Andreas Gryphius
Andreas Gryphius lebte von 1616 – 1664. Er schrieb Gedichte religiösen Inhalts, die von der Mühsal und Vergänglichkeit des irdischen Lebens erzählen. Grundmotiv in allen Gedichten ist stets die Eitelkeit und Vergänglichkeit, die vanitatum vanitas, des Barock. Er ist der bedeutendste deutsche Dramatiker vor Lessing. Er verfasste nach niederländischem, lateinischem und englischem Vorbild (Seneca, Vondel, [...]
Andreas Gryphius lebte von 1616 – 1664. Er schrieb Gedichte religiösen Inhalts, die von der Mühsal und Vergänglichkeit des irdischen Lebens erzählen. Grundmotiv in allen Gedichten ist stets die Eitelkeit und Vergänglichkeit, die vanitatum vanitas, des Barock. Er ist der bedeutendste deutsche Dramatiker vor Lessing. Er verfasste nach niederländischem, lateinischem und englischem Vorbild (Seneca, Vondel, Shakespeare) die ersten deutschen Kunstdramen mit grässlichen Mord- und Gespensterszenen in pathetischer Sprache. Seine düstere und schwermütige Lebensanschauung sieht im Dulden und Ausharren den Zweck des menschlichen Lebens, und auch seine Helden sind dulder und Märtyrer.
Biographie
Kindheit und frühe Jugend
Andreas Gryphius wurde am 2. 10. 1616 in Glogau geboren. Sein Vater war ein protestantischer Pfarrer (Archidiakon), der als Anführer der lutherischen Gemeinde an den religiösen und politischen Auseinandersetzungen der Zeit teilnahm. Seine Mutter Anna Erhard war die Tochter eines Offiziers des Herzogs von Alba. Der Vater starb am 5. Januar 1621, höchstwahrscheinlich an einer Herzkrankheit. Der Dichter beklagte den Tod seines Vaters in dem Gedicht „In einer tödlichen Kranckheit”:
… eh mich das vierdte Jahr
Der vierdte Winter fand / lag dieser auf der Bahr
Den ich mich schuldig bin / und diß mein müdes Leben ;
Er fiel durch Gifft / das ihm ein falscher Freund gegeben /
Der offt vor seinem Muth und hohen Geist erblast.
Gryphius’ Mutter heiratete ein Jahr nach dem Tode ihres Mannes am 12. April 1622 den Lehrer Michael Eder. Im Jahre 1628 traf den 11jährigen Andreas ein neuer schwerer Schicksalsschlag. Im März starb seine Mutter an der Schwindsucht. Kurz daraufkam es in Glogau zu einem neuen Streit zwischen den Katholiken und den Lutheranern. Es kam zur Besetzung der Stadt durch Soldaten die auf der Seite der Katholiken standen. Die Katholiken wollten die Pfarrkirche zurück. Die Protestanten widersetzten sich dem, mit Gewalt. Es kam zur Rekatholisierung. Standhafte Protestanten, wie der Stiefvater von Gryphius wurden ausgewiesen. Vertriebene mussten von ihrem Hab und Gut zehn Prozent Abfahrtsgeld entrichten und alle Jungen die das 15. Jahr nicht erreicht hatten, und alle Mädchen, die das 13. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten, mit dem Vermögen zurücklassen. Gryphius wurde auch mit von dieser Maßnahme betroffen. Er kam zum Herrn M. Ederus, der ein Pfarrer in Driebitz war. Driebitz war ein kleines polnisches Dorf zwischen Glogau und Fraustadt. Hier hat Gryphius „durch Anweisung seines Herrn Pflege – Vaters, und selbsteigenen Fleiß, sich in Studien höher zu bringen gesuchet”. Dank seiner Ausdauer und Begabung machte Gryphius trotz Mangel an Schulunterricht gute Fortschritte, und nach zweieinhalbjährigem Unterricht im Elternhaus beschloß man ihn auf ein Gymnasium zu schicken. Andreas ging nach ein paar Hindernissen nach Glogau. Man weiß heute nicht genau was er dort vorhatte. Man nimmt an, daß er für kurze Zeit Hauslehrer war. Doch am 26. 6. 1631 brannte die Stadt bis auf 60 Häuser nieder. Nach dem Brand wütete in der Stadt die Pest. Gryphius verließ daraufhin die Stadt und ging wieder zu seinem Bruder Paul. Am 3. Juni 1632 schaffte es Gryphius in das Gymnasium in Fraustadt zu kommen. Unbedroht vom Kriegsgetümmel konnte der 16jährige Andreas nun im Fraustädter Gymnasium sein Wissen vervollständigen und vertiefen.Bald lenkte er die Aufmerksamkeit seiner Lehrer und Mitschüler auf sich. Am 16. Mai des Jahres 1634 hat der junge Dichter der Fraustädter Schule öffentlich sein dankbares Vale ( lebe wohl) abgelegt. Gryphius begab sich mit einigen anderen Fraustädter Schülern nach Torn und von da auf einem Schiff die Weichsel hinunter nach Danzig, um dort im bekannten Akademischen Gymnasium weiter zu studieren.
