Annette Schavan: Uni Düsseldorf entzieht Doktor-Titel

Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf hat heute entschieden die schriftliche Promotionsleistung von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) für ungültig zu erklären und ihr den Doktor-Titel zu entziehen. Schavan kündigte bereits Klage an. Rücktritt vom Amt ist nicht ausgeschlossen.

Es ist ein Debakel für die Bildungsministerin. Die Universität Düsseldorf erkennt Annette Schavan (CDU) den Doktor-Titel ab. Jetzt ist das eingetreten, was bereits Fachleute nicht ausgeschlossen hatten. Der Fall Schavan ist umso ärgerlicher, weil die Politikerin für die CDU im Bundestag sitzt und anscheinend nachweislich bei ihrer Doktor-Arbeit plagiiert hat.

Der Fall wurde durch das anonyme Blog schavanplag publik. Ein Blogger der zuerst auf vroniplag versucht hatte die Macher dazu zu bewegen die Doktor-Arbeit der Bildungsministerin genauer unter die Lupe zu nehmen hat quasi in eigener Recherche und Regie eine Überprüfung der Dissertation von Annette Schavan erreicht. Nach mehreren kleineren Skandälchen bei der Aufarbeitung der Doktor-Arbeit wurde heute das endgültige Ergebnis der Untersuchung durch den Fakultätsrat bekannt.

Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf hat in seiner heutigen Sitzung über den Entzug des Doktor-Titels beraten. Grundlagen waren der Vorbericht des Promotionsausschusses, sowie eine Stellungnahme von Annette Schavan selbst. Dazu wurden dann auch zwei erziehungswissenschaftliche Stellungnahmen, die von Schavan eingereicht wurden, mit berücksichtigt.

Der Fakultätsrat hat dieses Material eingehend geprüft und gelangte heute zu einer Entscheidung. Dabei wurde vor allem festgestellt, dass es keiner weiteren zusätzlichen auswärtigen Gutachten in dem Fall bedarf. Gleichzeitig wurde auch darüber diskutiert, ob in den 80er Jahren andere Zitierrichtlinien galten als heute, wie von der Betroffenen dargestellt. Auch dies wurde vom Fakultätsrat so nicht angenommen. Damals wie heute waren die Zitierrichtlinien quasi identisch. Damit wurde auch abgelehnt andere Maßstäbe an die Doktor-Arbeit von Schavan anzulegen als gemeinhin üblich.

Der Fakultätsrat hat dann die Vorlage des Promotionsausschusses übernommen und damit auch die Auffassung, dass in der Dissertation von Annette Schavan in “bedeutendem Umfang nicht gekennzeichnete wörtliche Übernahmen fremder Texte zu finden sind.” Damit kam der Fakultätsrat ebenso zu dem Ergebnis, dass Annette Schavan systematisch und vorsätzlich plagiiert hat. Die Stellungnahme von Schavan konnte an diesem Gesamtbild nichts ändern. Die Dissertation wurde als vorsätzliche Täuschung gewertet.

Im Endeffekt kam man schließlich zu der Übereinkunft, dass Schavan der Doktor-Titel aberkannt wird. Dabei stimmten von den 12 Mitgliedern des Fakultätsrates 9 für die Aberkennung, zwei dagegen und eine Person enthielt sich.

Annette Schavan kündigte Klage an – Rücktritt nicht ausgeschlossen

Schavan will gegen die Entscheidung des Fakultätsrates klagen und auf ihren Doktor-Titel beharren. Die Klage dürfte allerdings wenig Aussicht auf Erfolg haben. Zu schwerwiegend sind die Vorwürfe, und man muss konstatieren, dass die Universität Düsseldorf sich sehr viel Zeit genommen hat, mehr als üblich, um die Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen zu prüfen.

Gleichzeitig darf diese Ankündigung allerdings auch so verstanden werden, dass Schavan an ihrer Position innerhalb der Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel festhält. Die Bundesbildungsministerin sucht die Offensive und möchte sicherlich nicht im Wahljahr 2013 eine Last für die Bundeskanzlerin und die CDU werden. Angela Merkel hatte Schavan während der Diskussion um die Vorwürfe immer wieder demonstrativ den Rücken gestärkt und in Schutz genommen. Allerdings dürfte sich die Kanzlerin in den nächsten Tagen sicherlich nicht mehr so solidarisch mit der Ministerin zeigen. Es ist der zweite prominente Fall bei dem einem Regierungsmitglied nachgewiesen werden konnte, dass es nachweislich bei der eigenen Dissertation getäuscht hat.

Der Fall Schavan ist jetzt eine schwere Last für die gesamte Bundesregierung und erst Recht für Angela Merkel. Man hat darauf gehofft, dass es nicht zum Entzug des Doktor-Titels kommt. Im Wahljahr macht es sich nicht gerade gut, wenn die Bildungsministerin der Republik beim schummeln erwischt wurde. Es ist auch kein gutes Signal das nach außen hin transportiert wird. Eine Bildungsministerin die nachweislich getäuscht hat, wird nicht ernst genommen und macht sich nur noch lächerlich. Die Ankündigung von Schavan zu klagen, würde an der Unabhängigkeit der Lehre und der Forschung zweifeln lassen, sollte sie tatsächlich erfolgreich sein.

An sich dürften die politischen Berater von Schavan, aber auch die Wahlkampf-Strategen der Union, demnächst der Ministerin anraten, den Fall auf sich beruhen zu lassen und von ihrem Amt zurückzutreten. Schavan selbst hatte angekündigt für die nächste Legislaturperiode wieder in den Wahlkampf zu ziehen – aber auch etwas kürzer zu treten, was die Politik im Land angeht.

Der Druck in Richtung der Bildungsministerin aus der Gesellschaft aber auch der Opposition dürfte sich in nächster Zeit, auch wenn in den letzten Wochen mehr solidarische Stimmen zu hören waren, deutlich erhöhen. Die Vorwürfe und das Ergebnis sind schwerwiegend und belastend. Rücktritt ist nicht mehr ausgeschlossen und nur noch eine Frage der Zeit.

Quelle: PM-Universität Düsseldorf


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