Sonderrecht der Kirchen…
Immer wieder höre ich im Diskurs mit Nicht-Muslimen, dass Muslime angeblich Sonderrechte für sich etablieren wollten… Kirchliche Sonderrechte werden dabei überhaupt nicht beanstandet. Man misst in aller Regel mit zweierlei Maß (es sei denn man ist tatsächlich laizistisch eingestellt und sieht Religion insgesamt als eine Gefahr an und plädiert für die komplette Abschaffung). Jedenfalls ist [...]
Immer wieder höre ich im Diskurs mit Nicht-Muslimen, dass Muslime angeblich Sonderrechte für sich etablieren wollten… Kirchliche Sonderrechte werden dabei überhaupt nicht beanstandet. Man misst in aller Regel mit zweierlei Maß (es sei denn man ist tatsächlich laizistisch eingestellt und sieht Religion insgesamt als eine Gefahr an und plädiert für die komplette Abschaffung). Jedenfalls ist der aktuelle Fall einer Berufstätigen, die von der Kirche rausgeschmissen wurde, ein Beweis dafür, dass die gesellschaftliche Empörung nur dann stattfindet, wenn die “Täter” Muslime sind.
Eine Vikarin, die Pfarrerin werden wollte, heiratete einen Muslim. In der Konsequenz muss die Dame jetzt ihre Ausbildung abbrechen, weil das evangelische Kirchenrecht solche Heiraten nur in Ausnahmefällen duldet (man hätte sich beispielsweise vor der Eheschließung eine Erlaubnis und den Segen der Kirche holen müssen).
Das liegt auch am Baden-Württembergischen Pfarrergesetz. Dieses schreibt eindringlich vor, dass nur solche Personen das Amt des Pfarrers oder der Pfarrerin bekleiden dürfen, deren Ehegatten auch evangelisch sind.
Obwohl die Kirche jetzt massiver Kritik ausgesetzt ist, weil hier eine Diskriminierung einer Frau stattfindet, aufgrund der religiösen Überzeugung des Ehegatten, bleibt die öffentliche Erregung zum größten Teil aus. Tatsächlich werden Sonderrechte von Kirchen, die eben auch diskriminierend sein können, von der Mehrheit der Bevölkerung geduldet, während andere Religionsgemeinschaften immer angefeindet werden.
Man stelle sich einmal den Proteststurm vor, der losgetreten worden wäre, wenn es sich um einen Imam gehandelt hätte und dessen Frau christlich sei und die Moschee ihn deshalb ausgeschlossen hätte.
Das Signal, dass von diesem kirchlichen Urteil ausgeht ist aber so schon verheerend genug. Zum einen fordert man ständig, dass sich auch Muslime integrieren sollen, aber wenn es dann darauf ankommt, werden Personen die sich mit Muslimen abgeben und eigentlich sogar einen Beitrag im Dialog zwischen Muslimen und Christen leisten, von der Kirche verbannt und mit Berufsverboten belegt. Zum anderen kritisiert man Muslimische Verbände dafür, dass sie sich angeblich um Sonderrechte bemühen würden, während diese Sonderrechte unbeanstandet anderen Religionsgemeinschaften zugestanden werden.
Die Diskriminierung in diesen Punkten findet vor allem von staatlicher Seite statt.
18. November 2011, Akif Sahin
Kategorie(n): Religion
Tags: diskriminerung, ehegatte, evangelisch, kirche, kirchenrecht, muslime, sonderrecht, vikarin

Kennt sich aus mit den Themen Internet, Islam, Medien und Politik. Schießt für sein leben gerne Fotos und bearbeitet sie anschließend am Bildschirm. Ist seit Jahren in der muslimischen Jugend- und Studentenarbeit aktiv.




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