Krankenhäuser

Ich mag Krankenhäuser so gar nicht… Das liegt wohl auch an einem Trauma, dass ich bis heute nicht gänzlich verarbeitet habe… Aber es liegt auch an der Inkompetenz vieler Notfallstationen… Ich weiß gar nicht wie lange es eigentlich her ist. Ich weiß nur noch, dass ich in der Bahn war, ziemlich angefressen, wegen irgendwas, und [...]

Ich mag Krankenhäuser so gar nicht… Das liegt wohl auch an einem Trauma, dass ich bis heute nicht gänzlich verarbeitet habe… Aber es liegt auch an der Inkompetenz vieler Notfallstationen…

Ich weiß gar nicht wie lange es eigentlich her ist. Ich weiß nur noch, dass ich in der Bahn war, ziemlich angefressen, wegen irgendwas, und unterwegs nach Hause. Auf der Höhe zur Veddel sprach mich Jemand an – es war ein sehr alter Bekannter, den ich schon länger nicht mehr gesehen hatte. Er musterte mich sehr stark und dann sagte er mir die Dinge, die meinen persönlichen Umstand erst einmal vergessen ließen.

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Mehrere Freunde und Bekannte waren gemeinsam an diesem Tag mit dem Umzug einer muslimischen Einrichtung beschäftigt gewesen. Nachdem sie nun quasi fertig waren, entschieden sie sich – auch um Zeit zu sparen – alle gemeinsam im Umzugstransporter hinten Platz zu nehmen und zur Moschee zu fahren.

Es ist wie so oft bei Erzählungen solcher Art, die Umstände ergeben sich, Dinge werden berichtet und erzählt. Einiges ist völliger Schwachsinn, anderes tatsächlich wahr… Bis heute streiten sich die Teilnehmer dieser Fahrt darum, was wirklich passiert ist. Es gibt mehrere Varianten der Geschichte.

In allen endet sie aber damit, dass ein Freund von uns vom Transporter bei der Fahrt fällt und mehrmals mit dem Hinterkopf gegen den Asphalt knallt.

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Im Krankenhaus angekommen suchte ich die Intensivstation auf – man ließ mich, wie nicht anders zu erwarten, nicht rein. Ich konnte aber durch einen glücklichen Umstand etwas über den Umstand des Freundes erfahren. Er lag im Koma. Noch konnte man nicht wirklich abschätzen ob er überhaupt je wieder wach werden würde.

Die Ärzte erlaubten der Familie und auch uns ein paar Minuten um ihn zu besuchen. Die Mutter schrie auf und wurde völlig hysterisch als sie die Jugendlichen die mit ihm im Transporter saßen sah. Sie schrie immer wieder: “Ihr habt meinen Sohn getötet! Ihr habt meinen Sohn getötet!”

Als ich bei ihm war, hielt ich seine Hand, ich sagte seinen Namen, seine Augen drehten sich, so als würde er mich anschauen… Ich lächelte, sagte nichts und ging… Die Mutter schrie nach draußen: “Er hat ihn erkannt. Er hat ihn erkannt.”

Er wurde zwar wieder gesund, aber er war nicht mehr der Freund, den ich kannte… Ich habe fast ganze sechs Wochen auf seine Genesung gewartet und während dieser Zeit vieles verloren, was mir wichtig war… Ich trauere diesem Verlust nicht hinterher… Aber einem guten Freund…

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Seitdem mag ich Krankenhäuser nicht… Krankenbesuche schon gar nicht… Erst kürzlich saß z.B. ein Bekannter im Krankenhaus wegen einer Nasen-OP. Während andere die Besuche lang hielten, hielt ich sie sehr kurz… Vielleicht war ich gerade mal fünf Minuten bei ihm, um ihm Genesungswünsche zu überbringen und wieder zum Fahrstuhl zu gehen…

Auf der anderen Seite, sind Besuche der Notfallstationen und Notfallaufnahmen leider irgendwie Teil meiner letzten Jahre gewesen… Ja, ich könnte sogar einen Jahresrückblick mit meinen AUfenthalten in den Notfallstationen erstellen… Aber lassen wir das…

