Libyen: Die Weichen stehen auf Demokratie
Der Vorsitzende des Libyischen Übergangsrates, Mahmoud Dschibril, hat heute seinen Rücktritt erklärt. Dschibril, der bereits vor einiger Zeit seinen Rücktritt angekündigt hatte, ging in einer Presse-Konferenz auf die wichtigsten Fragen zum Thema Libyen ein. Die Welt fragt sich, wie ein Libyen nach der Stunde 0, dem Tod des ehemaligen Diktators Muammar Al Gaddafi, aussehen könnte. [...]
Der Vorsitzende des Libyischen Übergangsrates, Mahmoud Dschibril, hat heute seinen Rücktritt erklärt. Dschibril, der bereits vor einiger Zeit seinen Rücktritt angekündigt hatte, ging in einer Presse-Konferenz auf die wichtigsten Fragen zum Thema Libyen ein.
Die Welt fragt sich, wie ein Libyen nach der Stunde 0, dem Tod des ehemaligen Diktators Muammar Al Gaddafi, aussehen könnte. Vor allem westliche Mächte weinen dem Despoten hinterher, da er wenigstens berechenbarer war, als die jetzt an der Macht stehenden. Denn die Männer und das Volk scheinen sich dem Islam zugewandt zu haben. In Tunesien wurden die “Islamisten” wie sie hier in Deutschland betitelt wurden, stärkste Kraft bei den Parlamentswahlen. Ähnliches könnte ja auch in Libyen an der Tagesordnung stehen.
Was viele nicht verstehen ist, dass es ein gewaltigen Unterschied zwischen der Wahrnehmung von Islamisten in Deutschland und dem Westen gibt, und der Wahrnehmung der Islamisten in den arabischen Ländern. Oftmals denken die Menschen bei dem Stichwort an Terroristen und ähnliches, dabei muss man sich gerade vor den Islamisten in den arabischen Ländern gar nicht fürchten. Sie alle befürworten einen demokratischen Prozess mit religiöser Ausrichtung und Verwurzelung – und genau das ist oftmals der Wunsch der Mehrheitsbevölkerung.
Mahmoud Dschibril zum Beispiel ist derzeit im Westen hoch im Kurs gewesen. Er war quasi erster Ansprechpartner der NATO als es um die Entmündigung und Bekämpfung des Gaddafi-Regimes ging. Eben jener Dschibril hielt heute eine Pressekonferenz ab in der er seinen Rücktritt bekannt gab. Die Pressekonferenz fand im Islamischen Zentrum in Tripolis statt.
Und was Dschibril zu erzählen hatte, war auch keine Angsteinflößende Geschichte. Er empfahl bei der Pressekonferenz, dass der Übergangsrat seine Strukturen ändern müsse um sowohl Frauen und Jugendlichen als auch den Soldaten des Landes die Möglichkeit zu geben sich bei der Neugestaltung des Landes einzubringen. Eine Erweiterung des Übergangsrates zur Bewältigung der dringendsten Fragen des Landes.
Dschibril selbst sieht diese Fragen in der Erstellung einer neuen Verfassung binnen der nächsten 3 Monate. Außerdem empfiehlt er den Gang zur Urne für Parlamentswahlen binnen 8 Monaten.
In diesen Prozess dürften sich vor allem dann die USA einbringen, da sie als eine der Großmächte die meiste Erfahrung mit der Erstellung von Verfassungen haben. Aber in Libyen selbst als auch im Exil gibt es viele Libyer die von dieser Materie genug Ahnung haben.
Dschibril räumt seinen Platz, weil er vor allem seine Aufgabe als erfüllt ansieht. Er wollte Gaddafi weg haben, und das ist ihm mit Unterstützung gelungen. Die Stämme in Libyen scheinen auch der neuen Führung nicht abgeneigt zu sein und beugen sich dem Volk. Es gibt bisher jedenfalls keine Berichte über Stammeskriege (auch wenn libyische Rebellen-Gruppen Anhänger Gaddafis systematisch Foltern sollen).
Wer jetzt denkt Dschibril könnte sich noch in die Politik einbringen, der wurde heute dann enttäuscht. Der sich verabschiedende Dschibril erklärte, er plane weder eine Partei zu gründen noch sich einer Partei anzuschließen. Er werde sich vielmehr mit zivilen Organisationen weiter vernetzen um Libyen zu älter Stärke zu verhelfen.
Ein Mann, der sich wohl durch das Schicksal von einem Anderen Mann, der an seinem Stuhl klebte, stark hat beeinflussen lassen.
31. Oktober 2011, Akif Sahin
Kategorie(n): Politik
Tags: frauen, islamisten, libyen, mahmoud dschibril, muammar al gaddafi, rücktritt, übergangsrat, verfassung, wahlen, wahrnehmung

Kennt sich aus mit den Themen Internet, Islam, Medien und Politik. Schießt für sein leben gerne Fotos und bearbeitet sie anschließend am Bildschirm. Ist seit Jahren in der muslimischen Jugend- und Studentenarbeit aktiv.




Letzte Kommentare