Test: Mitfahrgelegenheit(en)

Mein Freund Adem macht das eigentlich immer. Wenn er mal wieder mit seinem Auto unterwegs gen Süden zu seinen Schwiegereltern ist, dann stellt er kurzerhand auf einer Online-Plattform Sitzplätze für Interessierte ein, die mitfahren möchten. Das senkt die Fahrtkosten. Also ein Grund genug für mich, dass auch mal auszuprobieren. Ich habe vergangenes Wochenende einen Termin [...]

Mein Freund Adem macht das eigentlich immer. Wenn er mal wieder mit seinem Auto unterwegs gen Süden zu seinen Schwiegereltern ist, dann stellt er kurzerhand auf einer Online-Plattform Sitzplätze für Interessierte ein, die mitfahren möchten. Das senkt die Fahrtkosten. Also ein Grund genug für mich, dass auch mal auszuprobieren.

Ich habe vergangenes Wochenende einen Termin in Kerpen gehabt. Also stellte ich auf drei Plattformen (mitfahrzentrale, mitfahrgelegenheit und flinc) eine Reiseroute von Hamburg über Köln nach Kerpen zusammen. Insgesamt hatte man vier Tage Zeit mich zu kontaktieren, bevor die Fahrt dann los ging.

Mitfahrzentrale
Das Interface ist über einen Web-Browser ganz einfach zu nutzen. Allerdings gibt es einige Haken. Z.B. ist die kostenlose Ausführung zwar für einen selbst kostenlos, allerdings können für andere User Kosten anfallen, wenn sie denn die Nummer hinter der Fahrt erfahren möchten. Ich habe hier den Preis den ich einstellen wollte, weitestgehend selbst bestimmen können. Allerdings hätten User die bei mir mitfahren wollten unter Umständen eine kostenpflichtige Nummer wählen müssen.

Das Ergebnis war, dass sich über diese Plattform Niemand gemeldet hat. Ich würde auch davon abraten diese Plattform zu nutzen – sie erscheint mir in Teilen unseriös.

flinc
Ganz anders sah es da bei flinc aus. Eine recht neue Seite, mit einigen Usern. Die Anwendung und auch das iphone App klappen sehr gut. Allerdings hat mich flinc den Preis erstmal gar nicht vorgeben lassen, sondern selbst bestimmt, wie teuer die Fahrt werden sollte. Da kam es dann auf ganze 26 €.

Leider scheint flinc, trotz der guten Oberfläche und dem durchdachten System, nie aus dem BETA-Status herausgekommen zu sein. Auch über diese Plattform hat sich Niemand bei mir gemeldet.

Mitfahrgelegenheit
Hier sah es dann doch ganz anders aus. Anmelden über Open ID ist möglich, was mich als Nerd natürlich immer begeistert. Die Oberfläche ist sehr einfach zu bedienen und, was mich natürlich auch positiv gleich überrascht hat, ist die Tatsache, dass der ADAC (ich bin Plus-Mitglied) diese Plattform unterstützt.

Und tatsächlich, nach dem ich meine Route eingegeben und einen kleinen Preis (10€) festgelegt habe, meldeten sich kurz danach gleich mehrere Personen. Auch die iPhone App der Seite funktioniert einwandfrei, allerdings muss man aufpassen. Denn wenn man das neue Buchungssystem von mitfahrgelegenheit.de nutzt, dann kann man Einträge nicht über die iPhone App ändern – was unterwegs lästig sein kann.

Fazit
Von allen drei Angeboten hat mich Mitfahrgelegenheit.de sehr überzeugt. Sowohl vom Angebot, als auch den Funktionen her ist das System sehr gut. Auch die Nutzerschaft scheint groß genug zu sein – denn auf die drei freien Plätze haben sich mehr als 15 Personen gemeldet.