Was mir nur missfällt ist, dass es wirklich ein Problem mit der Krankenversorgung in Deutschland gibt. Vor allem privatisierte Krankenhäuser (wie z.B. in Hamburg der Fall mit den Asklepios Kliniken, die die Landeskrankenhäuser vor einigen Jahren übernommen haben) glänzen oftmals durch Inkompetenz. Wartezeiten von bis zu 10 Stunden sind keine Ausnahme mehr – obwohl ein Notfall vorliegt.

Gestern z.B. ging es meiner Frau urplötzlich in der Nacht sehr schlecht. Direkt ins Krankenhaus gefahren, sie konnte sich kaum auf den Beinen halten und was ist? Nichts ist… Erst einmal Platz nehmen und darauf warten, bis man an der Reihe ist. Solange man nicht gerade zehn Liter Blut aus den letzten verbliebenen Adern verliert ist nämlich alles kein wirklicher Notfall für die Notfallaufnahme…

Dann gibt es da auch noch die Trennung. Patienten die privat versichert sind werden auch in der Notfallaufnahme direkt bevorzugt und haben (welch wunder) einen eigenen Wartebereich. Und anders als bei uns wird der Notfall auch gleich von einem Arzt begutachtet und nicht erst von einer Schwester.

Bis die Ärztin dann kommt um dann, weil sie das Sagen hat, die vorgeschlagenen Medikamente der Schwester anzuordnen, kann es dann wieder ein bis zwei Stunden dauern.

Ich bin ein sehr geduldiger Mensch, wenn aber ein Labor zudem mehr als 3 Stunden für die Analyse von entnommenen Blut braucht, dann platzt mir der Kragen.

All das sind vor allem bei privaten Einrichtungen, die nicht zum Staat gehören oder nicht von der Kirche getragen werden, an der Tagesordnung. 10 Stunden hab ich gestern gewartet, dass letzte mal 6 Stunden, davor auch 8 Stunden.

Und daran sind nur z.T. die Krankenhäuser schuld. Der Staat unternimmt nichts gegen diese Engpässe. Z.B. können Kliniken Sperren für die Aufnahme von Patienten über die Feuerwehr vergeben. Diese Sperren sind dann jeweils für eine Stunde gültig. Das bedeutet in der Praxis jedoch, dass sich die Krankenhäuser mit den Sperren abwechseln – oftmals ändert das aber an der Überlastung nichts.

Seitdem vor allem private Anbieter die Krankenhäuser in Hamburg übernommen haben, geht es nicht mehr um den sozialen Aspekt der Krankenversorgung, sondern um den Profit. Ein Unternehmen muss eben Gewinne abwerfen und darunter leidet dann sowohl das Personal (z.B. statt Fachkräften, Azubis, ungelernte Aushilfen, Zeitarbeiter etc.) als auch die Patienten.

Das Politiker an diesen Umständen leider nichts ändern liegt aber auch an der Misswirtschaft der letzten dreißig Jahre. Das Sozialsystem in Deutschland wurde und wird missbraucht. Der Staat hat es allerdings nicht geschafft, sich darüber Gedanken zu machen, wie man die Systeme ordentlich und nicht behelfsmäßig reformieren könnte.

In Hamburg wurde damals sogar gegen den Wählerwillen entschieden. Es gab eine Volksbefragung in der sich die Hanseaten deutlich gegen den Verkauf des Landesbetriebs Krankenhäuser aussprachen – trotzdem hat Ole von Beust und seine CDU, dieses Vorhaben umgesetzt. Das werde ich wahrscheinlich, als Jemand, der sich ein Bild von verschiedenen Krankenhäusern in Hamburg verschaffen konnte, der CDU niemals verzeihen können.

Eine Besserung der Dinge ist aber leider nicht in Sicht…

29. Dezember 2011,

Kategorie(n): Alltag, Politik



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