Plagiatsvorwürfe gegen Annette Schavan – Zu viel Nachsicht durch die Universität Düsseldorf?

Heute gab es eine enorme mediale Solidaritätswelle mit Bundesministerin Annette Schavan. Fast alle Feuilletons und viele Kolumnisten, bis hin zu Politikern solidarisieren sich quasi mit der Bundesbildungsministerin. Dabei wird der Universität Düsseldorf vor allem vorgeworfen, diese lasse sich im Verfahren wegen des Verdachts auf ein Plagiat viel zu viel Zeit.

Es heißt immer: Vor dem Gesetz sind alle gleich. Ebenso wird immer behauptet, dass im Bereich der Bildung alle Menschen gleich behandelt würden. Fakt ist, dass es nicht immer so zugeht. Im Gegenteil: Hat man eine wichtige Position innerhalb der Gesellschaft inne, wird man häufig mit Sonderbehandlungen überschüttet. Das gilt ebenso für einen Popstar, als auch für Politiker in einem wichtigen Amt.

Annette Schavan hat ein solches Amt inne. Als Ministerin für Bildung und Forschung wird sie geachtet und zählt zu den beliebteren Kabinettsmitgliedern in der Regierung von Angela Merkel. Und nun ist diese Person beschädigt.

Es begann alles mit einem anonymen Plagiatsjäger. Dieser hatte in der Doktor-Arbeit von Annette Schavan Unregelmäßigkeiten bemerkt, diese mit anderen Plagiatsjägern geteilt, aber keine Zustimmung erhalten. Er ließ sich jedoch nicht einschüchtern und veröffentlichte seine Erkenntnisse über das mögliche Plagiat von Annette Schavan auf einem eigenen Blog. [1. SchavanPlag]

Die öffentlich vorgetragenen Vorwürfe waren dermaßen publik platziert worden, dass man die Vorwürfe zumindest prüfen musste. Fast alle Medien berichteten in der Folge über das Blog, bzw. zumindest über die Vorwürfe. Der Plagiatsjäger selbst hält sich bedeckt, sodass Annette Schavan auch nicht gegen die Person hinter dem Blog vorgehen konnte, geschweige denn sich mit den Vorwürfen auseinanderzusetzen.

Stattdessen versuchte die Universität Düsseldorf zu klären, ob Annette Schavan tatsächlich bei ihrer Doktor-Arbeit betrogen hat oder nicht. Seit mehreren Monaten dauert das Verfahren an, es gab schon mehrere kleine Skandälchen und weiterhin gibt es kein endgültiges Ergebnis.

Es wird immer noch ergebnisoffen geprüft.

Natürlich fragt man sich da als einfacher Mensch: Warum dauert das eigentlich so lange? Ein neutrales und unabhängiges Gutachten über die Doktor-Arbeit dürfte auf keinen Fall so lange brauchen. Gleichzeitig fragt man sich bei der Geschichte auch, wer hier versucht etwas zu vertuschen.

Mit der Verzögerungs-Taktik, die von der Universität, aus meiner Sicht, gefahren wird, hilft oder schadet man (je nachdem wie man es sieht) sogar Annette Schavan.

Wenn sie wirklich betrogen hat, dann hilft diese Verzögerung vor allem der CDU und Angela Merkel. Im Wahljahr kann man es nicht gebrauchen, dass schon wieder eine Ministerin aufgrund eines Plagiats von ihrem Amt zurücktritt. Jedenfalls nicht, wenn es eine Annette Schavan ist.

Auf der anderen Seite kann es aber auch sein, dass wirklich nichts an den Vorwürfen dran ist, und man die Sache wirklich übertrieben hat. In diesem Fall wäre aber Schavans Ruf völlig unnötig in Mitleidenschaft gezogen worden.

Annette Schavan kann so jedenfalls nicht ihr Amt gut ausüben. Zu schwer wiegen die Vorwürfe. Es ist aber falsch sie in Schutz zu nehmen. Schavan könnte selbst zur Aufklärung beitragen, hat aber auch in der ganzen miesen Tour die da gegen sie gelaufen ist, mit ihrem Anwalt auch einiges verzögert.

Ohne die Zustimmung ihrer Anwälte durfte die Universität Düsseldorf keine Informationen mehr herausgeben. Und jüngst bestätigte ein Gutachten, dass die Universität Düsseldorf richtig gehandelt habe. [2. Plagiatsverfahren gegen Schavan: Gutachter entlastet Uni Düsseldorf]

Das jetzt die Feulleitons und Kommentatoren der Medienlandschaft Annette Schavan in Schutz nehmen, weil die Universität wieder lange braucht um ein Ergebnis zu liefern, ist eine krumme Tour. Die meisten verkennen hierbei, dass sie es selbst waren, die dafür gesorgt haben, dass der Prozess viel zu lange dauert – nicht zuletzt auch mit ihrer Berichterstattung über vertrauliche Inhalte aus den ersten Gutachten.

Es ist mal wieder eine Sonderbehandlung da. Statt einer sachlichen Berichterstattung wird Partei ergriffen. Das ist aber nicht hilfreich und verkennt, dass es durchaus berechtigten Verdacht in der Sache gibt. Zwar gilt die Unschuldsvermutung, aber die Vorwürfe, allen voran die von SchavanPlag, sind nicht ausgeräumt. Es braucht daher keine in Schutznahme.

Annette Schavan hätte lieber ihr Amt selbst ruhen lassen müssen, als die Vorwürfe bekannt wurden. Stattdessen setzt die Politikerin, die eh bald ihre Karriere und Laufbahn in der Politik beenden möchte, darauf, die ganze Sache auszusitzen. Heute hat sie sogar in mehreren Interviews endlich auch mal eindeutig Position bezogen. Sie bestreitet vehement, dass ihre Doktor-Arbeit ein Plagiat sei.[3. Ministerin Schavan: "Meine Dissertation ist kein Plagiat"]

Für die Aufklärung in der Sache trägt Annette Schavan aber aus meiner Sicht nichts bei. Da brauchen wir dann keine Feuilletonnisten, die sie in Schutz nehmen. Wir brauchen Autoren, die endlich das aussprechen, was die Menschen wissen sollten. Die Vorwürfe gegen Schavan sind erdrückend und entkräften konnte sie diese bisher nicht.


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