Einfach nur Krank: Das Deutsche Gesundheitssystem

Die Patientin ist einem fortgeschrittenen Alter von 58 Jahren. Während eines Urlaubs-Aufenthalts hat sie sich beim Treppensteigen etwas zu sehr angestrengt. Seitdem hat sie Schmerzen im rechten Knie. Die Schmerzen sind lokal verortet im Knie. Zurück in Deutschland begibt sie sich zu ihrem Hausarzt. Dieser überweist sie an einen Facharzt für Orthopädie.

Der Facharzt für Orthopädie macht ein Röntgen-Bild vom Knie der Patientin. Seine Diagnose lautet: Kalkablagerung im Knie. Er verschreibt der Patientin mehrere Termine zur Massage, die helfen sollen.

Mehrere Male besucht die Patientin, die Massage, kommt aber jedes Mal mit noch schlimmeren Schmerzen wieder. Sie beschwert sich beim Facharzt. Dieser erklärt ihr, dass sei völlig normal. Das werde besser. Es wird aber nicht besser.

Mittlerweile sind die Schmerzen so schlimm, dass die Patienten kaum noch Treppen steigen kann. Besonders das Treppen-Runter-Steigen fällt ihr besonders schwer.

Der Hausarzt hört sich die Kritik der Patientin bei einem weiteren Besuch an und denkt sich, dass da etwas nicht stimmen kann und gibt ihr erneut eine Überweisung. Diesmal zu einem anderem Facharzt, der allerdings in Kreisen von Orthopäden als Experte gilt.

Dieser lässt auch ein Röntgen-Bild machen, kommt aber nicht zum ähnlichen Schluss wie sein voriger Kollege. Er ordnet eine sogenannte Kern-Spin-Tomografie, was oft als MRT bezeichnet wird, an. Für die MRT muss sich die Patienten um zwei Wochen gedulden. Es wird ein Bild gemacht.

Der Experte weist die Patienten bereits ohne auf das Bild zu gucken in eine Klinik ein – die einen privaten Träger hat. Der Arzt bei der privaten Klinik behandelt nur in Ausnahmefällen, die dringend sind, Patienten die bei der gesetzlichen Krankenkasse versichert sind. Allerdings scheint hier ein klarer Verdacht vorzuliegen. Der Riss im Innenmeniskus im Knie wird vom Experten allein anhand der Beschreibung vermutet. Dem stimmt auch der Klinik-Arzt zu, nachdem er die Patienten erst einmal untersucht.

Doch jetzt kommts: Beim MRT wurde nicht das rechte Knie abgebildet, sondern das linke Knie. Der Patientin ist das gar nicht aufgefallen. Dem Arzt aber schon. Weil aber die Privat-Klinik von der gesetzlichen Krankenkasse MRT-Untersuchungen nicht bezahlt bekommt, muss die Patientin erneut zum MRT eingewiesen werden, und das wieder über ihren Facharzt.

Tatsächlich bekommt sie beim zweiten Anlauf die richtigen Bilder und diese Belegen auch, dass es einen Riss im Innenmeniskus gibt. Dies ist häufig mit einer Operation, mit geringen Risiken, sehr leicht zu beheben. Die Operation selbst dauert 30 Minuten, nach der OP kann die Patientin dann auch schon erstmal wieder normal gehen. Nach zwei Wochen ist eine vollständige Heilung bereits möglich.

Die Patientin selbst musste ganze 3 Monate bis zur endgültigen Diagnose warten. Mehrere Ärzte wurden gewechselt und immer wieder wurden Fehler gemacht, sei es bei der Diagnostik oder der Aufnahme vom Knie.

Das Deutsche Gesundheitssystem verliert in dieser Hinsicht Gelder, weil Ärzte nicht die richtige Diagnose stellen können, und weil auch Mittel gekürzt werden, weil man sparen möchte.

Die Leidtragenden sind die Patienten. Dabei wäre es ein leichtes gewesen die richtige Diagnose zu stellen. Die Kernspin-Tomographie wird allerdings beispielsweise oft von den Ärzten nicht angeordnet, weil sie sehr teuer ist und Kassen immer wieder Ärger machen, wenn man diese einfach so verordnet. Doch allein die Merkmale und auch die Diagnostik hätten nichts anderes zulassen dürfen. Auch verwundert, dass der eine Arzt im Röntgen-Bild etwas sieht, was der andere nicht sieht. Eigentlich sind Röntgenbilder so nicht falsch interpretierbar.

Melden kann man keinen der Ärzte. Gefuscht haben sie in diesem Sinne nicht. Eine falsche Diagnose macht nicht unbedingt haftbar, und die Nachweisbarkeit ist kaum gegeben. Das andere Problem ist auch: Selbst wenn man diese Ärzte meldet, passiert in 90% aller Fälle Nichts. Die Ärztekammer meidet es in aller Regel, Ärzte, die auch wirklich Mist gebaut haben, vom Beruf auszuschließen. Oft werden damit weitere Unzulänglichkeiten befördert. Das System leidet darunter, der Staat auch, aber keiner kann das Leid zahlreicher Patienten, die eine falsche Diagnose gestellt bekommen haben, aufwiegen. Interessanterweise sparen sich die Kassen aber im Gegenzug mehrere Milliarden Euro zusammen. Eine bessere Patientenversorgung wird aber mit diesem Geld nicht ermöglicht, was durchaus möglich wäre.


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