Helfen Studiengebühren eigentlich?
Es gibt ja viel Kritik an Studiengebühren. Dieser Kritik kann ich mich größtenteils auch anschließen, allerdings nicht wegen der Gebühren, sondern eher wegen der Verwendung dieser Gebühren.
In Hamburg waren Studiengebühren lange Zeit kein Thema, bis die CDU sie einführte und fortan von jedem Studenten 500 € jedes Semester zusätzlich wollte. Die Schwarz-Grüne Regierung unter Ole von Beust sorgte dann schließlich dafür, dass die Studiengebühren nur auf 375 € gesenkt wurden, obwohl die Grünen im Wahlkampf damals noch lauthals eine komplette Abschaffung gefordert hatten. Einige Realos bezeichneten dann diesen Schritt als Realpolitik. Doch die SPD zeigt es nun allen, indem sie unter Olaf Scholz wieder die Studiengebühren abschafft – und sie hält dabei ihr Wort vom Wahlkampf.
Die einhellige Meinung die sich aus diesen Jahren der Studiengebühren in Hamburg ergeben haben, sieht einfach aus. Die Studiengebühren haben die Qualität des Studiums nicht angehoben. Das liegt aber nicht an den Studiengebühren – sondern an der Hochschulpolitik.
Um es klar und deutlich zu sagen, ich bin ein Gegner der Studiengebühren gewesen und bin es auch weiterhin. Aber ich hätte mir gewünscht, dass man Studiengebühren, wenn man sie denn schon erhebt, auch sinnvoll benutzt.
In Hamburg wurden Studiengebühren weitestgehend nicht zur Qualitätssteigerung genutzt. Stattdessen hat man in neue Hörsäle, neue Computer und neue Ausstattung für Dozenten investiert. Das wirkt sich nicht auf die Studenten aus, da diese Dinge nichts daran ändern, dass Kurse überfüllt sind, oder eben nur einzelne Kurse statt doppelten angeboten werden.
Am einfachsten zeigt sich das in den bekannten Kursen. Statistik, Mathematik aber auch solche wie Kosten- und Leistungsrechnung sind seit Jahren von mehreren Hundert Studenten besucht. Oftmals sind die Räumlichkeiten in vielen anderen Kursen auch überfüllt, sodass der Platz einfach nicht reicht.
Seit der Einführung von Stine hat sich auch daran nichts geändert, obwohl man im Voraus durchaus durch die Anmeldungen geeignete Räume und Kurse schaffen könnte. Stattdessen geht es weiter mit Business as Usual.
Was nützen aber einem die neueste Technik und Super-Neue Computer, wenn die Kurse nicht belegt oder besucht werden können?
In einer Vorlesungsstunde drückte es unser Ökonomie-Professor, der jetzt demnächst den Hut nimmt, folgendermaßen aus: Die Uni-Leitung investiert lieber in Computer und Ähnliches, weil diese Dinge nicht mehr mit Folgekosten verbunden sind. Neue Dozenten und neue Kurse, ebenso wie Tutorien, sind mit Folgekosten verbunden und das möchte man nicht.
Das jetzt das Bundesbildungsministerium auf Spiegel Online nachlesbar 1 behauptet, es wisse nicht, ob Studiengebühren überhaupt helfen die Qualität des Studiums steigern, liegt mitunter an diesem Phänomen.
Ich selbst habe an meiner Fakultät keine Verbesserung gesehen. Im Gegenteil. Konnte man noch am Anfang des Studiums von den Dozenten gedrucktes Material erhalten, bis zu 100 Seiten im Monat sogar selbst drucken (und das alles ohne Studiengebühren), ist es jetzt zum Ende des Studiums nur noch gegen 5 cent pro Seite möglich (und das bei qualitativ schlechterem Papier).
Zudem wurden viele Vorlesungsfächer abgeschafft und manche Kurse werden nur noch alle zwei Semester angeboten, was man nicht so war.
Hätte man die Studiengebühren sinnvoll in Hamburg eingesetzt, dann hätte ich das jedenfalls gemerkt… Und ich hätte das auch zugegeben… So aber bin ich weiterhin maßlos von enttäuscht und sauer… Mein Geld wurde zum Fenster rausgeschmissen und ich hab nichts davon gesehen, ebenso wenig wie andere…
- Siehe: Spiegel Online ↩




Kennt sich aus mit den Themen Islam, Politik und Internet. Schießt für sein leben gerne Fotos und bearbeitet sie anschließend am Bildschirm. War jahrelang in der muslimischen Jugend- und Studentenarbeit aktiv.



