NRW: Islam-Lehrer mit Lehrerlaubnis

Islam-Unterricht gibt es in Nordrhein-Westfalen schon länger. Bekenntnisorientierten Islam-Unterricht in dieser Form allerdings erst seit dem Schuljahr 2012/2013. Nordrhein-Westfalen ist damit bundesweit Vorreiter in der Frage um den Islamischen Religionsunterricht an staatlichen Schulen.

Die ersten Religionslehrer selbst hatten allerdings nur eine vorübergehende Lehrerlaubnis für das Schuljahr 2012/2013 erhalten, damit der Unterricht auch sofort zu Beginn des Schuljahres starten konnte. Erst heute wurde in einer feierlichen Zeremonie die Lehrerlaubnis, durch den Beirat für islamischen Religionsunterricht, an die Lehrkörper übergeben.

Bei der feierlichen Übergabe war auch NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) anwesend und erklärte: „Ich freue mich, dass die ersten 60 Lehrkräfte ihre Unterrichtserlaubnis durch den Beirat erhalten haben und gratuliere allen Lehrerinnen und Lehrern herzlich. Mit ihrer Unterstützung konnten wir den islamischen Religionsunterricht bereits an 33 Grundschulen in NRW einführen. Ab dem Schuljahr 2013/2014 werden wir mit dem Fach auch an den weiterführenden Schulen starten können. Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens erhalten so die Möglichkeit, ihre Religion in den Schulen zu leben und sich mit ihr auseinanderzusetzen.

Kritik am Beirats-Modell

Das “Gesetz zur Einführung von islamischem Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach” sieht unter anderem auch die Einrichtung eines Beirats für den islamischen Religionsunterricht vor. Der Beirat vertritt dabei die Islamischen Religionsgemeinschaften und ihre Anliegen bei der Einführung des islamischen Religionsunterrichts. Gleichzeitig ist der Beirat auch an der Erstellung von Lehrplänen, Richtlinien und Rahmenvorgaben für den islamischen Religionsunterricht beteiligt. Im jetzigen Beirat für den islamischen Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen sitzen Prominente Persönlichkeiten des Islam und des muslimischen Lebens in Deutschland.

Am Modell des Beirats für Islamischen Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen gibt es aber auch Kritik. Es geht dabei eher um die Zusammensetzung des Beirats und um einzelne Punkte der Geschäftsordnung. So bemängelt die prominente liberale Muslima Lamya Kaddor, dass im Beirat nur die großen muslimischen Religionsgemeinschaften vertreten sind. Sie sieht darin eine Gefahr, dass nur eine bestimmte Lesart des Islam den Kindern im islamischen Religionsunterricht in NRW vermittelt werden könnte. Ein weiterer Punkt des Anstoßes für Lamya Kaddor ist auch die Tatsache, dass die Lehrkörper sich bescheinigen lassen müssen, dass sie am Gemeindeleben einer muslimischen Gemeinde teilnehmen.

Dabei wird von den Religionsgemeinschaften deutlich darauf hingewiesen, dass das Fach Islamischer Religionsunterricht natürlich bekenntnisorientiert ist und deshalb auch nur von Muslimen erteilt werden soll, die auch wirklich glauben. Ein Nachweis über ein aktives Gemeinde-Leben sei daher nur folgerichtig. Auch scheint es nicht so schwer zu sein, eine solche Bestätigung zu erhalten, wie Insider berichten.

Der Beirat für Islamischen Religionsunterricht besteht aus 8 Personen. Vier davon wurden im Einvernehmen mit den Religionsgemeinschaften durch den Staat berufen. Vier weitere von den Religionsgemeinschaften DITIB, VIKZ, ISLAMRAT und ZMD ernannt.

Wer trägt die Verantwortung?

Anders als wenn die Islamischen Religionsgemeinschaften selbst Religionslehrer ausbilden würden, ist die Lösung in Nordrhein-Westfalen sehr kompliziert gestrickt. Beispielsweise werden die Religionslehrer von universitären Einrichtungen ausgebildet, eingestellt werden sie vom Land und ihre Lehrerlaubnis erhalten sie vom Beirat und damit von den Religionsgemeinschaften. Natürlich stellt sich dann die Frage wer verantwortlich ist, wenn es zu Problemen beim Islamischen Religionsunterricht kommt.

Zum einen wird darauf verwiesen, dass der erste Ansprechpartner in solchen Fällen, natürlich die Schule des Lehrkörpers selbst sei, zum Anderen aber auch darauf, dass die Schulbehörde in Verbindung mit den Religionsgemeinschaften angesprochen werden kann. Es kommt dabei auch auf die Form der Probleme an. Gerade Glaubens- und Bekenntnis-Fragen sollten dann der Religionsgemeinschaft, die hoffentlich im Beirat vertreten ist, gemeldet werden. Diese wiederum müsste sich dann an die Schulbehörde wenden.

Zugeständnis der Religionsgemeinschaften sehr groß

Die komplizierte Struktur für den Islamischen Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen ist durchaus, wie auch die Schulministerin Sylvia Löhrmann zugibt, noch gewöhnungsbedürftig. Man wollte aber gerade als Land schnell mit der Umsetzung beginnen und hat dafür natürlich auch rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen. Diese sollen eigentlich nur vorübergehend sein und später von endgültigen Lösungen abgelöst werden.

Doch selbst bei einer solchen Konstruktion hat man den Religionsgemeinschaften einiges abgefordert. Das “Gesetz zur Einführung von islamischem Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach” hat die Religionsgemeinschaften quasi dazu gezwungen ihren eigenen Status zu negieren um am Religionsunterricht im Land beteiligt zu sein. So sprach die Schulministerin heute beispielsweise auch nur von Organisationen oder Verbänden statt von Religionsgemeinschaften. Ähnlich wird der Status der Religionsgemeinschaften durch das Gesetz auf Organisationen heruntergestuft. Warnungen einzelner muslimischer Religionsgemeinschaften in dieser Richtung, wurde von den beteiligten Akteuren ignoriert.

Begriff “Idschaza” ist irreführend

Die erteilte Lehrerlaubnis wird vom Beirat für Islamischen Religionsunterricht als “Idschaza” bezeichnet. Dies ist eigentlich eine Relativierung eines islamischen Lehrerlaubnis-Modells, dass ursprünglich sehr hohe und harte Anforderungen an den Schüler stellt. Der Begriff der Idschaza war dabei stellvertretend für ein Diplom, dass ein Schüler von seinem Lehrer erhielt, wenn er ein bestimmtes Lehr-Buch und die darin festgehaltenen Dinge soweit verinnerlicht hatte, dass er in der Lage war selbstständig zu unterrichten und das Wissen weiterzugeben. Er durfte dann aber auch nur zu diesem Thema lehren.

Der Begriff der Idschaza wird derzeit gerade im Zusammenhang mit den neuen Fakultäten für Islamische Theologie und Islamischen Religionsunterricht inflationär gebraucht und macht diesen Umstand des jahrelangen intensiven Studiums etwas kaputt, in dem er die Anforderungen an eine Idschaza relativiert. Von einer Lehrerlaubnis zu sprechen ist daher nur naheliegend und empfehlenswert.


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