterstützung westlicher Geheimdienste operiert ebenso wie die FSA. Gerade die Eliminierung eines islamischen Gelehrten passt auch zur geheimdienstlichen Strategie, die sonst auch gefahren wird und wurde. Ähnliche Vorfälle kannte man beispielsweise auch aus Afghanistan oder dem Irak. Gelehrte wurden eliminiert, weil sie oftmals einer Neustrukturierung des Landes nach einer Ära im Weg standen. Sie waren häufig in der Lage Massen zu bewegen und damit einflussreicher als politische Marionetten und Vertreter zu sein.

Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass ein US-Bürger heute potenzieller Nachfolger von Baschar al-Assad sein könnte, darf in dieser Hinsicht auch diese Option nicht vernachlässigt werden. Sie erscheint sogar plausibel, weil westliche Mächte derzeit ein Eingreifen in Syrien vorbereiten. Geistlicher Widerstand ist dabei schwieriger zu bekämpfen als bewaffneter Widerstand.

Profitieren tut Assad von einem solchen Anschlag jedenfalls trotz der Darstellung der FSA nicht. Die Opposition und ihre westlichen Verbündeten allerdings schon. Sie können einen deutlichen Fürsprecher des Regimes eliminieren und die Schuld dem Regime in die Schuhe schieben.

Wer war Muhammed Said Ramadan al-Bouti?

Ramadan al-Bouti wurde 1929 in Cizre (Türkei) geboren. Er gehörte zu den bekanntesten und einflussreichsten sunnitischen Gelehrten. Er war 1933 zusammen mit seinem Vater aufgrund der politischen Lage in der noch jungen türkischen Republik nach Syrien ausgewandert. Die gesamte Familie wurde in Damaskus heimisch. Al-Bouti studierte an der Scharia Fakultät der bekannten Al-Azhar Universität in Kairo. Später wurde er zum Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Damaskus und hatte den Vorsitz im syrischen Gelehrtenrat inne. Er hat mehrere Bücher zum Thema Fiqh, Kalam und Islamische Geschichte verfasst.

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