Meine persönliche Erfahrung ist jedoch auch ein bisschen gegen dieses Prinzip überhaupt gerichtet. So hat sich z.B. eine Dame die fest zugesagt hatte, kurz vor Abfahrt abgemeldet. Ich hatte dann nur noch zwei Stunden Zeit einen Ersatz zu finden (was mir auch gelungen ist)… Allerdings hat sich bei der Rückfahrt das Gleiche erneut ereignet.

Was man hier machen sollte ist, nach Möglichkeit die Zahlung im Voraus zu verlangen. Das geht bei Mitfahrgelegenheit.de unter anderem, wenn man das moderne und neue Buchungssytem nutzt. Da werden dann zwar zwei Euro Gebühren erhoben, dafür müssen die Personen die sich angemeldet haben, aber auch erscheinen, sonst ist ihr Geld futsch.

Auf meiner Fahrt von Hamburg über Köln nach Kerpen und zurück hab ich im Übrigen interessante Personen kennengelernt. Z.B. einen Mitarbeiter einer international agierenden Firma, die Windkrafträder bauen. Eine Gymnasiastin die ihren Freund besucht oder auch eine Erzieherin die vor allem im Bereich der Familienberatung tätig ist.

Wirklich viel gespart hab ich indes nicht. Die Tankkosten waren zwar etwas geringer, aber nicht wesentlich nennenswert. Das lag aber auch an meinem Preis. 10 € für eine einfache Fahrt sind recht günstig. Die meisten Angebote waren zwischen 20 und 30 € für die gleiche Strecke. Das liegt mitunter daran, dass viele Leute die bei solchen Plattformen inserieren, ihre Kosten komplett wieder raus haben möchten.

Darum ging es mir nun nicht wirklich. Ich wollte das ganze einfach mal ausprobieren. Ich weiß nach dieser Erfahrung, dass ich mir vorstellen kann, sowas auch öfter zu machen – weil es besser ist, Leute mit an Bord zu haben, als alleine zu fahren.

Übrigens: Bei meiner Rückfahrt hab ich dann noch Jemanden bei der Tankstelle Tecklenburger Land mit in den Wagen genommen. Der Herr war schon sichtlich unterkühlt und suchte eine Mitfahrgelegenheit nach Hamburg. Wie mir schien ein armer Schlucker, der etwas von einem Obdachlosen hatte… Die Überfahrt war für ihn natürlich Gratis… Ein bisschen Menschlichkeit sollte immer dazu gehören…

22. Dezember 2011,

Kategorie(n): Gedanken, Internet, iPhone, Social Networks



4 Antworten zu “Test: Mitfahrgelegenheit(en)”

  1. Tom sagt:

    Hi,

    Ich persönlich habe mitfahrzentrale.de insgesamt nur 2mal benutzt: Das allererste mal, als ich zum ersten Mal in meinem Leben nach einer Mitfahrgelegenheit gesucht habe; und danach noch einmal, als ich in Österreich war und per MiFaGe wieder nach Deutschland (zunächst nur nach München)fahren wollte – denn bei dieser Strecke musste ich feststellen, dass mitfahrgelegenheit.de (die Plattform, die ich sonst immer nutze)länderübergreifend nicht funktionierte. In diesem fall hatte ich Glück, dass der Kontakt sich bei mitfahrzentrale.de über eMail herstellen ließ.
    Ich fahre prinzipiell viel mit Mitfahrgelegenheiten, weil ich kein eigenes Auto habe und mir die Bahn einfach zu teuer ist. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich in letzter Zeit zunehmend schlechte Erfahrungen mache (entweder gierige Fahrer oder solche, die mir in letzter Minute absagen und mir so entweder die reise komplett versauen oder mich dazu nötigen, der Bahn doch Geld in den Rachen zu werfen. In diesen Situationen denke ich zunehmend über ein eigenes Auto nach…wenn das nur nicht so verdammt teuer wäre. :-(

    Grüße

    Tom

  2. Katharina sagt:

    Toller Bericht!
    Nur habe ich Probleme, die Mitfahrzentralen, die Du getestet hast, zuzuordnen. Es gibt ja mitfahrgelegenheit.de und mitfahrzentrale.de …

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