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Einwanderung: Migrationsbericht 2011 vorgestellt

Der Migrationsbericht 2011 wurde gestern vom Bundeskabinett verabschiedet und schließlich veröffentlicht. Der Zuzug in die Bundesrepublik Deutschland ist gestiegen, allerdings auch die Zahl der Türken in Deutschland – um fast eine halbe Million…

Einwanderung durch EU-Bürger stark angestiegen

Deutschland ist auch im Jahr 2011 ein beliebtes Einwanderungsland geblieben. Die meisten Einwanderer (172.676) kamen aus Polen. Tatsächlich hat der Zuzug aus Staaten innerhalb der EU deutlich zugenommen. Neben Polen tauchen Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Italien auf den nächsten vier Plätzen auf. Darüber hinaus hat auch der Zuzug aus den Krisen-gebeutelten Ländern Griechenland und Spanien extrem zugenommen.

Eine halbe Million Türken mehr in Deutschland

Interessant ist auch, dass die Zahl der Auswanderer aus den Vereinigten Staaten, der Türkei, Norwegen und insbesondere der Schweiz, die Zahl der Einwanderer nach Deutschland übersteigt.

Gerade bei den Schweizern ziehen deutlich mehr Leute aus Deutschland aus, als einwandern. Auch der Mythos, dass viele Türken nach Deutschland ziehen würden, bestätigt sich nicht. Bei 31.021 Personen die eingewandert sind, sind 32.756 Personen ausgewandert. Damit hat die Zahl der Türken in Deutschland reell abgenommen.

Trotzdem ist die erfasste Zahl der Türken in Deutschland offiziell um fast eine halbe Million angestiegen. Hintergrund ist eine neue Methode der statistischen Erfassung, wie der Mediendienst Integration berichtet. [1. Eine halbe Million mehr "Türken"]

Türken fühlen sich unwohl in Deutschland

Die neue Generation von Türken fühlt sich in Deutschland unwohl. Wer gut qualifiziert ist und es satt hat auf dem deutschen Arbeitsmarkt diskriminiert zu werden, zieht zurück in das Ursprungsland seiner Eltern. Tatsächlich boomt die Wirtschaft in dem EU-Beitrittsland und die Möglichkeiten für schnelle Aufstiege sind extrem gut.

Seit 2006 ist ein solcher Trend zu beobachten, der weiterhin anhält – obgleich die Zahl der Türken die auswandern ein wenig abgenommen hat, ist das Problem bekannt. Die Bundesregierung tut aber nichts gegen diesen Umstand und versucht auch gar nicht erst gegenzusteuern. Dabei verliert die Bundesrepublik allerdings wirklich nur die schlauen Köpfe. [2. Fachkräftemangel: Türkische Talente wandern ab]

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Hauptgründe für Einwanderung: Familie, Job und Studium

EinwanderungsgründeInsgesamt wanderten im Jahr 2011 265.728 Personen in die Bundesrepublik ein. Davon waren 20,8% aus familiären Gründen, 14,0% aus beruflichen Gründen und 13,8% aus universitären Gründen eingewandert. Eine hohe Zahl von Personen sind zudem illegal in die Bundesrepublik gekommen.

Interessant ist auch, dass die Zahl der Asylbewerber um 11% angestiegen ist, auch wenn sie beim Gesamtzuzug eine kleine Rolle spielt. Die meisten Asylbewerber kamen aus Staaten wie Afghanistan, dem Irak und Serbien.

Illegale Einwanderung soll bekämpft werden

Innenminister Hans-Peter Friedrich hat bereits angekündigt, angesichts der neuesten Zahlen, neue Vorkehrungen gegen die illegale Einwanderung nach Deutschland zu treffen. Er schlug zudem, laut heutigen Medienberichten, ein neues Zuwanderungs- und Überwachungsmodell vor, dass sich stärker nach dem US-Vorbild orientiert. Dies würde allerdings bedeuten, dass man die Grenzen innerhalb der EU stärker beobachten müsste. Ob das wirklich gegen die illegale Einwanderung oder die Kriminalität innerhalb der EU hilft, darf bezweifelt werden. [3. Friedrich fordert Einreise-Registrierung nach US-Vorbild]

Kritisch muss man anmerken, dass der Innenminister erneut gut brüllt, aber bei den Ideen eigentlich inhaltlich keine Akzente setzen kann. Stattdessen wird polemisch versucht von anderen Brandherden abzulenken. Es ist mal wieder so, dass die Ausländer zum Sündenbock erklärt werden, obgleich die wirtschaftlichen Probleme innerhalb der EU von diesen kaum beeinflusst werden.

Die Arbeitslosigkeit ist in Deutschland erneut angestiegen und damit auf einem der höchsten Stände seit zwei Jahren. Die Zahl dürfte angesichts der Berechnungen der Bundesregierung weiter zunehmen. [4. Jahreswirtschaftsbericht 2013: Deutschland steht schlimmste Phase der Krise noch bevor]

Weiterführende Links
Link: Migrationsbericht 2011
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