Kinder-Ehen ein europaweites Problem

In türkischen Medien wird derzeit ein Bericht des in Ankara ansässigen Think-Tank International Strategic Research Organisation (USAK) mit viel Beachtung wiedergegeben. Die USAK hat heute in einer Pressekonferenz ihren Bericht zum Thema Kinder-Ehen vorgelegt. Während der Bericht erstmals auch europäische Staaten in den Fokus stellt, so sind vor allem seine Erkenntnisse für die gesamte Welt [...]

In türkischen Medien wird derzeit ein Bericht des in Ankara ansässigen Think-Tank International Strategic Research Organisation (USAK) mit viel Beachtung wiedergegeben. Die USAK hat heute in einer Pressekonferenz ihren Bericht zum Thema Kinder-Ehen vorgelegt. Während der Bericht erstmals auch europäische Staaten in den Fokus stellt, so sind vor allem seine Erkenntnisse für die gesamte Welt durchaus besorgniserregend.

Der von der USAK vorgelegte Bericht ist etwas populistisch aufgebauscht worden, da er auch kritisch mit dem Thema in der Türkei umgeht. Kinder-Ehen werden im Bericht allerdings nicht nur als ein Problem von armen Ländern, sondern auch als ein Problem von modernen Industrienationen dargestellt.

Obwohl es keine eindeutig gesicherten weltweiten Zahlen zu diesem Phänomen gibt, so kann man laut Bericht der USAK davon ausgehen, dass weltweit jedes Jahr ca. 10-12 Millionen Frauen Opfer von Kinder-Ehen werden. Beispielsweise ist in der Türkei jede dritte Frau Opfer einer Kinder-Ehe. In Frankreich und England jede vierte Frau.

Eheschließungen in frühkindlichem Alter sind allerdings laut Bericht nicht durch ein schier einfaches sozio-kulturelles, tradiotionelles oder religiöses Weltbild erklärbar, sondern ein komplexes Problem, dass vor allem neben sozio-kulturellen Faktoren, auch auf Faktoren wie Bildung, Geschlechtergerechtigkeit, Kriege und Katastrophen zurückzuführen ist.

Eheschließungen im frühkindlichem Alter bedrohen laut USAK nicht nur das Leben von Kindsmüttern, die dann ihre Kinder austragen und für Infektionskrankheiten empfänglich sind, sondern die gesamte Gesellschaft einer Nation. Denn Kinder-Ehen führen oftmals zu Bildungsdefiziten bei Frauen und deren Kindern, zu Gewalt gegen Frauen und zur Ausbeutung von Frauen. Die gesellschaftliche Isolation von Frauen ist nur eine der weiteren Folgen von Kinder-Ehen.

Untersuchungen zum Thema insgesamt sind in aller Regel eher die Ausnahme. Vor allem solche Untersuchungen, die sich als weltweite hinstellen, müssen immer kritisch betrachtet und beäugt werden. Die repräsentativität ist oftmals nicht gegeben. Die USAK hat versucht in ihrem Bericht dem Phänomen weltweit auf den Grund zu gehen und kam zu eigentlich bekannten Ergebnissen.

Dem Bericht zufolge sind vor allem West-, Ost- und Mittelafrika sowie mehrere Staaten in Asien führend was die Zahl von geschlossenen Kinder-Ehen angeht. Gerade in Ländern wie dem Tschad, dem Niger oder Bangladesch lassen sich Quoten von 60% bis zu 70% feststellen, was Kinder-Ehen angeht.

Europaweit betrachtet ist das Thema vor allem in Georgien und der Türkei ein riesen großes Problem. In Georgien sind 17% aller Ehen sogenannte Kinder-Ehen. In der Türkei ist dieser Wert auch sehr hoch mit ca. 14%. Danach folgt die Ukraine mit 10%. Allerdings sind auch große Industrienationen wie England und Frankreich mit knapp 10% in der Liste der unrühmlichen vertreten.

Insgesamt lässt sich das Problem von Kinder-Ehen, wie in der Pressekonferenz geschehen, auf folgendes zusammenfassen:

Kinder-Ehen sind ein globales Problem. Diese Ehen können an manchen Orten der Welt in der Form auftreten, dass ein Mädchen einen vier oder fünf Jahre älteren Mann heiratet, oder an anderen Stellen so dass ein alter Mann eine mittlere geschiedene oder ein entführtes und vergewaltigtes Mädchen heiratet. Manche sehen diese Ehe auch nur als eine Form des Handels an, z.B. wenn ein zehnjähriges Mädchen einem Alten Mann zur Frau gegeben wird um eine Geld-Schuld oder eine Blut-Schuld zu begleichen.

Die USAK fordert in der Konsequenz den Schutz von Mädchen vor Kinder-Ehen und ein stärkeres Engagement der Türkei um dieses Problem zumindest im eigenen Land zu lösen.

Weiterführender Link: http://www.usak.org.tr/haber.asp?id=1213

18. November 2011,

Kategorie(n): Politik
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