Danzig
Am 23. Juni 1634 erreichte Gryphius schließlich Danzig, daß damals eine der reichsten und bedeutendsten Städte Europas und der wichtigste Umschlagplatz für den polnischen Import und Export war. Gryphius wurde in dem Haus des Admirals der polnischen Flotte Alexander von Seton, eines Schotten, Präzeptor (vom lateinischen: praeceptor), ein Lehrer. Die wichtigsten Anregungen verdankt Gryphius dem Akademischen Gymnasium. Die Schule versuchte nicht, wie andere Schulen, den Schülern etwas auswendig zu lehren, nein, sie versuchte die Schüler zur selbstständigen Arbeit zu bringen. Gryphius wohnte vorübergehend beim Rektor der Schule, Dr. Johann Botsack, der auch der Anführer der kämpfenden Lutheraner war. In der anregenden Athmosphäre der Hafenstadt machte Gryphius den entscheidenden Schritt von der lateinischen zur deutschen Dichtung. Gryphius verließ Danzig am 21. Juli 1636. Man nimmt an, daß der Herr Georg Schönborner (1579 – 1637 ) der Auslöser war, weil er kurz vor seiner Abreise noch ein Lobgedicht für diesen Herrn veröffentlichte.
Schönborn
Von Fraustadt begab sich Andreas am 18. August 1636 nach Schönborn. Er sollte bei Georg von Schönborner Unterricht für dessen Kinder erteilen. Georg Schönborner galt als ein hochgelehrter Mann. Als Gryphius jedoch nach Schönborn kam, fand er einen physisch ( körperlich) und psychisch ( seelisch) kranken Mann vor, der zwar über ein großes Wissen verfügte, gleichzeitig aber an krankhaften Trugbildern litt. Im Hause seines Gönners fühlte Gryphius sich wohl und gewann bald die Liebe und Zuneigung seiner beiden Zöglinge Georg Friedrich und Johann Christoph. Eine starke Anziehungskraft übte Schönborners große und wertvolle Bibliothek auf ihn aus. In einem seiner Sonette schreibt er darüber:
… Hier leß ich / was vorlängst Gott seinem Volk geschworen / Hier sind Gesetz vnd Recht, hier wird die grosse Welt
In Büchern / vnd was mehr in Bildern vorgestellt;
Hier ist die zeit / die sich von Anfang her verlohren /
Vnd was in der gethan; Hier lern ich / was ein Geist /
Hier seh ich was ein Leib / vnnd spür was Tugend heist /
Schaw aller Städte weiß / vnd wie man die regieret /…
Am 30. November 1637 wurde auf Anordnung von Schönborner ein Fest veranstaltet, bei dem er Andreas Gryphius offiziell zum Dichter krönte. Die Tochter Schönborners schmückte Gryphius mit einem Lorbeerkranz. Gleichzeitig ernannte Schönborner Andreas auch zum Magister und verlieh ihm den Adelstitel. Gryphius bediente sich dem Adelstitel niemals. Schönborners Zustand verschlimmerte sich immer weiter. Er litt an der hypochondrischen Melancholie einer Geisteskrankheit. Er starb schließlich am 23. Dezember 1637.
Leyden
Im Sommer 1638 ging der nun 22jährige Gryphius, der das volle Vertrauen der Gattin Schönborners genoß, mit deren Söhnen nach Holland, um dort die Universität zu Besuchen. Am 18. Juli kamen sie in Amsterdam an. Er blieb nicht lange dort, sondern machte sich auf nach Leyden. Er schrieb sich dort am 26. Juli in der Universität ein. Er fühlte sich sehr stark angezogen von der Anatomie, und studierte diese dann auch. Gryphius nahm aber an verschiedenen Vorlesungen der verschiedenen Professoren teil. Er studierte Jura, nahm an Disputationen (wissenschaftliche Streitgespräche ) teil und hielt in den Jahren 1639 – 1643 eine Reihe von Seminaren. Die Seminare von Gryphius erfreuten sich eines großen Zulaufs.
