Fordert den Hadsch-Anwärtern nicht zu viel ab…

Vorgestern rief mich ein junger Mann aus der Jugend-Gruppe an und verabschiedete sich von mir. Er flog gestern zur Hadsch. Im Gespräch bat er mich darum ihm, falls vorhanden, seine Unzulänglichkeiten mir gegenüber zu verzeihen. Das ist so eine Art bei uns. Gehen wir auf Reisen, dann verabschieden wir uns nicht nur, sondern bitten unseren [...]

Vorgestern rief mich ein junger Mann aus der Jugend-Gruppe an und verabschiedete sich von mir. Er flog gestern zur Hadsch. Im Gespräch bat er mich darum ihm, falls vorhanden, seine Unzulänglichkeiten mir gegenüber zu verzeihen. Das ist so eine Art bei uns. Gehen wir auf Reisen, dann verabschieden wir uns nicht nur, sondern bitten unseren Gegenüber darum, sollten wir ihm Unrecht getan haben, uns zu vergeben, ebenso vergibt man einem selbst, den man fragt.

Ich selbst finde es sehr schwierig, Menschen denen ich Unrecht getan habe, um so etwas zu bitten. Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen denen ich auch nicht unbedingt verzeihen kann…

Das ist aber ein Thema für einen anderen Artikel. Worauf ich hinaus wollte…

Ach ja…

Der junge Mann fragte mich schließlich, ob ich einen Wunsch hätte. Auch so eine Unsitte. Ständig wird gefragt, ob man etwas wünscht, z.B. aus der Türkei, aus Polen oder eben wie in diesem Fall aus Mekka und Medina…

In aller Regel gebietet es einem die Höflichkeit nichts zu wünschen, und der Reisende kehrt trotzdem am Ende mit Kleinigkeiten zurück…

Bei Hadsch-Reisenden ist es aber schon fast eine Untugend geworden, dass sich die Muslime allesamt wünschen, dass der Anwärter auf den Titel des Hadschis, bitte auch für sie ein Bittgebet sprechen soll. Auch so eine Unsitte.

Der Reisende wird überhäuft mit solchen Wünschen… Diesem Jungen Mann allerdings scheint das noch nicht so ganz klar gewesen zu sein, denn er fragte mich, ob er für mich ein spezielles Bittgebet sprechen soll…

Ich sagte ihm, dass er sich um seine Hadsch kümmern soll, und sich nicht selbst die Gedanken und die Bürde der Menschen auferlegen soll… Als er mich fragte, ob ich nicht doch einen besonderen Wunsch hätte, erklärte ich ihm, er solle viele Fotos schießen, damit wir einen Eindruck von seiner Hadsch-Reise haben, wenn er zurückkommt…

Bei jedem Bild wird er sich so wenigstens an mich erinnern… Und, um die Illusion einiger Gutmenschen unter den Muslimen zu vernichten, er wird mich im Angesicht der Pracht und der religiös-asketischen und mystischen Atmosphäre in Medina und Mekka, in seinen Bittgebeten nicht vergessen, und sich nicht diese Last des Vergessens aufbürden…

Denn oftmals sind die Reisenden im Anblick der Schönheit der wichtigsten Wallfahrtsorte des Islam so tief versunken, dass sie die weltlichen Dinge hinter sich lassen und sie schlichtweg vergessen…

Das ist auch gut so…

Aber bürden wir als Muslime den Anwärtern nicht zu viel auf, wenn wir sie alle um ein Bittgebet bitten?

Bittet eure Verwandten, eure Engsten Freunde… Aber doch nicht irgendwelche Bekannten und zufälligen Bekanntschaften…

Da ist es mir lieber, dass sich der Muslim oder die Muslima hinsetzt und selbst einmal seine Arme erhebt um ein Bittgebet zu sprechen… Dafür muss man nicht in Mekka sein… Auch wenn man annimmt, dass Bittgebet des Hadschis werde angenommen… Allah sieht Alles und Allah erhört alles… Ganz bestimmt auch das Bittgebet seiner Diener, die nicht in Mekka und Medina sein können…

14. Oktober 2011,

Kategorie(n): Gedanken, Religion
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2 Antworten zu “Fordert den Hadsch-Anwärtern nicht zu viel ab…”

  1. Aylin sagt:

    Ich unterschreibe.

  2. muslim sagt:

    sehr richtig !

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