Reise nach Frankreich und Italien, Aufenthalt in Straßburg:
Im Jahre 1644 erklärte Gryphius sich auf Vermittlung des Mediziners und Mathematikers Origanus junior bereit, den Stettiner Kaufmannssohn Wilhelm Schlegel auf einer Reise nach Frankreich und Italien zu begleiten. Anfang Juni 1644 verließ er Leyden. Am 3. Juli kam man nach Paris. Gryphius interessierte sich nur für die prächtige Bibliothek des Kardinals Richelieu, die in den Mittagsstunden geöffnet war. Gryphius ging mit der Reisegesellschaft schließlich nach Angers. Er hielt sich längere Zeit dort auf, aus ungeklärten Gründen, und verließ die Stadt erst am 2. November 1645 und reiste nach Süden, Marseiile um genau zu sein. Man machte sich von dort aus auf dem Seeweg nach Florenz. In Florenz besichtigte Andreas am 19. Dezember die Kunstkammer des Großherzogs. Anfang 1646 erreichte die Reisegesellschaft Rom. Gryphius besuchte den Papst, besichtigte die Katakomben und die vielen Sehenswürdigkeiten Roms. Am 1. März fuhr die Reisegesellschaft nach Tusculum (Frascati), wo sie die Gärten der Aldobrandini bewunderte und den Palast besichtigte. Am 15. April reiste sie über Florenz nach Bologna, danach über Ferrara, francolino nach Pulicella, einem kleinen Ort am Po. Von dort ging es bei stürmischem Wetter mit dem Schiff nach Venedig. Hier durften die Reisenden am 22. April den Schatz des heiligen Marcus besichtigen. Über einen der Alpenpässe ging nun die Reisegesellschaft nach Straßburg, wo sie sich auflöste. Gryphius, aber wohnte bei einem Rechtsgelehrten namens Gregor Biccius.
Rückkehr nach Schlesien
Am 25. Mai 1647 verließ Gryphius Straßburg und fuhr den Rhein abwärts nach Speyer. Dort verbrachte er mehrere tage um das Reichskammergericht besser kennenzulernen, reiste dann nach Mainz, anschließend den Main aufwärts nach Frankfurt und später auch noch nach Köln. Von dort begab er sich nach Amsterdam in die Heimat und am 25. Juli kam er nach Stettin zu Herrn Schlegel, seinem Freund und Gönner. Am 8. November reiste er weiter nach Südosten. Er erreichte am 20. November 1647 Fraustadt, wo auch sein Stiefvater Eder lebte. In Deutschland tobte immer noch der dreißigjährige Krieg und in Schlesien standen die Truppen der Schweden. Er verblieb in Fraustadt und wartete die Friedensverhandlungen ab.Hier sei erwähnt, daß ihm zahlreiche Leute einen Posten als Professor an zahlreichen Universitäten anboten. Am 27. November 1648 verlobte Gryphius sich mit Rosina Deutschländer, und heiratete diese am 12. Januar 1649. Im nächsten jähr wurde Gryphius das Amt des Rechtsberaters der Landstände anvertraut. Die Ehe von Gryphius war nicht glücklich. Seine Frau gebar ihm sieben Kinder. Von denen starben 5 sehr früh. Seine Tochter Anna Rosina, starb im Alter von 44. Jedoch hatte sie im vierten Jahr aufgehört zu wachsen, verlor das Gehör und Gedächtnis. Der einzige Nachkomme von Gryphius, der das Mannesalter erreichte, war Christian, der älteste Sohn, der sich später eines gewissen Rufes als Gelehrter und Dichter erfreute.
Im Jahre 1662 wurde Gryphius von Herzog Wilhelm von Sachsen der Beiname der „Unsterbliche” verliehen. Nach einer 14jährigen arbeits – und erfolgreichen Amtszeit ist Gryphius am 16. Juli 1664 während einer Sitzung der Landstände im fürstentum Glogau einem Schlaganfall erlegen.
Quellenangabe: Max Niemayer Verlas „Andreas Gryphius Leben und Werk”.
29. Dezember 2011, Akif Sahin
Kategorie(n): Schule und Co.

Kennt sich aus mit den Themen Internet, Islam, Medien und Politik. Schießt für sein leben gerne Fotos und bearbeitet sie anschließend am Bildschirm. Ist seit Jahren in der muslimischen Jugend- und Studentenarbeit aktiv.




Huhu, ausgesprochen cool mal neuen Leseftoff zu lesen =) der Text ist auch mal wieder ehrlich witzig auf den Punkt gebracht… Vielen Dank